InterviewSo hat Stargeiger David Garrett seine erste Million verdient

Stargeiger David Garrett
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David Garrett, 38, in Aachen als David Christian Bongartz geboren, bekam mit zwölf Jahren den ersten Plattenvertrag. Er zählt zu den besten Geigern seiner Generation und wurde mit seiner Verbindung von E- und U-Musik weltberühmt. Mit seinem Greatest-Hits-Album „Unlimited“ geht er 2019 auf Tour.


Capital: Herr Garrett, mit vier Jahren haben Sie angefangen, Geige zu spielen, und schon als Kind bis zu acht Stunden täglich geübt. Ihre strenge Erziehung und das angespannte Verhältnis zu Ihren Eltern sind bekannt. Haben Sie Ihr Instrument oft verflucht?

DAVID GARRETT: Ich habe immer gerne gespielt, aber das Üben ist hart. Es gab regelmäßig Meinungsverschiedenheiten mit meinen Eltern. Ich bekam Privatunterricht und hatte so viel weniger Kontakt zu gleichaltrigen Kindern.

Als Fünfjähriger haben Sie Ihre ersten Konzerte gespielt. Was hat Sie dazu angespornt?

Meine Eltern sind sehr klassik-affin: Meine Mutter ist Balletttänzerin, mein Vater hat ein Auktionshaus für Streichinstrumente. Als mein älterer Bruder mit sechs Jahren eine Geige bekam, habe ich ihm nachgeeifert und immer darauf geübt, wenn er nicht gespielt hat.

Hatten Sie andere Traumberufe?

Mein Weg war von Anfang an sehr klar. Ich habe früh mit sehr guten Lehrern und berühmten Musikern gearbeitet, die mir geraten haben, Geige zu spielen, weil ich ein wahnsinniges Talent dazu habe. Ich habe schon als Kind die Verantwortung gespürt, den Beruf auszuüben. Das war mir auch nicht immer geheuer.

Mit 18 sind Sie nach New York gezogen – oder geflüchtet?

Die Entscheidung war wegweisend. In den ersten 18 Jahren war Geigespielen eher eine Pflicht, in New York habe ich festgestellt, dass ich es auch wirklich machen möchte. Zudem war es wichtig, um zu lernen, selbstständiger über mein Leben entscheiden zu können.

Waren Sie finanziell unabhängig?

Meine Eltern waren von dem Schritt nicht begeistert, deshalb habe ich das Studium in New York mit Nebenjobs selbst finanziert. In den vier Jahren musste ich jeden Pfennig zehnmal umdrehen. Dadurch habe ich den Wert des Geldes schätzen gelernt. Wenn ich mir heute etwas kaufe, wird das gehegt und gepflegt und nicht für selbstverständlich erachtet.

Von Ihrem genreübergreifenden Crossover-Stil war anfangs keine Plattenfirma überzeugt. Warum haben Sie darauf beharrt?

Der Anfang war schwer. Das hat mich geprägt und wird mich ein Leben lang erden. Aber was man über Jahre aufbaut und mit Leidenschaft verfolgt, führt meist zum Erfolg.

Wann haben Sie mit Ihrer Musik die erste Million verdient?

2013 hat der Tourveranstalter in Frankfurt eine Party organisiert, nachdem wir das millionste Ticket verkauft hatten. Da wurde mir erstmals bewusst, vor wie vielen Menschen ich in den vergangenen fünf Jahren live gespielt hatte.

Sie haben damit Millionen verdient. In was investieren Sie?

In Instrumente. Da habe ich mir über die Jahre ein sehr großes Fachwissen angeeignet. Dass ich mir die ersten Wohnungen leisten konnte, war auch ein großer Traum.

Sie hatten kürzlich einen Bandscheibenvorfall und konnten Ihre linke Hand kaum bewegen. Was bedeutet das für Ihre Karriere?

Ich hatte wahnsinnige Schmerzen, habe monatelang Physiotherapie gemacht und überhaupt nicht gespielt. Durch die Pause spüre ich nun wieder eine große Euphorie und Energie – die aufgrund der Schmerzen vielleicht ein wenig verblasst war.


Der Beitrag stammt aus der Print-Ausgabe 01/2019 von Capital.