UmfrageNur wenige vertrauen der Integrität ihres Unternehmen

Vertrauen
Wenige Beschäftige vertrauen ihren Kollegen.Unsplash

Nur 22 Prozent der deutschen Mitarbeiter vertraut darauf, dass das eigene Unternehmen sich immer dafür entscheiden würde, das Richtige zu tun, statt nur Profit und den eigenen Vorteil im Blick zu haben. Das ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Gallup unter 4000 Beschäftigten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien. Die Quote von 22 Prozent ist erstaunlich gering – vor allem, wenn man ihr andere Fakten entgegenstellt: Durch steigende Transparenz und Informationsmöglichkeiten im Internet steigt der öffentliche Druck auf Unternehmen, sich ethisch korrekt zu verhalten – sowohl von Verbraucher- als auch Beschäftigten-Seite.

Trotz des Drucks wird es gleichzeitig schwieriger. Unternehmenserfolg hängt immer stärker von Innovation und datengetriebenen Lösungen ab. So entstehen Organisationskulturen, die zu opportunistischem Verhalten verleiten. Mitarbeiter haben das Gefühl, nur auf Kosten anderer erfolgreich sein zu können. Ein Kultur, die von Vertrauen geprägt ist, beinhaltet laut Gallup drei wesentliche Elemente:

Erstens muss das oberste Geschäftsziel der maximale Kundenwert sein. Nur jeder dritte Mitarbeiter glaubt, dass sein Unternehmen die Kunden niemals belügen oder ihnen Information vorenthalten würde, die für sie relevant sind. Als Negativbeispiel nennt die Studie Facebook. Dadurch, dass die Nutzer hier nicht das oberste Geschäftsziel waren, geriet Facebook in eine Vertrauenskrise – Nutzer- und Umsatzschwund waren die Folge.

Zweitens muss Integrität ein Kernwert des Unternehmens sein. Das bedeutet, dass bei allen Entscheidungen auch dieser Wert berücksichtigt wird. Investor und Unternehmer Warren Buffet wird bezüglich seiner Einstellunsgspraxis wie folgt zitiert:

Wir achten auf drei Dinge, wenn wir Leute einstellen: erstens Intelligenz, zweitens Initiative oder Tatkraft und drittens Integrität. Und wenn sie die dritte Qualität nicht haben, dann werden ihnen die ersten beiden zum Verderben: denn wenn Sie Leute ohne Integrität bekommen, möchten Sie, dass sie faul und dumm sind.

Warren Buffett

Und ein dritter Aspekt einer von Vertrauen geprägten Kultur ist, dass ethische Fragen auf Führungsebene eine Rolle spielen. Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter befähigen, ethisch zu handeln und ermöglichen, dass ethische Verfehlungen angesprochen werden können. „Mitarbeiter müssen sensibilisiert und angehalten werden, ihren eigenen moralischen Kompass bei der Arbeit zu nutzen“, so Marco Nink, einer der Autoren der Studie. „Hier ist der direkte Vorgesetze das A und O – auch in modernen Unternehmen, die auf Eigenverantwortung und nicht hierarchiebezogene Denkweisen setzen.“

Was laut Studie wenig Auswirkung hat, sind Compliance-Schulungen. 28 Prozent der deutschen Befragten haben im letzten Jahr eine solche Schulung absolviert, doch auf die Einschätzung der Integrität des eigenen Unternehmens hatte dies kaum Auswirkung. Marco Nink erklärt sich das wie folgt: „Ein alleiniger Compliance-Unterricht bringt wenig. Werte und richtiges Verhalten erproben sich im Alltag. Menschen brauchen Offenheit und Dialog, um sich gegenseitig zu vertrauen.“

Der wohl wichtigste Aspekt ist also, dass alle Beschäftige zur Compliance-Abteilung werden. Gerade durch agile Arbeitsformen und neue ethische Fragestellungen durch die Digitalisierung müssen alle Mitarbeiter lernen, wie ethische Entscheidungsfindung funktioniert. So wird das Vertrauen in die Integrität des Unternehmens vielleicht wieder zunehmen.