Management5 Tipps für mehr Freude im Berufsalltag

Motivation ist der Wunsch, etwas zu tun. Wer den Begriff bei Google eingibt, bekommt ungefähr 335 Millionen Einträge angezeigt. So etwas ist immer verräterisch. Denn hervorgehoben wird stets das, woran Bedarf herrscht. Das Selbstverständliche muss ja nicht betont werden! Wenn wir uns also in der Arbeitswelt derart intensiv mit Motivation beschäftigen, weist dieser Umstand auf einen eklatanten Mangel hin.

Es fehlt uns eben häufig die rechte Motivation. Dann muss man sich motivieren. Unzählige Gurus erklären uns bereitwillig, wie das geht. Selbstmotivierung ist eine allgegenwärtige Forderung, die wir selbst genauso an uns stellen wie unsere Arbeitgeber oder unsere Kunden. In der Kunst der Selbstmotivierung scheint unser Heil zu liegen. Sie verspricht Glück und Erfolg.

Die fragwürdige Kunst der Selbstmotivierung

Selbstmotivierung ist immer Selbstüberwindung. Die inneren Widerstände werden gebrochen, die inneren Unlustgefühle niedergerungen. Man reißt sich zusammen, versucht sich von der Notwendigkeit der Aktion zu überzeugen und verleugnet dabei stets jenen Teil in sich, der sich gegen die anstehende Aufgabe sträubt. Selbstmotivierung bedeutet Selbstvergewaltigung.

Hinzu kommt, dass diszipliniertes Funktionieren viel Energie kostet. Disziplin verbraucht Glukose, genau wie ein Muskel. Darum ist die Willenskraft auch irgendwann erschöpft wie ein Muskel. Dann geht gar nichts mehr. Obendrein kann die Energie, die für Willenskraft aufgebracht wird, nicht der Arbeit zugutekommen.

Deswegen sollten wir sehr genau wissen, welche Aufgaben diesen Preis wert sind. Selbstmotivierung kann nur punktuell Sinn machen. Das Beste wäre, wir könnten mehr Freude bei der Arbeit empfinden. Arbeitsfreude bedeutet „Ich genieße, was ich tue“ und macht damit jegliche Selbstüberwindung überflüssig.

Fragt sich nur, wie sich Freude erzeugen lässt, wenn es doch gute Gründe für Unlustgefühle gibt. Aber wer erst einmal damit beginnt, seine Aufmerksamkeit auf all die Möglichkeiten zu freudvollem Arbeiten zu richten, wird schnell fündig:

#1 Schach spielen

Ein häufiger Anlass für Unlustgefühle sind andere Menschen. „Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten“, soll Einstein festgestellt haben. Wer beispielsweise als Berater unterwegs ist, wird mitunter auf Kunden treffen, die seine Geduld und sein Wohlwollen strapazieren. Das ist oft anstrengend und unbefriedigend.

Alternativ könnte man den Termin mit einem unangenehmen Gegenüber wie eine Schachpartie angehen: Dann steht das strategische Denken im Vordergrund. Diese Herangehensweise macht emotional unempfindlicher und richtet den Geist auf hilfreiche Strategien statt auf die eigene Befindlichkeit. Gleichzeitig optimiert man so die Erfolgschancen. Die Interaktion mit dem ungeliebten Gegenüber wird zum Spiel, bei dem man punkten kann. Das ist spannend und herausfordernd. Mühsame Selbstüberwindung wird überflüssig.

#2 Achtsam sein

Achtsamkeit ist ein bewährtes Rezept, um sich lebendig zu fühlen. Leider neigen wir alle dazu, mit unseren Gedanken abzuschweifen. Aber niemand kann sich wahrhaft lebendig fühlen, der nicht mit seiner Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt ist. Was würde wohl passieren, wenn wir künftig jedes Gespräch mit größter Präsenz führen würden?

1. Wir wären hellwach und könnten tatsächlich aufnehmen, was das Gegenüber sagt. Beratungsgespräche würden viel effektiver.

2. Wir würden ein tieferes Verständnis der Personen und Dinge gewinnen. So würde zielgerichtetes Handeln leichter.

3. Das Gegenüber würde sich wahrgenommen fühlen, was einer großen Einzahlung aufs Beziehungskonto gleichkäme. So gewinnt man nicht nur Sympathie und Vertrauen, sondern oft auch weitere Aufträge.

4. Der Alltag wäre viel spannender und voll von interessanten Beobachtungen.

#3 Arbeit zur Identitätsbildung nutzen

Was könnte uns bei der Arbeit glücklicher machen als der Stolz auf die eigenen Leistungen?

Dafür gibt es ein ganz einfaches Rezept: „Handle stets so, wie die Person, die du sein willst!“ Wer das beherzigt, entwickelt sich unweigerlich zur besten Person, die er nur sein kann. Ganz gleich, was um einen herum geschieht – man bewahrt sich mit allem, was man tut, die Selbstachtung. So entsteht eine selbstverständliche Würde, die in Gelassenheit und Selbstbewusstsein ihren Ausdruck findet.

#4 Den richtigen Fokus wählen

Das, womit sich der Geist beschäftigt, wird wachsen. Es gewinnt eine immer größere Repräsentanz in den Gedanken und Gefühlen. Das sollte jeder wissen, der so leichtfertig ist, sich auf seine Unzufriedenheit zu konzentrieren.

Wir können wählen, womit wir uns beschäftigen wollen. Negative Inhalte laugen aus, positive Inhalte beflügeln. Die Wahl des richtigen Fokus hat nichts mit Schönfärberei zu tun, sondern ist intelligente Psychohygiene. Negative Umstände dürfen nur so viel Aufmerksamkeit wie unbedingt nötig erhalten.

#5 Herausforderungen suchen

Routine ist bequem und unverzichtbar, aber auch gefährlich. Sie macht uns zu gedankenlosen Automaten. Eine zuverlässige Methode, um sich lebendiger zu fühlen, ist die Suche nach neuen Herausforderungen. Dann sind wir hellwach, fühlen uns belebt und haben obendrein die Möglichkeit, zu lernen und zu wachsen. Lernprozesse wurden schon immer von der Natur mit Glücksgefühlen belohnt, weil sie zum Überleben beitragen.

Das Glück hat stets die Qualität des Trotzdem. Wer sich von den Arbeitsbedingungen um ihn herum abhängig macht, wer darauf wartet, dass sie endlich perfekt sind, der wird keine Arbeitsfreude erleben können. Es läuft darauf hinaus, das tägliche Tun zu genießen, obwohl so vieles dagegenspricht. Jeder Tag bietet Chancen für glückliche Erfahrungen, und es wäre jammerschade, diese Gelegenheiten ungenutzt verstreichen zu lassen.


Marion Lemper-Pychlau ist Diplom-Psychologin, Autorin und Vortragsrednerin. Sie versteht sich als Expertin für Arbeitsfreude und Freiheitskämpferin der modernen Arbeitswelt. Arbeitnehmern rät sie, sich aus ihrer selbst gewählten Unmündigkeit zu befreien und sich eigenverantwortlich ihr Glück am Arbeitsplatz zu gestalten. Mehr Infos unter lemper-pychlau.com