GastbeitragSo wird man ein stärkerer Chef

Führungskräfe sind hohen Anforderungen ausgesetzt - auch von sich selbst.Getty Images

Führungskräfte wollen oft Ansprüchen von allen Seiten gerecht werden. Zusätzlich zum Druck von außen setzen sich Führungskräfte häufig auch noch selbst unter Druck. Das führt oft dazu, dass der Führungsalltag zwar am Rande der Kräfte durchgezogen werden kann – spätestens bei einer unerwarteten Krise aber die inneren Kräfte nicht mehr ausreichen, um adäquat zu reagieren. Deswegen sollten Führungskräfte diese inneren Kräfte, nämlich ihre Resilienz, trainieren, bevor es zur Krise kommt. Ein wichtiger Schlüssel dazu ist die eigene Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, um Schwierigkeiten zu meistern.

Wer Führungskraft ist, hat natürlich bereits bewiesen, dass er sich nicht von Problemen unterkriegen lässt. Wie aber fällt die innere Reaktion angesichts der nächsten Widrigkeit genau aus? „Oh nein, schon wieder ein Problem – wie soll ich das nur wieder hinbiegen?“ oder „Das schaffe ich schon – packen wir´s an“? Wer eine hohe Selbstwirksamkeit empfindet, der sieht schwierigen Situationen und Krisen gelassener entgegen – und gerät deswegen weniger in Stress. Stattdessen bleiben die Kapazitäten frei, um Bewältigungsstrategien zu entwerfen. Mit diesen sechs goldenen Regeln trainieren Führungskräfte Selbstwirksamkeit und stärken ihre Resilienz.

#1: Sich Herausforderungen stellen

Jede Aufgabe, die erfolgreich bewältigt wird, erhöht das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und am meisten lernt man an Aufgaben, die anfangs eine Nummer zu groß erscheinen. Das Durchhalten kann am Anfang mühsam sein, aber durch die erfolgreiche Bewältigung großer Aufgaben wächst die innere Überzeugung, etwas zu beherrschen und kontrollieren zu können. Und dadurch erhöht sich auch das Selbstvertrauen, wenn Veränderungen und Krisen eintreten – die Angst vor dem Ungewissen sinkt, die persönliche Resilienz steigt.

Tipp: Legen Sie sich ein Notizbuch zu (oder einen digitalen Ordner), um täglich die erreichten kleine Schritte auf dem Weg zum großen Ziel zu reflektieren.

#2: Vorbilder suchen

Selbstwirksamkeit baut man nicht nur durch eigene Erfahrungen auf, sondern auch durch das Lernen von anderen. Auch in Führungspositionen und nach jahrelanger Arbeitserfahrung kann man noch dazulernen. Dabei handelt es sich vor allem um Vorbilder, die individuell wichtige Eigenschaften verkörpern. Wer sich gezielt Vorbilder aussucht, die Gelassenheit und Stärke ausstrahlen, kann sich ganz konkrete Handlungsweisen von ihnen abschauen. In Situationen, die die eigene Widerstandskraft herausfordern, hilft dann ein Perspektivwechsel.

Tipp: Fragen Sie sich „Was hätte mein Vorbild in dieser Situation getan?“ Das öffnet den Gedankenhorizont hin zu neuen Handlungsoptionen.

#3: Feedback geben – und suchen

Feedback hat eine enorm wichtige Funktion in der Mitarbeiterführung. Nicht nur werden Missverständnisse vermieden, die erfahrene Wertschätzung stärkt auch das Selbstbewusstsein der MItarbeiter und deren Zutrauen in die eigenen Stärken. Und umgekehrt? Bekommen Führungskräfte eigentlich genug Feedback von ihren Teams? Jeder hat ein eigenes Bild von sich und den eigenen Stärken, das nicht immer der Wahrnehmung der Umgebung entspricht. Deswegen sollten gerade Menschen in sehr sichtbaren Positionen prüfen, wie zufrieden sie mit sich sind, oder wo noch Entwicklungsbedarf besteht. Und dann können Sie dieses Selbstbild mit Feedback aus möglichst verschiedenen Ecken des eigenen Umfelds abgleichen – Mitarbeiter, Kollegen, aber auch Freunde.

Tipp: Wählen Sie zwei bis drei konkrete Themen aus, zu denen Sie Feedback haben möchten. Befragen Sie dazu mindestens drei Personen, mit denen Sie eine positive Beziehung haben. Und dann sollten Sie auch drei Menschen befragen, die ihnen eher kritisch gegenüber stehen. So erhalten sie ein objektives Bild der persönlichen Lernfelder und können dort gezielt für ihre Weiterentwicklung ansetzen.

#4: Emotionen steuern

Wenn es gut läuft, sind wir gut drauf. Aber das gilt auch – oder sogar noch mehr – anders herum: Wenn wir gut drauf sind, läuft es meistens gut. Bei manchen Aufgaben stellen sich der Tatendrang und die Schaffenslust ganz von selbst ein. Zu anderen Aufgaben wiederum muss man sich regelrecht aufraffen, um endlich anzufangen. Man kann ganz bewusst üben, sich für diese Aufgaben in den richtigen Zustand zu bringen: Beispielsweise erst mit einem kleinen Schritt zu dieser Aufgabe beginnen, oder einem weniger wichtigen Punkt. Dann kann man sich damit bereits „warm machen“ und die wichtigeren Teile der Aufgabe in einem guten Zustand angehen.

Tipp: Gehen Sie körpersprachlich mit einem Lächeln in „Angriffsstellung“ und „packen Sie die Aufgabe an“. So fahren Sie Ihre Energie hoch und bauen positive Emotionen auf. Oder Sie gehen ganz bewusst auf Abstand, indem Sie sich zurücknehmen und innerlich etwas kurz kommentieren: „Ah, so ist das,“ „Interessant“. Ganz klar: Wer seine Emotionen erkennen und beeinflussen kann, der ist besser gewappnet für die nächste Herausforderung.

#5: Selbstwert stärken

Nicht zuletzt bewirkt ein positives Selbstwertgefühl eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung. Wer überwiegend positiv von sich denkt und mehr auf die eigenen Stärken als die eigenen Schwächen achtet, der hat folglich auch mehr Ideen, wie er oder sie eine neue Herausforderung bewältigen kann. Ein hohes Selbstwertgefühl trägt also indirekt zu geringerem Belastungsempfinden, weniger Stress und mehr Gelassenheit angesichts von Krisen bei. Deswegen sind selbstwertstärkende Glaubenssätze wie „Ich bin eine kompetente Chefin, die auch in schwierigsten Situationen einen neuen Weg findet“ mehr als Selbstbeweihräucherung. Sie unterstützen tatsächlich auf dem Weg raus aus der Krise und hin zu einem Zustand, in dem Sie widerstandsfähig für Krisen und Rückschläge werden.

Tipp: Prüfen Sie Ihre inneren Dialoge und Selbstbewertungen. Wählen Sie einen starken unterstützenden Satz. Dieser darf „frech“ und durchaus „unangepasst“ sein.

#6: Weitere Resilienzschlüssel für Führungskräfte

Selbstwirksamkeitserwartung ist einer der Bausteine für mehr innere Widerstandskraft. Zusammen mit den sechs weiteren Resilienzschlüsseln Akzeptanz, Optimismus, Eigenverantwortung, Netzwerk-, Lösungs- und Zukunftsorientierung sorgt sie dafür, dass wir in schwierigen Situationen flexibel reagieren können und nach Krisen schneller wieder in die Senkrechte kommen. Im Resilienz-ABC finden Sie noch mehr Übungen und Informationen zur Resilienzentwicklung.