KarriereFreundschaft bei der Arbeit: 5 Do's and Don'ts

Zwei Männer freundschaftlich vor Laptop
Freundschaften bei der Arbeit sind im Grunde genommen keine schlechte Sache, aber es gibt graduelle Unterschiede, auf die man achten sollte.

#1 Mit Freunden arbeitet es sich besser

Kluge Chefinnen fördern Freundschaften unter ihren Angestellten. Manche Vorgesetzte finden zwar, dass „Fraternisieren“ nur Zeitverschwendung ist. Experten sehen das aber anders. Suzanne Edinger, Professorin für Organisational Behaviour (organisatorisches Verhalten), verweist in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ auf Studien zu positiven Effekten von Bürofreundschaften.

Demnach können Menschen, die mit ihrem besten Freund arbeiten, bis zu siebenmal motivierter und produktiver sein. Kein Wunder, findet die Psychologin, die an der Nottingham University Business School gelehrt hat. Wer durch eine Freundschaft an den Job gebunden sei, sei glücklicher, loyaler und engagierter bei der Arbeit.

#2 Weniger, dafür wertvollere Freundschaften

Edinger warnt allerdings davor, sich gleich mit der halben Belegschaft anzufreunden. Es könne sich auszahlen, mehr Zeit und Energie in die Pflege einiger weniger Freundschaften zu stecken. „Je stärker die Beziehung, desto mehr Ertrag wird sie bringen“, meinte die Psychologin, die aktuell am Stonehill College im US-Bundesstaat Massachusetts lehrt.

Ihre Forschung zeigte außerdem: Frauen unterscheiden bei Beziehungen im Job zwischen Freundschaft und Arbeit. Sie freunden sich vor allem mit anderen Frauen an. Männer hingegen würden Freundschaft und Arbeit vermischen. Das führt laut Edinger zu stärkeren Beziehungen, die Männer auch beruflich von ihrem Netzwerk profitieren lassen.

#3 Nicht gleich der Freund fürs Leben

Laut der Psychologin gibt es zwei Hauptgründe, um am Arbeitsplatz Freundschaft zu schließen: Man braucht Hilfe beim Job oder man sucht emotionale Unterstützung, also jemanden, mit dem man über Probleme bei der Arbeit sprechen kann. Diese Freundschaften sind Edinger zufolge am einfachsten unter Kollegen möglich, die auf derselben Hierarchiestufe stehen und ähnliche Aufgabenprofile haben.

Freundschaften zwischen sehr unterschiedlichen Mitarbeitern gingen hingegen schnell in die Brüche. „Seien Sie realistisch, was Ihre Freundschaften angeht“, rät die Psychologin. Für sie muss es aber gar nicht immer sofort der Freund fürs Leben sein. Die meisten Menschen hätten „Kaffeemaschinen-Freunde“, mit denen man nicht unbedingt einen Abend verbringen würde. „Das bedeutet aber nicht, dass dies keine wertvollen Freundschaften sind“, befand Edinger.

#4 Alles auf eine Karte setzen

Manche Menschen nehmen jeden Tag die Arbeit mit nach Hause – denn ihre Kollegen sind auch ihre besten Freunde. Psychologin Andrea Bonior warnte im Fachmagazin „Psychology Today“ davor, alte Freundschaften zugunsten der neuen Arbeitsfreunde zu vernachlässigen.

Zwar schweiße ein stressiger Job Kollegen schnell zusammen. „Aber so, wie wir alle Beziehungen außerhalb unserer Familie brauchen, so benötigen wir auch Freunde außerhalb der Arbeit“, mahnte sie. Mit denen könne man zwar nicht detailreich über Probleme beim Job reden. Dafür bieten solche Beziehungen laut Bonior die Chance, tatsächlich mal richtig abzuschalten.

#5 Sonderbehandlung erwarten

Es ist allzu verlockend, sich auf dem Freundschaftsbonus auszuruhen. Bonior aber warnt davor, von Kollegen oder auch dem befreundeten Boss eine Sonderbehandlung zu erwarten, nur weil man sich privat so gut versteht.

Als Freund anstatt als Mitarbeiter behandelt werden – dieser Denkfehler könne schnell zum Stolperstein für die Karriere werden. „Ihr Chef erwartet, dass Sie dieselben Abläufe und Regeln einhalten wie alle anderen – egal ob ihre Kinder miteinander spielen oder nicht“, gab die Psychologin zu bedenken.