Junge EliteFränzi Kühne: „Aufsichtsräten fehlt eine gute Durchmischung“

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Mittlerweile berätst Du selbst – nicht nur mit der Agentur, sondern seit Juni 2017 auch als Aufsichtsrätin bei der Freenet AG. Wie hast Du Dich auf diese neue Rolle vorbereitet?

Um mir ein möglichst umfangreiches Bild vom Unternehmen zu machen, bin ich erst einmal an alle möglichen Standorte gefahren. Ich habe mir zum Beispiel das Logistikcenter angeguckt, habe mit den Trainees gesprochen und mit der HR-Abteilung. Ehrlich gesagt bin ich anfangs etwas naiv an die Sache rangegangen. Ich wusste nicht, dass es als Aufsichtsratsmitglied nicht geht, einfach so irgendwo an den Standort zu fahren. Das kann zu rechtlichen Problemen führen, denn jeder Aufsichtsrat muss dieselben Informationen haben. Sich auf dieses Regelwerk einzulassen, war wirklich schwierig für mich, denn bei TLGG arbeite ich sehr operativ – manchmal sitze ich hier sogar an der Telefonzentrale.

Was kannst Du als Aufsichtsrätin einbringen?

Zwischen dem Aufsichtsrat und dem Unternehmen ist es ein Geben und Nehmen. Ich bringe zum Beispiel meine Erfahrungen im Digitalen ein, der Vorstand kann mich dazu befragen. Ich wiederum erhalte viele Einblicke ins Unternehmen, kann meinerseits Vorschläge machen und Fragen stellen.

Fehlt den Aufsichtsräten in Deutschland junges, digitales Know how?

Was fehlt ist eine gute Durchmischung – sowohl was Fachkenntnisse, als auch was Alter, Geschlecht, Bildungs- und Berufshintergründe angeht. Teams, die sich nicht nur gegenseitig in ihrem Urteil bestärken, weil sie fast deckungsgleiche Erfahrungen einbringen.

Was wünschst Du Dir von deutschen Unternehmen im Umgang mit der Digitalisierung?

Weil ich da nun einmal gerade am dichtesten dran bin: Kompetente Aufsichtsräte, die wissen, welche Fragen zu stellen sind. Viele sind leider so weit weg vom Thema Digitalisierung, dass sie es nicht mit den Vorständen diskutieren können, geschweige denn beurteilen, ob die Projekte sinnvoll sind, die der Vorstand vorschlägt.


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