Interview„Es wird keine Digitalisierungsopfer geben“

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Damit ändert sich nicht nur die Aufgabe, sondern auch der Arbeitgeber. Wollen Sie das Modell noch ausbauen?

Eine solche Kooperation kann ich mir bei Arbeitnehmern zum Beispiel auch mit Sicherheitsunternehmen, die bei der Flughafensicherung tätig sind, vorstellen

Mitarbeiter, die die Deutsche Post DHL Group nicht mehr selbst beschäftigen oder weiterbilden kann, wollen Sie also an andere vermitteln. Wollen Sie sich damit aus der Verantwortung ziehen?

Nein, unser Ziel ist es motivierte und engagierte Mitarbeiter langfristig an unser Unternehmen zu binden. Und lebenslanges Lernen ist ein Schlüssel, dass dies gelingt. Wir dürfen aber gleichzeitig keine Scheuklappen haben, wenn es darum geht, nach Lösungen für jeden einzelnen zu suchen. Wir müssen grundlegend überlegen wie Unternehmen hier zusammenarbeiten können und wie der Staat sich neben der klassischen Ausbildung von Schule über eine Ausbildung bis zum Studium auch darüber hinaus bei der Qualifizierung während der aktiven Berufszeit besser einbringen kann. Wir ziehen uns also nicht aus der Verantwortung, im Gegenteil: Wir nehmen derzeit zusammen mit der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech) und anderen Unternehmen eine Standortbestimmung für bessere Weiterbildungsmöglichkeiten vor: Was kann der Einzelne leisten, was kann das Unternehmen leisten, was kann die Öffentlichkeit leisten.

Was bietet Deutsche Post DHL Group bislang selbst intern an Weiterbildungsmöglichkeiten an?

Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter zertifizierte Spezialisten sind, in allem, was sie tun. Wir schicken die Mitarbeiter auf eine Lernreise – das ist Recht und Verpflichtung zugleich. Jeder soll bei uns wissen, welchen Beitrag er leisten kann und wir müssen ihn dazu befähigen, exzellente Leistungen erbringen zu können. Für jeden Unternehmensbereich und für jede Funktion haben wir ein eigenes Curriculum, einen Lernplan erstellt.

Wie können Sie das für Tausende Mitarbeiter sicherstellen?

Das ist ein Zusammenspiel von zentraler Planung der Lerninhalte und Lernmethoden und der Vermittlung durch unsere Führungskräfte und spezielle Trainer vor Ort. Indem wir ein großes Augenmerk darauf legen, dass bei uns jede Führungskraft ein Trainer ist, machen wir Weiterbildung zu einer wesentlichen Führungsaufgabe.

Müssen die Führungskräfte sich auch verändern?

Ja, wir alle müssen Veränderung als Chance begreifen. Seit mehreren Jahren haben wir daher in die Trainings der Führungskräfte verstärkt Elemente zur Selbstreflexion eingebaut: Wie führe ich? Wie nehmen andere mich wahr? Das ist am Anfang ungewohnt. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, aber es hilft enorm, sich weiterzuentwickeln.

 


Einige Aussagen dieses Interviews sind in der Capital-Titelgeschichte „Lebenslanges Lernen: Der Sprung Ihres Lebens“ in Heft 07/2019 erschienen.