InterviewShirin David über ihre erste Million

Shirin David, Youtube-Star und Musikerin dpa


Shirin David, 24, als Barbara Shirin Davidavicius in Hamburg geboren. Ihre Social-Media-Kanäle zählen mit 4,9 Millionen Instagram-Followern und 2,6 Millionen Youtube-Abonnenten zu den reichweitenstärksten Deutschlands. Ihre erste Rap-Single „Gib ihm“ landete auf Platz eins der Charts. Ihr Debütalbum „Supersize“ ist soeben erschienen.


Frau David, als Vierjährige haben Sie Klavier und Geige gespielt, später eine Ausbildung in Gesang, Schauspiel und Tanz absolviert. Warum haben Sie 2014 einen Youtube-Videokanal vor allem mit Schönheitstipps gestartet?

SHIRIN DAVID: Ich wollte immer Musikerin werden. Youtube war eine wichtige Marketingplattform, um die nötige Reichweite und eine finanzielle Stärke aufzubauen.

Wie verdienen Sie dort Geld?

Vor, während und nach meinen Videos wird Werbung geschaltet. Von diesen Grundeinnahmen gehen 50 Prozent an Google (in dessen Besitz Youtube ist – Anmerkung der Redaktion). Wie hoch die zusätzlichen Werbeeinnahmen sind, hängt davon ab, wie familienfreundlich, obszön oder freizügig die Videos sind. Je harmloser, desto lukrativer. Das kann bei 20 Cent bis zu mehr als 8 Euro pro Tausend Zuschauern liegen.

Dazu kommen noch die Produktplatzierungen …

Wenn ein Kunde in meinen Videos Produkte platzieren möchte, bekomme ich pro Minute einen vereinbarten Preis im sechsstelligen Bereich. 2015 war das goldene Youtube-Jahr, ich habe mich dumm und dämlich verdient. Es gab nur sehr wenige Youtuber, und die Firmen hatten noch keine Ahnung von Onlinemarketing. Sie haben unsere Arbeit sehr großzügig honoriert.

Wann war die erste Million da?

Sobald man ein eigenes Produkt auf den Markt bringt, werden die Dimensionen noch einmal größer. 2017 kam mein erstes Parfum, davon habe ich 550.000 Stück verkauft. Die kleinste Größe kostete 19,95 Euro – den Rest können Sie sich denken.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Wir hatten früher überhaupt kein Geld und sind nur mit staatlicher Hilfe über die Runden gekommen. Bis ich 13 war, wusste ich das nicht. Meine Mutter war alleinerziehend und hat sämtliche Jobs angenommen, um mir und meiner Schwester ein gutes Leben zu ermöglichen. Wir sind in die Oper gegangen und haben klassische Musik gehört. Bildung und gute Manieren waren ihr das Wichtigste. Dass ich ihr nun etwas zurückgeben kann, ist für mich das pure Glück.

Werden Sie aufgrund Ihres Auftretens oft unterschätzt?

Pausenlos. Mittlerweile finde ich das aber sogar gut.

Ihre Songtexte sind provokant. Was wollen Sie damit erreichen?

Ich möchte laut und selbstbewusst sein dürfen, ohne als unhöflich abgestempelt zu werden – und klarmachen, dass Sexismus inakzeptabel ist. Wenn ich Vorbild sein kann und erreiche, dass junge Mädchen sich wohler, mutiger und stärker fühlen, macht mich das stolz.

Sie haben kürzlich einen Werbevertrag mit der Parfümeriekette Douglas abgeschlossen. Wonach suchen Sie Kooperationen aus?

Ich arbeite nur mit Partnern, die meine Marke aufwerten. Die Kunden sollen mein Gesicht im Schaufenster sehen und es mit etwas Hochwertigem, Luxuriösem verbinden. Das ist mir wichtiger als das Geld. Ich sage Werbung für Diät-Shakes für eine halbe Million ab – weil es nicht zu mir passt.

Wie legen Sie Ihr Geld an?

Es ist ein Mix aus gönnen und investieren. Ich habe viele GmbHs gegründet, um mich unternehmerisch zu vergrößern. Auf keinen Fall will ich mein Geld mit ins Grab nehmen.

 


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