InterviewEmma Tracey über ihre erste Million

Emma Tracey, Gründerin von Honeypot – der Jobplattform für Softwaretalente
Emma Tracey, Gründerin von Honeypot – der Jobplattform für SoftwaretalentePR


Emma Tracey, 31, drehte mit ihrem Co-Gründer Kaya Taner die Jobvermittlung um: Auf ihrer Plattform bewerben sich Firmen bei IT-Talenten. Das Karrierenetzwerk Xing übernahm das Start-up im Frühjahr für 22 Mio. Euro (plus bis zu 35 Mio. erfolgsabhängige Zuschläge). 2019 peilt Honeypot 2000 Firmenkunden und einen Pool von 120.000 Softwareentwicklern an, in drei Jahren sollen es europaweit zehnmal mehr sein.


Frau Tracey, Ihre Heimat Irland beherbergt viele IT-Unternehmen. Hat Sie das geprägt?

EMMA TRACEY: Nein, gar nicht. Unsere Familie hat in Dublin einige Geschäfte – Wäscherei, Gemüseladen und so. Die führt meine Mutter, und ich habe ihr, seit ich 14 war, beim Bedienen geholfen oder saß an der Kasse.

Sie gehören heute zu den Stars der Berliner IT-Gründerszene, haben aber als Erstes Literatur und Film studiert. Wie kam das?

Ich habe eine Schwäche für gute Geschichten. Am Trinity College in Dublin habe ich für die Studentenzeitung geschrieben, dann in Kolumbien für ein Handelsjournal. Das lief so gut, dass ich Chefredakteurin wurde und mit einer Kollegin eine Ausgabe in Ghana herausgebracht habe. Zwei Jahre später haben wir in Südafrika eine Kommunikationsagentur gegründet. Aber das wurde mir bald zu eintönig.

Was hat Sie denn gereizt?

Es hat mich zu einer dieser rasant wachsenden Tech-Firmen gezogen. Außerdem wollte ich nach fünf Jahren im Süden des Planeten auch wieder nach Europa. Ich hatte genug Selbstvertrauen, mich in ein deutschsprachiges Umfeld zu wagen, suchte aber nach einem erfahrenen Gründer. Ich fand Kaya Taner, der Marketingverstärkung für ein neues Start-up brauchte.

Die neue Capital

Das war der Start für Ihre Jobplattform Honeypot?

Genau. Kaya hat mich dann als Partnerin und für das Talentmanagement an Bord geholt. Ich wusste nicht viel über Technik. Aber je länger ich den Softwareentwicklern zuhörte, desto klarer wurde, wo es für die gefragten Spezialisten bei der Jobsuche hakt: frustrierender Zeitaufwand, Ungewissheit, wofür sie genau gebraucht werden. Das war ein frappierendes Muster. Recruiter und Bewerber reden aneinander vorbei. Also haben wir die Plattform auf die Kandidaten und ihre Profile zugeschnitten.

Viel Neuland für Sie?

Ich musste lernen, wie Entwickler ticken. Ein 19-jähriger Kollege hat mir beigebracht, wie Software gebaut wird. Ich habe enorm viel Zeit bei Hackathons verbracht und selbst Konferenzen für Techies und Recruiter organisiert. Zur GraphQL Conf kamen 1000 Leute! Toll! So habe ich ein Netzwerk gebaut.

Mit dem Verkauf an das Karrierenetzwerk Xing sind Sie Millionärin geworden. Wie war das?

Wir waren nach der Vertragsunterzeichnung in Hamburg spät zurück in Berlin und haben mit einer Currywurst am Bahnhof gefeiert. Die Übernahme im Team zu verkünden war der glücklichste Moment meines Lebens. Aber wir waren auch attraktiv: null Marketingkosten, schwarze Zahlen nach eineinhalb Jahren, alles ohne Wagniskapital.

Und ist jetzt alles anders?

Es fühlt sich stabiler an. Wir haben alle wie Praktikanten mit 60- bis 80-Stunden-Wochen gelebt, aber uns nie gefragt: Stellen wir jemanden ein, oder behalten wir mehr Geld für uns? Heute haben wir ein Geschäftsführergehalt. Den Erlös haben wir noch gar nicht angerührt.

Aber gab es eine kleine Belohnung?

Oh ja! Ein Essen mit Freunden beim Sternekoch. Und meine Familie lade ich Weihnachten zu einer Reise ein – vielleicht nach Madagaskar.


Erste Million erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Interviews aus dieser Serie finden Sie hier. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay