New Work6 Büroarten und ihre Vor- und Nachteile

Großraumbüro
Symbolbild: GroßraumbüroGetty Images

Immer mehr Menschen arbeiten am Schreibtisch. In Deutschland gibt es mittlerweile knapp 18 Millionen Büroarbeitsplätze, Tendenz steigend. In einem Arbeitsleben kommen da schnell 80.000 Stunden zusammen. Das sind knapp zehn Jahre, nonstop, sitzend im Büro. Kopf- oder Rückenschmerzen, Augenleiden, Konzentrationsschwäche oder psychische Beschwerden sind oft die Folge. Wie sich der Bürojob auf die Gesundheit auswirkt, hängt auch stark von der Art des Büros ab. Großraumbüros haben einen schlechten Ruf, Einzelbüros gelten als die beste Alternative. Ist das wirklich so?

#1 Das Einzelbüro

Es ist der Traum vieler Büroangestellter – das Einzelbüro. Oft sind die separaten Arbeitszimmer aber den Führungskräften vorbehalten. Aus einem einfachen Grund, sie sind in der Regel teurer, weil größer. Die Vorteile eines Einzelbüros liegen auf der Hand. Wer alleine in einem Büro sitzt, kann ungestört arbeiten, es gibt wenig Ablenkung. Auch kann er die Arbeitsatmosphäre optimal einstellen. Der Frischluftfanatiker kann auch im Winter bei offenem Fenster arbeiten, der Fröstelnde die Heizung auf Anschlag drehen. Die Lichtverhältnisse können individuell angepasst werden. Im Einzelbüro ist es leicht, sich eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Aber es gibt auch Nachteile: Wer im Einzelbüro ist, muss sich aktiv bemühen, am Büroleben teilzunehmen, allein um nicht vergessen zu werden, wenn es mittags zum Essen geht. Die Kommunikation ist aufwendiger. Für Teamarbeit eignet sich ein Einzelbüro daher nicht und es besteht die Gefahr der Isolation.

#2 Das Mehrpersonenbüro

Ein Büro mit bis zu drei Kollegen zu teilen, scheint zunächst optimal. Die Atmosphäre ist noch privat, aber man hat Ansprechpartner. Keine Isolation, keine Vereinsamung. Ein Büro mit zwei bis vier Arbeitsplätzen eignet sich besonders für kleine Teams, die alle am gleichen Projekt arbeiten. Die Wege sind kurz, der Austausch ist einfach. Allerdings steckt in Mehrpersonenbüros enormes Konfliktpersonal. Wer in kleinen Einheiten zusammenarbeitet, muss gut miteinander auskommen. Der laute Dauertelefonierer kann schnell nerven, ebenso der Unordentliche oder der Introvertierte, der sich an nichts beteiligt. Auch ist es schwer, einen Kompromiss bei der Arbeitsatmosphäre (Licht, Wärme, Frischluft) zu finden. Konzentriertes Arbeiten fällt in dieser Bürozusammensetzung oft schwerer als in einem Großraumbüro, wo der Lärm eher ein sonores Grundrauschen ist. Bei drei oder vier Personen in einem Raum fällt es schwer, den Gesprächen der anderen nicht zu lauschen. Ganz wichtig bei dieser Konstellation: Die Chemie muss stimmen, sonst wird das Büro zur Kampfzone.

#3 Das Kombibüro

Wie der Name schon sagt, ist das Kombibüro eine Kombination aus kleineren Einheiten zum konzentrierten Arbeiten und gemeinschaftlich genutzten Flächen für Meetings, Gespräche, den persönlichen Austausch oder auch das Relaxen. Oft sind die Wände der Kombibüros aus Glas, so dass der Eindruck der Gemeinschaft entsteht, ohne auf die Vorzüge eines Einzelbüros zu verzichten. Der Nachteil liegt vor allem in dem vergleichsweise hohen Flächenbedarf, der viele Unternehmen abschreckt.

#4 Das Gruppenbüro

Die kleinen Großraumbüros (10 bis 20 Mitarbeiter) eignen sich besonders für Abteilungen und größere Teams, wenn ein intensiver Austausch nötig ist. In der Regel werden diese Büros durch Schränke oder Raumteiler gegliedert. Sie sind flexibel gestaltbar. Die Vorteile liegen vor allem in der einfachen Kommunikation und den kurzen Wegen. Allerdings haben die Mitarbeiter kaum Privatsphäre oder die Möglichkeit sich den Arbeitsplatz individuell einzustellen (Licht, Wärme, etc.). Auch ist der Lärmpegel recht hoch, konzentriertes Arbeiten ist schwierig.

#5 Das flexible Büro

Viele große Unternehmen setzen auf flexibles Arbeiten. Das heißt, die Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus, von unterwegs oder eben vom Büro. Dort aber haben sie keinen festen Arbeitsplatz mehr. Microsoft praktiziert das seit Jahren in München. Oder in Teilen auch BMW. In der Regel hat jeder Arbeitnehmer einen verschließbaren Rollcontainer mit seinen persönlichen Arbeitsutensilien und sucht sich bei seiner Anwesenheit im Büro einen Schreibtisch. Der Vorteil für den Arbeitgeber ist klar: Er spart Bürofläche. Im Schnitt sind es bei diesem Konstrukt rund 20 Prozent. Der Arbeitnehmer genießt die Vorteile des flexiblen Arbeitens, im Büro hat er aber keine Privatsphäre mehr.

#6 Das Großraumbüro

Ab welcher Anzahl an Mitarbeitern man von einem Großraumbüro spricht, schwankt. Aber alles über 20 Schreibtische ist definitiv ein Großraumbüro. Oft werden sie als Legebatterien verspottet. Ein Problem in einem Großraum ist die fehlende Privatsphäre, auch wenn Raumteiler meist die Büros strukturieren. Individuelle Anpassungen wie Licht, Wärme und Frischluft sind kaum möglich. Das größte Problem ist aber die Lautstärke. In einem Großraumbüro ist es nie leise. Die Reizüberflutung ist groß. Bereits ein Geräuschpegel von 55 Dezibel wird von den meisten Menschen als Stress empfunden. In einem Großraumbüro herrschen im Schnitt sogar 70 Dezibel. Das entspricht in etwa dem Geräusch eines Rasenmähers.

Das Hauptmotiv von Unternehmen, auf Großraumbüros zu setzen, ist nach wie vor das Einsparen teuer Bürofläche. Wer allerdings auf Rückzugsinseln und Begegnungsorte verzichtet, verhindert oft Teamarbeit, statt sie zu fördern. Und so wird häufig am falschen Ende gespart. Hinzu kommt, dass Großraumbüros laut einer Studie der Universität Stockholm häufiger krank machen, als kleinere Einheiten. Von den 2000 befragten Arbeitnehmern zählten jene im Großraumbüro doppelt so viele Fehltage wie ihre Kollegen. Und laut der Schweizer „SBiB-Studie – Schweizerische Befragung in Büros“ nahm die Häufigkeit der typischen Beschwerden von Büroangestellten wie Müdigkeit, Schlafstörungen, einem „Schweregefühl im Kopf“, brennenden Augen und Kopfschmerzen proportional zur Bürogröße zu.