Karriere3 Fehler beim Einstiegsgehalt

Beim Gehalt gibt es immer noch Unterschiede zwischen Frauen und Männern – das betrifft auch das Einstiegsgehaltimago images / Panthermedia

#1 Schlecht informiert

Bei der Gehaltsverhandlung ist Wissen Macht. Das gilt insbesondere für Berufsanfänger, die noch keine eigene Bezugsgröße haben, wie viel Lohn angemessen ist. Sie sollten sich deshalb vorab gut informieren, etwa auf Jobplattformen, Bewertungsportalen oder in sozialen Netzwerken. Ansonsten droht die Gefahr, sich mit zu wenig zufriedenzugeben, aber auch, mit einer überzogenen Forderung anzuecken.

Die Employer-Branding-Beratung Universum und die Jobplattform Stepstone, die zur selben Unternehmensgruppe gehören, haben die Gehaltserwartungen von Hochschulabsolventen mit den tatsächlich gezahlten Gehältern für Berufsanfänger abgeglichen und in vielen Fällen große Unterschiede festgestellt. „Dass die Gehaltsvorstellungen teilweise derart unterschiedlich sind, liegt auch daran, dass Berufseinsteiger häufig einfach nicht wissen, welche Gehälter in den unterschiedlichen Branchen und Berufsgruppen üblich sind. Mehr Transparenz, auch seitens der Arbeitgeber, würde diese Lücke gleich zu Beginn verkleinern“, sagte Stepstone-Gehaltsexperte André Schaefer.

#2 Zu bescheiden

Frauen starten häufig bereits mit einem Lohn-Handicap in ihr Berufsleben – auch, weil sie zu wenig Gehalt verlangen. „Die reale Lohnlücke zwischen Frauen und Männern entsteht bei vielen schon mit den Gehaltsvorstellungen bei der Bewerbung für den ersten Job – und diese bleibt häufig dauerhaft bestehen“, stellte Universum-Expertin Tina Smetana fest. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben von Oktober 2019 bis April 2020 rund 47.000 Studierende unter anderem zu den Vorstellungen zum Jahresgehalt im ersten Job befragt.

Ein Ergebnis: „Studentinnen erwarten rund 9200 Euro weniger als ihre männlichen Kommilitonen.“ In der Realität bekommen Berufsanfängerinnen laut dem Stepstone-Gehaltsreport dann rund 5600 Euro weniger als Männer. Schlimm genug, aber möglicherweise eben auch Folge der geringeren Erwartungshaltung. Denn während Studentinnen niedrig stapeln, überschätzen ihre männlichen Kommilitonen dem Bericht zufolge ihr Anfangsgehalt deutlich mit 5000 Euro. Absolvierende verdienen in Deutschland übrigens im Schnitt 42.500 Euro pro Jahr in ihrem ersten Job. Top-Verdiener mit rund 46.800 Euro sind laut Stepstone Jobanfänger, die Wirtschaftsingenieurwesen studiert haben.

#3 Unterschätzte Zahlkraft

Dass sich bei einem Weltkonzern mehr verdienen lässt als bei einem kleinen Betrieb ist naheliegend. „Mit Einstiegsgehältern von rund 47.700 Euro zahlen Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern am meisten“, hat die Stepstone-Untersuchung gezeigt. Allerdings unterschätzen offenbar viele Studierende die Zahlkraft von kleinen und mittleren Betrieben. Sie gingen laut der Universum-Umfrage davon aus, dass größere Unternehmen (bis zu 5000 Mitarbeiter) im Schnitt 8700 Euro mehr zahlen als kleinere Firmen mit rund 50 Mitarbeitern. Tatsächlich belief sich der Abstand beim Einstiegsgehalt auf bis zu 5400 Euro. Für Berufseinsteiger lohne es sich deshalb, selbstbewusst in die Gehaltsverhandlung bei kleineren und mittleren Unternehmen zu gehen, riet Schäfer.

 


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