KarriereDiesen Fehler machen viele im Bewerbungsgespräch

Symbolbild Bewerbungsgespräch
Symbolbild BewerbungsgesprächPixabay

Ein Bewerbungsgespräch ist ein zwischenmenschliches Ratespiel. Der Jobsuchende versucht zu erahnen, was der Interviewer hören möchte. Natürlich sollte man sich im Vorstellungsgespräch nicht komplett verbiegen. Doch etwas Mimikry ist hier immer mit im Spiel. Denn wer gefallen möchte, versucht zwangsläufig, die Bedürfnisse der Gegenseite zu befriedigen. Allerdings haben Wissenschaftler festgestellt: Mehr Egozentrik ist im Bewerbungsgespräch tatsächlich ein Erfolgsrezept.

Erfüllung oder Karriere?

„Ich suche eine Arbeit, die mich erfüllt“ oder „Ich möchte Karriere machen“ – was ist wohl die bessere Antwort auf die Frage, weshalb man sich ausgerechnet bei dieser Firma beworben hat? Die meisten Menschen tendieren im Vorstellungsgespräch zu der zweiten Lösung. Denn die zeigt: Der Bewerber ist zielorientiert, besitzt Ehrgeiz und weiß die Vorzüge des potenziellen Arbeitgebers zu schätzen. Diese Wahl ist allerdings ein Fehler, wie die Wirtschaftswissenschaftlerinnen Kaitlin Woolley (Cornell University) und Ayelet Fishbach (University of Chicago) festgestellt haben.

Sie veröffentlichten ihre Studie vor kurzem im Fachmagazin „Organizational Behavior and Human Decision Processes“. Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Bewerber stark die Rolle der sogenannten intrinsischen Motivation unterschätzen. Damit ist Motivation gemeint, die aus persönlichem Interesse und persönlichen Anreizen erwächst. „Ich liebe meine Arbeit“ oder eben „Ich suche eine Arbeit, die mich erfüllt“ sind Beispiele, um intrinsische Motivation auszudrücken. Bewerber glauben jedoch, dass im Vorstellungsgespräch extrinsische Motivation gefragt ist, wie die Forscherinnen herausfanden. Bei der extrinsischen Motivation kommt der Anstoß für eine Handlung von außen. „Ich möchte meine Karriere vorantreiben“ ist ein Beispiel hierfür.

Aufrichtigkeit überzeugt

Woolley und Fishbach befragten in fünf Runden insgesamt 1428 Studenten und Angestellte, welche Aussagen in Bewerbungsgesprächen am besten ankommen. Die Mehrheit glaubte, mit extrinsischer Motivation zu punkten. Tatsächlich war es jedoch gerade die Eigenmotivation für einen Job, die bei Entscheidern zum Durchbruch verhalf. Denn die sind auch nur Menschen und reagieren positiv auf eine derart persönlich motivierte Einstellung zur Arbeit.

Viele Bewerber scheitern laut den Expertinnen also, weil sie die Erwartungen der Gegenseite falsch einschätzen. Sie möchten beeindrucken, vernachlässigen dabei aber ihre wahren Stärken. Überzeugend wurden die Kandidaten meist erst nach der Aufforderung, sich in die Lage des Interviewers zu versetzen. Nach diesem Perspektivwechsel betonten sie sehr viel stärker die Eigenmotivation für die Bewerbung.