Corona-PandemieDiese Rechte haben Mitarbeiter im Homeoffice

Seite: 2 von 2

 Was passiert mit Überstunden im Homeoffice?

 Arbeitet der Arbeitnehmer im Homeoffice, kann grundsätzlich ein Anspruch auf Überstundenvergütung bestehen. Viele Arbeitsverträge sehen allerdings sogenannte Abgeltungsklauseln vor. Sie bestimmen, dass geleistete Überstunden bis zu einem gewissen Umfang nicht vergütet werden.

Wie mache ich meine Überstunden im Homeoffice geltend?

Um sie geltend zu machen, muss der Arbeitgeber darlegen können, dass er Überstunden erbracht hat. Das beinhaltet, dass die Überstunden notwendig waren, um die Arbeit zu erledigen. Außerdem müssen sie zuvor angeordnet, jedenfalls aber gebilligt bzw. geduldet worden sein. Aus Arbeitnehmersicht empfiehlt es sich, die geleisteten Tätigkeiten und deren täglichen Umfang aufzuzeichnen.

Wie sollten Mitarbeiter mit dienstlichen E-Mails und Anrufen außerhalb der Arbeitszeiten umgehen?

Grundsätzlich sind Arbeitnehmer nicht verpflichtet, außerhalb der regulären Arbeitszeit auf dienstliche E-Mails und Anrufe zu reagieren. Eine ständige Erreichbarkeit ist grundsätzlich nicht geschuldet. Etwas anderes kann sich jedoch in Notfällen ergeben. In solchen Fällen ist der Arbeitnehmer im Zweifel verpflichtet, auch nach Dienstschluss einen Anruf oder eine E-Mail zu beantworten. Ist zudem Rufbereitschaft oder Bereitschaftsdienst vereinbart, besteht ebenfalls eine Verpflichtung, außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit E-Mails zu beantworten, wenn das zu den Aufgaben des Arbeitnehmers gehört.


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden


Viele Schulen und Kindergärten sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Muss die Arbeit im Homeoffice dann erledigt werden, wenn die Kinder schlafen? 

Auch hier gilt grundsätzlich: Die Arbeitszeiten richten sich nach den Vorgaben des Arbeitgebers oder nach den getroffenen Vereinbarungen. Kann der Arbeitnehmer seine Arbeit während dieser Arbeitszeiten nicht erbringen, weil er seine Kinder betreuen muss, kommt ein „Nacharbeiten“ grundsätzlich nicht in Frage. Die Erbringung der Arbeitsleistung ist eine sogenannte Fixschuld. Das heißt, dass die Arbeit grundsätzlich mit Zeitablauf unmöglich wird, wenn sie nicht erbracht wurde. Der Arbeitnehmer kann sie deshalb nicht einfach außerhalb der vorgegebenen Arbeitszeiten nachts „nachholen“ – auch wenn das aktuell der gelebten Praxis entspricht.

Hiervon zu unterscheiden ist die Frage, ob nicht erbrachte Arbeit in diesem Fall eine Pflichtverletzung darstellt. Insoweit gilt: Ist es für den Arbeitnehmer unzumutbar, seine Arbeit abzuleisten, besteht ein Recht, die Arbeit zu verweigern. Wenn eine Betreuungseinrichtung aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen wird und der Arbeitnehmer keine andere Möglichkeit hat, als sein Kind während der Arbeitszeit selbst zu betreuen, kann er die Arbeit also grundsätzlich verweigern.

Wenn ich aufgrund der Kinderbetreuung nicht arbeiten kann, habe ich dann noch Anspruch auf Bezahlung?

Kann der Arbeitnehmer aufgrund der erforderlichen Kinderbetreuung seine Arbeit nicht leisten, ist zweifelhaft, ob er für diese Zeit ein Anrecht auf Bezahlung hat. Zwar besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Entgelt, wenn der Arbeitnehmer aus persönlichen Gründen die Arbeitsleistung vorübergehend nicht erbringen kann (§ 616 BGB). Im Fall der Erkrankung des Kindes wird dafür ein Zeitraum von fünf Tagen als vorübergehend angesehen. Ob diese Fünf-Tage-Frist auch für die Schließung von Betreuungseinrichtungen wegen einer Infektionsgefahr gilt, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Und wenn die Schulen und Kindergärten länger geschlossen bleiben?

Bei einer mehrere Wochen dauernden Schließung greift die Norm nicht. Das hat zur Folge, dass für diese Zeit überhaupt kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht, und zwar auch nicht für fünf Tage. Darüber hinaus ist zu beachten, dass ein etwaiger Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach § 616 BGB ohnehin schon im Arbeits- und/oder Tarifvertrag ausgeschlossen worden sein kann.