VermögenDiese Haushalte gehören zu den wohlhabendsten zehn Prozent

Das Vermögen, ab dem jemand in Deutschland zu den wohlhabendsten zehn Prozent gehört, unterscheidet sich stark nach Altersgruppe.imago images / Frank Sorge

Für vermögend halten sich in Deutschland nur wenige. Eine Studie der Bundesbank aus dem Jahr 2017 zeigt: Gerade einmal drei Prozent der deutschen Bevölkerung ordnen sich selbst den vermögendsten 20 Prozent zu. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass Menschen sich mit ihrem eigenen Umfeld vergleichen, sagt Judith Niehues, Ökonomin am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Dort gehören sie oft zum Durchschnitt und ordnen sich dann in der Vermögensverteilung auch der Mitte zu“, so Niehues.

Eine Studie des arbeitgebernahen IW hat jetzt errechnet, wer wirklich zu den „oberen zehn Prozent“ zählt: Haushalte, die 2018 mehr als 477.200 Euro besaßen, gehörten demnach zu den vermögendsten zehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Paarhaushalte, in denen der Haupteinkommensbezieher zwischen 55 und 59 Jahre alt ist, sind in dieser Gruppe überrepräsentiert. Auch Haushalte mit einer abbezahlten Immobilie „in guter Lage“ gehören häufig dazu. Unterrepräsentiert in der Gruppe der vermögendsten zehn Prozent sind dagegen junge Haushalte.

Als „reich“ gilt man mit einem Vermögen von 477.200 Euro in der Vermögensforschung meistens aber noch nicht. Eine einheitliche Definition, ab wann jemand als reich gilt, gibt es nicht. „Ob man reich ist oder nicht, ist eine subjektive Vorstellung, die auch mit dem sozialen Status variiert“, sagt Judith Niehues. Man könne also durchaus zu den vermögendsten zehn Prozent gehören, sich aber nicht als reich empfinden.

Große Unterschiede zwischen Altersgruppen

Je nach Alter gehört man aber schon mit einem weitaus geringeren Vermögen zu den „oberen zehn Prozent“ der eigenen Altersgruppe. So gehören Haushalte mit einem Haupteinkommensbezieher im Alter von unter 30 Jahren schon ab einem Vermögen von 71.300 Euro zu den vermögendsten zehn Prozent ihrer Altersgruppe. Mit zunehmendem Alter steigt die Vermögensgrenze: So gehören 40- bis 44-Jährige ab einem Vermögen von 438.900 Euro dazu, für die 55- bis 59-Jährigen liegt diese Grenze mit 625.400 Euro am höchsten. Danach sinkt der Betrag mit zunehmendem Alter des Haupteinkommensbeziehers, bis auf 517.700 Euro in der Altersgruppe ab 75 Jahren.

Auch die Haushaltsstruktur von entscheidender Bedeutung bei der Bestimmung der „oberen zehn Prozent“. So ist das Medianvermögen der Haushalte von Singles oder Alleinerziehenden mit rund 20.000 Euro deutlich geringer als das zusammenlebender Paare mit und ohne Kinder (151.400 Euro). Ein Paar-Haushalt zählt ab einem Vermögen von 601.100 Euro zu den vermögendsten zehn Prozent, ein Haupteinkommensbezieher ohne Partner ab einem Einkommen in etwa halber Höhe (305.700 Euro).

Junge Haushalte sind besonders stark verschuldet

Je älter die Menschen sind, desto geringer ist die relative Ungleichheit in der Vermögensverteilung. Das liege vor allem daran, dass viele Menschen im Laufe der Jahre Vermögen aufbauen, sagt IW-Ökonomin Niehues. In den höheren Altersgruppen gebe es insgesamt weniger Haushalte mit sehr geringem Vermögen.

Haushalte mit einem Haupteinkommensbezieher im Alter von unter 30 Jahren sind dagegen besonders häufig verschuldet: Mehr als 20 Prozent von ihnen haben ein negatives Haushaltsnettovermögen – also mehr Schulden als Vermögen. Das ist laut IW vor allem auf Ausbildungs- und Konsumentenkredite zurückzuführen. Haushalte, in denen der Haupteinkommensbezieher älter als 30 Jahre ist, haben häufiger Hypothekenkredite, das gilt insbesondere für Paar-Haushalte. Diese besitzen auch häufiger Immobilienvermögen.

 


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