WochenrückblickDie „Bombe“ gegen Google

Mobilfunker kontra Google

Bildschirm eines Android-Smartphones
An Google führt auch auf Smartphones kaum ein Weg vorbei

Der Markt für Werbung auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets wächst rasant. 69 Mrd. Dollar werden die Werbetreibenden in diesem Jahr für Banner und Bewegtbilder ausgeben – Tendenz weiter steigend. In erster Linie Google – aber auch andere Internetfirmen – streichen das Geld ein, die Mobilfunkanbieter gehen leer aus.

Das wollen sich die Telekomfirmen nun nicht mehr länger anschauen. Die Financial Times berichtete über einen Vorstoß mehrerer Anbieter für eine Blockade von Online-Werbung in ihren Netzen. Ein Unternehmen soll die Software bereits installiert haben und Ende 2015 startklar sein. Die Kunden könnten dann einen werbefreien Dienst buchen. Die radikalere Lösung sieht vor, Werbung auf einen Schlag im gesamten Netzwerk eines Anbieters zu blockieren. „Die Bombe“ nannte das ein namentlich nicht genannter Manager eines Mobilfunkbetreibers.

Mit dem Vorgehen wollen die Telekomfirmen Google und andere an den Verhandlungstisch zwingen. Schon seit langem beklagen sie sich darüber, dass Internetfirmen in ihren Netzen Geld verdienen, ohne sich am teuren Ausbau der Infrastruktur zu beteiligen.

Die Gegenseite pocht auf Netzneutralität. In der Tat liegt hier der Stolperstein für die Pläne der Mobilfunkbetreiber: Nach den in der EU und den USA geltenden Vorschriften, müssen sie alle Daten, die durch ihre Netze fließen, gleich behandeln – egal von wem sie stammen.

Verizon greift nach AOL

AOL-Logo
Totgesagte leben länger: Der Internetdienst AOL hat sich neu erfunden – Foto: Jason Presse

Um den Internetpionier AOL war es in den letzten Jahren ruhig geworden. Nur bei der Übernahme der Huffington Post im Jahr 2011 produzierte das Unternehmen noch einmal Schlagzeilen. Ansonsten schien AOL das Schicksal eines Internet-Dinosauriers beschieden. Google, Facebook und andere waren längst an dem Onlinedienst vorbeigezogen.

In dieser Woche dann kündigte der US-Mobilfunkanbieter Verizon an, AOL für 4,4 Mrd. Dollar zu übernehmen. Aber was will der Telekommunikationskonzern mit dem Online-Pionier? Verizon drängt ins Geschäft mit Online-Werbung – vor allem auf mobilen Geräten (siehe oben). Und AOL verfügt über die entsprechende Technologie, um die Internetwerbung mit ihren diversen Formaten zu managen. Experten sprechen allerdings von einem ambitionierten Vorhaben, da der Markt für mobile Werbung von Google beherrscht werde.

Die AOL-Aktie profitierte jedenfalls von der Ankündigung: Die Anteilsscheine legten am Dienstag um 19 Prozent zu. Seitdem notiert die Aktie über der Marke von 50 Dollar je Anteilsschein.

Foto: Jason Persse/creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Kion will an die Spitze

Gabelstaplerproduktion bei Kion
Gabelstaplerproduktion bei Kion – Foto: Kion

Auch der deutsche Gabelstaplerhersteller Kion plant eine Übernahme. Laut einem Bericht der FAZ hat das aus dem Linde-Konzern hervorgegangene Unternehmen ein Angebot für den japanischen Hersteller Unicarriers abgegeben. Die Höhe der Offerte ist nicht bekannt. Laut dem Zeitungsbericht könnte es sich um einen hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag handeln.

Das im MDax notierte deutsche Unternehmen, das unter anderem Stapler der Marken Linde und Still herstellt, würde mit dem Zukauf zum Weltmarktführer Toyota aufschließen. Außerdem erhielte Kion mit Unicarriers Zugang zum amerikanischen und japanischen Markt. Dort ist Kion noch wenig präsent. Auch das Produktportfolio würde sich gut ergänzen: Unicarriers bedient mit seinen Mittelklassemodellen den Massenmarkt, während Kion hochwertige und billige Stapler herstellt. Das mittlere Preissegment fehlt bislang.

Capital hatte im September 2014 in einem anderen Zusammenhang über Kion berichtet. Es ging dabei um die Frage, warum das Unternehmen mehr als 80 Mio. Euro in Deutschland investiert. Kion-Chef Gordon Riske deutete aber damals schon Expansionspläne an: „Wir sind Marktführer in Europa, das wollen wir bleiben. Aber wir wollen auch weltweit noch stärker wachsen.“

EnBW bietet für Prokon

Prokon-Zentrale
Prokon-Zentrale: Die Gläubiger haben die Wahl – EnBW oder Genossenschaft – Foto: dpa

Der Energiekonzern EnBW steht nicht gerade für den Trend zu erneuerbaren Energien. Das soll sich jetzt ändern, denn das Unternehmen will die Pleitefirma Prokon übernehmen. Das Windkraftunternehmen betreibt mehr als 530 Windanlagen in Deutschland und Polen. Bekannt geworden ist es durch den Verkauf von Genussrechten an Kleinanleger, denen hohe Renditen versprochen wurden.

Etwa 1,4 Mrd. Euro hatten die privaten Investoren in das Unternehmen gesteckt. Als Zweifel am Prokon-Geschäftsmodell aufkamen und viele Anleger ihre Genussscheine zurückgeben wollten, brach das Kartenhaus zusammen. Prokon musste Insolvenz anmelden.

Jetzt haben die Gläubiger die Wahl zwischen dem Verkauf an EnBW und einer Fortführung des Geschäftsbetriebs als Genossenschaft. Die Übernahme durch EnBW würde sofort 500 Mio. Euro einbringen. Geld, das an Gläubiger und die Inhaber von Genussscheinen ausbezahlt werden soll. Beim zweiten Modell müssten sich die Anleger bereit erklären, ihre Ansprüche in eine  Genossenschaft einzubringen. Geld würde vorerst nicht fließen, stattdessen erhielten sie eine Anleihe mit einer Laufzeit von 15 Jahren, die mit 3,5 Prozent verzinst wäre. Wer dort nicht mitmachen will, soll mit einer Barauszahlung abgefunden werden.

Für welches Modell sich die Gläubiger auch entscheiden, sie müssen auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten. „Die Insolvenzquote wird in jedem Fall zwischen 50 und 60 Prozent liegen“, sagte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Die Entscheidung über die Prokon-Zukunft fällt auf einer Gläubigerversammlung im Sommer.