AktienDer Weg in ein glückliches Unternehmen

Seite: 2 von 2

Die überwältigende Mehrheit der befragten Mitarbeiter dieser Studie gibt an, dass zum Glücklichsein am Arbeitsplatz ein respektvoller Umgang, ein gutes Betriebsklima und eine offene und faire Behandlung gehören. Menschlichkeit eben. Wie erhält man dieses humanistische Grundsurren im Motor eines Unternehmens? Zum einen dadurch, dass Sie die Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren. Vielen ist gar nicht bewusst, dass es die kleinen zwischenmenschlichen Ohrfeigen sind, erhalten oder selbst ausgeteilt, die ihr eigenes Glücksempfinden beeinflussen. 

Zum anderen leben Sie bitte selbst vor, worauf es in einem glücklichen Unternehmen ankommt. Hier ein paar Tipps aus Kanada, Schweden und der Schweiz:

Anregung Nummer 1: Nehmen Sie sich zurück

„Man wirft dem Schweizer immer vor, jeder versuche, es dem anderen recht zu machen. Das kann schon sein, dass man sich selbst ein wenig zurückzieht, aber das sorgt dafür, dass für die anderen auch noch genug Platz da ist“, so erklärt es mir der Schweizer Passant Marco Zanker. Keine klare Ansagen, keine deutliche Standpunkte, keine felsenfesten Ansichten. In Deutschland wird das oft als Zeichen von Schwäche gedeutet. Aber zeugt es nicht von menschlicher Größe, seine eigene Meinung im Licht einer anderen zu prüfen. Ein Urteil zu revidieren? Groß beizugeben?

Streitkultur ade? Nicht, wenn Sie besonnen-kooperativ ausgetragen wird, wie in den Glücksländern. Glückliche Menschen haben alle eine Meinung, auch eine deutliche. Nur nicht immer so geradlinig, nach dem Motto: „So muss es sein und nicht anders!“, wie Deverin Kürkmüller, eine Schweizer Unternehmerin die deutsche Haltung umschreibt. Die Glücksländer schrauben ihr Ego runter, weil sie sich nicht in Konflikten verhaken möchten. Denn wichtig ist, was Sie verbindet, und nicht das, was Sie trennt.

Anregung Nummer 2: Schaffen Sie Vertrauen durch Transparenz

Das bedeutet nicht, dass Probleme nicht angesprochen werden, mit Kritik gespart wird und Themen unter den Tisch gekehrt werden. Im Gegenteil. Norwegen, Schweden und Finnland kennen das Transparenzprinzip. Dort können Sie Einsicht in die geschäftlichen Ausgaben Ihrer Politiker erhalten, in die Steuererklärung ihres Chefs und den Mailverkehr ihres Bürgermeisters. Diese Transparenz durchzieht die Gesellschaft bis aufs Business-Niveau.

„Von unserer direkten Art, uns auszudrücken, könnten andere Länder etwas lernen.“, so Professor Sakari Suominen aus Finnland. „Wenn Probleme offen in den Prozess integriert und nicht unter der Tischdecke versteckt werden, dann besteht eine größere Chance, diese Probleme zu lösen.“ Das schafft Vertrauen. Und das ist die Basis dafür, dass sich die Mitarbeiter trauen, Dinge anzusprechen. Auch Konflikte.

Anregung Nummer 3: Verhandeln sie verkehrt herum

Wir definieren hierzulande zu Beginn einer Verhandlung gerne deutlich die maximalen verschiedenen Standpunkte und hoffen, sie dann irgendwann auf eine Einigung herunter brechen zu können. Der Prozess ist oft unharmonisch, vielleicht noch respektvoll, dafür aber relativ zeiteffizient. Die Schweizer hingegen versuchen immer schon mit einer partnerschaftlichen Position ins Gespräch zu gehen, „die für die anderen akzeptabel ist“, so Professor Bruno Frey, Volkswirtschaftler aus Zürich. „In der Schweiz redet man lange, es ist alles nicht so elegant. Aber wenn dann mal eine Entscheidung getroffen wurde, stehen die Leute auch dahinter, weil sie sich beteiligt fühlen. Es wird ein bisschen mehr Rücksicht auf die Menschen genommen. Und das macht zufrieden.“

 

Andere Länder stellen den Prozess also auf den Kopf. Man sucht erst nach dem gemeinsamen Nenner, der oft nur darin besteht, ihn finden zu wollen. Oje, das kann dauern. Während die Schweizer, Schweden oder Dänen noch jeden anhören, hat man im Team Deutschland bereits  zähneknirschend angefangen, seine genau definierte Aufgabe auszuführen. Wenn später die Konsensorientierten loslegen, weiß nicht unbedingt jeder zu 100 Prozent, wer was tut. Die Stimmung ist aber gut, alle haben Lust mitzumachen und die Kommunikation läuft reibungslos. Im Resultat holen die Teams einander wieder ein.

Ob Sie also den herkömmlichen oder den humanistisch geprägten Weg wählen. Sie erhalten ähnliche Ergebnisse. Warum sollten Sie sich für den letzteren entscheiden? Zum Beispiel aus ethischen Gesichtspunkten, dem Bewusstsein der Gleichheit von Menschen und dem Respekt, die jedem Menschen gebührt?

Aber auch betriebswirtschaftlich können Sie sich den Bonus zufriedenere Mitarbeiter in die Tasche stecken. Diese Menschen übernehmen Verantwortung für das Unternehmen, sind kreativ, loyal und arbeiten wiederum geschmeidig zusammen. Das festigt erneut das positive Zusammengehörigkeitsgefühl – eine Aufwärtsspirale, von der auch die Bilanzen profitieren werden. Welches Argument auch immer für sie zählt: Investieren Sie in das humanistische Grundsurren, als Kollege, als Führungskraft, als Mensch. Es lohnt sich.