InterviewMartin Pos über seine erste Million

Martin Pos
Martin PosJiri Turek

Herr Pos, Sie wollten eigentlich olympische Medaillen erringen. Stattdessen machten Sie Kindersitze, Buggys und Babytragen zu Gold. Wie kam das?

Kurz vor der Olympiaqualifikation im Stabhochsprung 1998 brach ich mir das Handgelenk. Aus war der Traum, ich brauchte einen neuen.

Klingt bitter.

Ja, 25 Jahre ist das jetzt her. Ich fing bei einer Firma an, die Fitnessgeräte, Fahrräder und Kinderwagen verkaufte. So kam ich zu Babyprodukten. 1993 wurde ich Vertriebs- und Marketingchef bei einer Kindersitzfirma. Nach dem Verkauf an einen Investmentfonds führte ich die Geschäfte – ich war gerade mal 30 Jahre alt. Das war eine super Schule. Doch als der Börsengang drohte und ich immer häufiger an einen Controller berichten musste, wurde ich immer unzufriedener.

Das war der Startschuss für Ihre eigene Firma Cybex?

Ja. Ich verdiente zwar relativ viel Geld, aber glücklich war ich nicht. Irgendwann hielt mir meine Frau eine Standpauke: „Lieber Freund, ich habe dich geheiratet, weil du lustig warst und wir Spaß miteinander hatten. Diesen Mann hätte ich gern zurück!“ Und da ich eh eine rege Fantasie habe, kam uns die Selbstständigkeit wie eine gute Idee vor – trotz der Verantwortung für zwei Kinder.

Die aktuelle Capital

Wie kommt man auf die Idee, aus einem damals noch biederen Produkt wie Kinderwagen ein cooles Lifestyle-Accessoire zu machen?

Durch eigene leidige Erfahrungen. Die Dinger, die wir bei unseren Kids brauchten, hatten den Chic einer Hebebühne. Alles war zu schwer und zu hässlich. Genau das wollten wir ändern. Design und Technologie in einem – das war neu in der Babybranche.

Wann war die erste Million da?

Einen siebenstelligen Umsatz hatten wir, glaube ich, schon nach drei oder vier Monaten. Das war sehr, sehr cool! Dieses schöne Gefühl der Bestätigung hielt aber nur etwa eine Stunde lang an. Dann dachte ich schon an die ersten 10 und die ersten 100 Mio. An die erste private Million erinnere ich mich nicht mehr. Darüber habe ich auch nicht nachgedacht, das hat mich nie angetrieben.

Wofür geben Sie gern Geld aus?

Für Blödsinn. Für Dinge, die ausnahmsweise gar keinen Sinn ergeben. Ich bin im Business extrem vernunftbestimmt. Da muss ich manchmal einfach ein wenig Dampf ablassen und etwa ein buntes Maßsakko kaufen, das ich vielleicht nur einmal trage. Oder ein italienisches Auto, das die meiste Zeit in der Garage steht. Der mentale Druck, dem ich als Unternehmer täglich ausgesetzt bin, braucht in bestimmten Abständen ein Ventil.

2014 hat sich Cybex mit Goodbaby aus China zusammengeschlossen. Hat sich das angefühlt, als gäben Sie Ihr Baby zur Adoption frei?

Überhaupt nicht! Ich bin ja heute weiterhin CEO des Unternehmens. Und der Gründer von Goodbaby ist schon seit vielen Jahren ein guter Freund und Mentor. Ich wollte Cybex einfach international auf ein völlig neues Level bringen und nicht wieder von ganz vorn anfangen. Das alles noch einmal durchmachen? Nein, danke.