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„Wir liefern die Filetstückchen“

Die Nachfrage nach Coworking ist explodiert, das Angebot auch: In Deutschland gibt es laut dem Branchenanalysten Crisp Research rund 650 Anbieter, die den Gedanken des Coworkings aufgreifen. Allerdings seien davon nur 250 „echte“ Coworking-Spaces, die mit neuen Raumkonzepten und Netzwerken Mitglieder werben. Der größte Anbieter unter ihnen ist Wework aus den USA: Seit 2010 im Markt und von vornherein auf internationale Expansion getrimmt, führen sie mittlerweile 110 Büros in zwölf Ländern, fünf davon in Deutschland.

Das Unternehmen wächst rasant, und Investoren wie JP Morgan sehen offenbar noch viel Potenzial – auch dank ihnen ist die Bewertung von Wework auf gewaltige 18 Mrd. Dollar geklettert. Tatsächlich lagern Großkonzerne wie IBM mittlerweile schon große Teile ihrer Arbeitsplätze an Wework aus. Wework hat heute weltweit 100.000 Mitglieder.

Anita Gödikers Netzwerk hat nur 1600. Zu groß will sie gar nicht werden, denn das „Menschliche“, wie sie häufig betont, im Umgang und Service – das ließe sich eben nicht am Fließband skalieren. Und außerdem: „Meine Kunden legen Wert auf Qualität und Effizienz. Die wollen Ruhe. Keinen Kanarienvogel, kein Aquarium, keine Schaukel, keine Rutsche im Büro“, sagt sie. „Fast Food machen die anderen. Wir liefern die Filetstückchen.“

Eine von Gödikers ganz alten Kundinnen, seit 18 Jahren bei Satellite Office, ist die Medienberaterin Gabriele Wiechatzek, Parteifreundin und Vertraute Angela Merkels. „Vor allem Politiker wollen sich nicht immer da treffen, wo sie erkannt und angesprochen werden“, sagt sie.

Die Ansprüche seien da vor 20 Jahren nicht anders gewesen als heute, bestätigt Gödiker, die ihre Kunden regelmäßig befragt und bei der Arbeit beobachtet. Wichtig immer: Wer arbeitet, will seine Ruhe haben. Klar. Aber es sind die Details, die Gödiker im Laufe der Jahre entdeckt hat: Niemand wende etwa bei der Arbeit gern den Rücken zu einem offenen Durchgangsbereich, die Leute suchten gerade in den sogenannten Open Spaces Schutz. Deshalb zieht sie nun Raumteiler ein und lässt jetzt die neuen Bänke im Cumberland Haus mit höheren Lehnen ausstatten. In jeden neuen Standort investiert sie rund 1 Mio. Euro.

In den letzten 20 Jahren hat Gödiker sich bei dem Geschäftskonzept immer auf ihren Instinkt verlassen. Das allein reicht heute vielleicht nicht mehr, gesteht sie ein. Deshalb hat sie einen Beirat mit bislang acht Mitgliedern gegründet, darunter ein Bankenvorstand und ein Automarketingexperte. Mit denen will sie die Zukunftsfähigkeit ihres Konzepts regelmäßig hinterfragen. „Das mache ich, damit mein Unternehmen nicht endet wie etwa Schlecker oder Kodak. Deren Geschäftsideen waren revolutionär, aber die zeitgemäße Entwicklung haben sie verschlafen.“