Karriere5 typische Fehler im Bewerbungsschreiben

Symbolbild: Junger Mann schaut verzweifelt auf seinen Laptop
Symbolbild: Junger Mann schaut verzweifelt auf seinen LaptopTim Gouw via Unsplash

Die Autokorrektur macht aus „Frau Weilert“ eine „Frau Weigert“ und aus „engagiert“ „enragiert“. Und trotzdem schicken wir die Bewerbung ab, musste ja schnell gehen, und erst später, wenn wir das PDF nochmal durchsehen, dann fallen uns die Böcke auf. Mist! Hätte man sich nur mehr Zeit genommen für das Bewerbungsanschreiben. Schließlich ist das die Visitenkarte der Bewerbung. Und die soll ja einen positiven Eindruck hinterlassen. Welche anderen Fehler uns immer wieder im Bewerbungsanschreiben passieren und wie wir sie vermeiden können:

#1 Rechtschreib- und Grammatikfehler

Genau, das hätten Sie sich denken können. Rechtschreib- und Grammatikfehler schleichen sich immer wieder in Bewerbungsanschreiben ein – entweder hat die Autokorrektur ihre Finger im Spiel (wer kennt das nicht?) oder unsere Wahrnehmung spielt uns einen Streich. Schließlich wissen wir ja, was wir schreiben wollten. Und deswegen sehen wir auch die Wörter, die da eigentlich stehen sollten. Ein Bewerbungsschreiben mit Flüchtigkeits- oder groben Rechtschreibfehlern wirkt kopflos und konfus – als hätten Sie Besseres zu tun, als sich auf diesen Job zu bewerben.

Damit das nicht passiert, sollten Sie sich das Anschreiben ausdrucken. Auf dem Papier sieht man Fehler schneller, als auf dem Bildschirm. Oder Sie lassen Ihren Partner oder die Partnerin gegenlesen, vier Augen sehen schließlich mehr als zwei.

#2 austauschbare Phrasen

„Mit großem Interesse habe ich Ihr Stellenangebot gelesen“, „hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle“, „Ihr Unternehmen begeistert mich wegen den vielfältigen Entwicklungschancen der Mitarbeiter“, „Kollegen schätzen mich als motiviertes, innovatives und dynamisches Teammitglied“. Genau: Diese Sätze kommen Ihnen bekannt vor. Weil sie austauschbar und abgegriffen sind. Sie verraten nichts darüber, wer Sie als Bewerber oder Bewerberin wirklich sind. Um einen Personaler aufmerksam und neugierig zu machen, sollten Sie sich daher vor diesen Phrasen hüten. Entwickeln Sie einen starken Anfang des Schreibens, der das Interesse der Lesenden anregt, mehr von Ihnen zu hören. Spielen Sie mit Emotionen, bauen Sie einen Cliffhanger ein, verwenden Sie Begriffe, die Sie noch nie in einem Bewerbungsschreiben gelesen haben und entwickeln Sie Beispiele, an denen Sie erklären, warum Ihre Kollegen Sie so schätzen.

#3 langweiliger Stil

Zugegeben, das ist nicht jedermanns Sache: schreiben. Eigentlich ist es aber gar nicht so schwer. Denn immerhin kennen Sie ja Ihren Protagonisten schon ganz gut: Genau, Sie. Die größten Stilsünden eines Anschreibens sind: zu viele Adjektive, Superlative, zu viel Passiv, wenig Verben, Schachtelsätze, ungenaue Fremdwörter, Business-Denglisch. Um Ihr Anschreiben flüssig und ansprechend zu formulieren, sollten Sie also stattdessen Adjektive wohl dosieren und durch Verben ersetzen, Passiv nur im Notfall verwenden und lieber aktive Satzkonstruktionen bauen, für Fremdwörter passende deutsche Begriffe suchen (natürlich nur, wenn es sie gibt). Und: Konjunktiv aussparen. Das wirkt unterwürfig und unentschieden. Also statt „ich würde mich freuen, mich Ihnen vorstellen zu dürfen“, lieber „ich freue mich darauf, mich Ihnen vorzustellen“ schreiben.

#4 Lebenslauf nacherzählen

„Nachdem ich die Grundschule erfolgreich absolviert hatte, begannen meine acht Jahre auf dem Gymnasium, die ich mit dem Abitur …“. Haben Sie nicht erst in den vergangenen Monaten Ihre Hochschulreife erlangt, sollten Sie in Ihrem Anschreiben auf keinen Fall Ihre Schullaufbahn wiedergeben. Meistens liegt die nämlich schon etwas länger zurück und Sie haben seitdem spannendere Dinge erlebt. Erzählen Sie außerdem nicht Ihren Lebenslauf nach. Der liegt dem Anschreiben ja bei. Heben Sie stattdessen interessante Jobs hervor und erwähnen Sie, was man dem Lebenslauf nicht entnehmen kann.

#5 sich verstellen

In einem Bewerbungsschreiben müssen Sie sich gut verkaufen. Doch die eigenen Vorzüge loben, sich selbst in den Mittelpunkt stellen und häufig „ich“ schreiben, das empfinden einige als unauthentisch und daher unangenehm. Und das stimmt auch: Diese Situation ist nicht gerade unverkrampft. Bleiben Sie also Sie selbst. Verstellen Sie sich nicht. Loben Sie sich nicht über den Klee. Spätestens beim Bewerbungsgespräch kommt sonst heraus, dass Sie doch eher mittelmäßig Spanisch sprechen und das letzte Projekt gemeinsam mit den Kollegen am Konferenztisch entstanden ist – statt in einsamen Überstunden an Ihrem Schreibtisch.