Beste AusbilderBei Merck dürfen Azubis experimentieren

Auszubildende beim Pharmakonzern Merck
Auszubildende beim Pharmakonzern MerckÉriver Hijano

Ein Gespräch mit Thomas Koppe, der als Head of Learning beim Pharma- und Chemiekonzern Merck in Darmstadt für die Berufsausbildung von rund 560 jungen Leuten in Laboren, Produktion und Verwaltung verantwortlich ist.

Herr Koppe, Ihre angehenden Pharmakanten haben mir eine Tablette gegeben, die eklig schmeckt. Muss ich mir Sorgen machen?

Nein, das war nur eine Traubenzuckerprobe mit etwas mehr Vitamin C. Die Auszubildenden dürfen hier in den Ausbildungslaboren auch experimentieren. Aber keine Sorge: Sicherheit, zuallererst für den Menschen, hat bei uns vom ersten Tag an allerhöchste Priorität. Denn wenn in der Produktion etwas passiert, dann ist das im schlimmsten Fall lebensgefährlich.

Wie bringen Sie das 18- oder 19-jährigen Schulabgängern bei?

In der Schule haben viele bestenfalls ein Reagenzglas in der Hand gehalten. Vor dem ersten Praxiseinsatz brauchen sie zunächst eine gewisse Betriebsgängigkeit. In einer Grundausbildung über vier bis sieben Monate bringen wir ihnen Laborstandards vom Abwiegen bis zum Mikroskopieren bei, damit sich die Kollegen im realen Betrieb dann auch wirklich auf ihren Einsatz verlassen können. Im Ausbildungsprogramm steigern wir dann langsam die Komplexität der Aufgaben.

Wissen die Bewerber, worauf sie sich bei Merck einlassen?

Viele kennen unsere frei verkäuflichen Produkte wie Nasivin. Einige wissen, dass wir Medikamente zur Behandlung von Krebs oder Multipler Sklerose herstellen. Erstaunt sind die meisten, dass Merck auch Pigmente für Kosmetik, Autolacke oder die vergoldete Schokoschicht der Eismarke Magnum herstellt.

Sie suchen naturwissenschaftlich begabte, technisch interessierte Schülerinnen und Schüler. Wie locken Sie die?

Wir nutzen alle Rekrutierungskanäle, von Schulen über Social Media bis zu Jobmessen, um junge Leute anzusprechen. Aber wir gehen auch verstärkt auf Eltern und Bezugspersonen zu, die als Multiplikatoren für die Berufswahl zum entscheidenden Faktor geworden sind.

Und was ist dabei ausschlaggebend?

Gute Ausbildungs- und Einstiegsgehälter und die Aussicht auf einen unbefristeten Job überzeugen. Am Verbleib der Ausgebildeten im Unternehmen haben wir ein eigenes Interesse. Schließlich kostet uns jede naturwissenschaftlich-technische Ausbildung Beträge, die bis in den niedrigen sechsstelligen Bereich hineinreichen.

Hat sich die Ausbildung im Labor und der Produktion verändert?

Ja, extrem. Denn wir müssen uns an den Technikstandards der Zukunft ausrichten. So waren die Ausbildungslabore die ersten im Konzern, die 3D-Drucker angeschafft haben. Dieses Jahr haben wir zudem alle Auszubildenden mit Tablets ausgestattet. Die sind damit besser ausgerüstet als viele andere Mitarbeiter.

Ändert sich da etwas in der Rollenverteilung?

Das ist schon ein Paradigmenwechsel für Merck. Wir Ausbilder versuchen, uns der Welt der Auszubildenden anzupassen. Wir müssen die jungen Leute da abholen, wo sie sind. Also produzieren wir etwa auch Youtube-Videos, in denen wir den Aufbau einer Apparatur zeigen oder auch uns selbst vorstellen.

Und das kommt gut an?

Die jungen Leute sagen uns durchaus, was wir da besser machen können, in dem Fall bei Kameraeinstellungen oder Beleuchtung. Wir können auch von denen lernen.