Beste AusbilderAllianz – „Wir haben eine Start‑up‑Mentalität“

Allianz-Flaggen wehen im Wind

Capital: Die Konkurrenz um Auszubildende wird ja zusehends schärfer. Wie sehr müssen Sie als Versicherungskonzern um Berufseinsteiger werben?

Karl Wagenhuber: Wir müssen uns eindeutig mehr ins Zeug legen als früher. In der Vergangenheit konnten wir in der Versicherungsbranche einfach mit einem sicheren Arbeitsplatz punkten. Jetzt versuchen wir, das Signal zu senden: Wir sind innovativ, global und haben eine Startup-Mentalität. Und wir sagen den Leuten, dass sie häufiger ihren Aufgabenbereich wechseln sollen. Wer also bei der Autoversicherung ist, kann in zehn Jahren längst völlig woanders sein. Damit kommen nicht alle gut klar.

Was bedeutet das konkret?

Manchmal geht es einfach nur darum, dass man nach der Ausbildung seinen Arbeitsplatz in eine andere Stadt verlegen muss, und damit haben viele schon ein Problem. In der Zukunft wird es darum gehen zu zeigen, dass wir mehr Flexibilität brauchen. Das heißt, wir brauchen Leute, die Spaß am Wechsel haben, die mutig sind, sich verändern können und das auch gerne tun.

Es heißt ja oft, dass die Berufsanfänger heute andere Ansprüche haben als früher. Wie begegnen Sie denen?

Karl Wagenhuber, Ausbildungskoordinator für die Allianz Deutschland
Karl Wagenhuber, Ausbildungskoordinator für die Allianz Deutschland

Wir können uns nicht funky und cool geben, wo wir es gar nicht sind. Es ist wichtig, ehrlich zu bleiben und authentisch zu kommunizieren. Aber es ist klar: Die Erwartungshaltung der jungen Leute an den Führungsstil ist nicht die gleiche wie vor zehn Jahren. Man muss überzeugen und informieren und immer hinter seinen Leuten stehen.

Coaching fürs Kundenverhalten

Und welche Eigenschaften sollten Ihre Azubis mitbringen?

Ganz wichtig sind kommunikative Fähigkeiten. Man kann durch Apps und Mails nicht das gesprochene Wort ersetzen. Es wird immer Kunden geben, die jemanden sprechen wollen. Der klassische Vertreter, der auf der Couch die Unfallversicherung erklärt, wird meiner Ansicht nach irgendwann verschwinden. Aber telefonische Erreichbarkeit ist ein ganz wesentliches Thema. Es gibt nichts Nervigeres, als in einer Hotline zu sein, in der es dann heißt: „Der nächste Mitarbeiter wird bald für Sie frei sein. Drücken Sie die Drei für eine Beschwerde.“ Wir haben da ganz andere Ansprüche.

Kann man das schulen – Fähigkeit zur Kommunikation?

Wenn ich bei der Auswahl die Anlagen dafür sehe, dass jemand gut mit Menschen umgehen kann, dann kann man diese Stärken ausbauen. Wir bieten aber außerdem auch jedem Azubi ein Coaching für sein Kundenverhalten an. Das, was dort besprochen wird, bleibt vertraulich, es fließt also nicht in die Leistungsbewertung ein.

Wie funktioniert dieses Coaching? Mit Paten?

Wenn es zu einer Schnupperphase in einer Abteilung kommt, dann gibt es einen Arbeitspaten. Der sagt täglich, was zu tun ist und welche Kunden zu betreuen sind. Den kann der Azubi auch fragen, wenn er bei einem Thema unsicher ist. Beim Telefoncoaching gibt es zwei Varianten. Entweder der Kollege hört live zu und gibt dann hinterher Tipps. Oder es werden fünf Gespräche aufgenommen, und zwei Tage später wird das dann gemeinsam mit dem Coach analysiert. Es ist Geschmackssache, wofür man sich entscheidet.

Große Nachfrage nach dualem Studium

Auch bei der Allianz brauchen Sie ja immer bessere Qualifikationen bei Ihren Berufsanfängern. Wie erreichen Sie das?

Vor allem dadurch, dass es immer mehr duale Studenten gibt. Früher hatten wir etwa 300 Azubis pro Jahr und vielleicht 30 duale Studenten. Im kommenden Jahr wird schon jeder dritte Anfänger im Unternehmen ein duales Studium absolvieren. Wichtigste Richtungen sind da Informatik, Wirtschaftsinformatik und BWL. Es gibt auch viele Azubis, die nach ihrer Ausbildung berufsbegleitend studieren.

Und da verspüren Sie offenbar großes Interesse?

Es gibt schon eine große Nachfrage. Das duale Studium ist auch eine sehr sinnvolle Kombination. Und es spült genau den Nachwuchs ins Unternehmen, den wir gut brauchen können.

Sie arbeiten auch mit der Methode des Reverse Monitoring. Also: Jung coacht Alt. Wie läuft das ab?

Es ist eigentlich eine simple Idee. So simpel, dass ich erstaunt war, wie positiv die Resonanz im Unternehmen ausfiel. Ein gutes Beispiel: Es gibt Mitarbeiter, die Kunden davon überzeugen sollen, dass die Kommunikation per App besser funktioniert als per Brief. Und dann fragen die Kunden möglicherweise: Alles schön und gut, aber wie machen Sie das denn? Und da gibt es Mitarbeiter, die da eine Scheu haben und nicht genau wissen, wie sie das Tool dem Kunden erklären sollen. Die Azubis können das dann den älteren Mitarbeitern oft rasch beibringen. Im Gegenzug können sie selbst dann Fragen zu Karrierewegen bei der Allianz und anderem stellen.

„Versicherung kann spannend sein“

Und das funktioniert?

Absolut. Das Tolle ist: Der ältere Kollege weiß dann, worüber ein 18-Jähriger bei der Allianz eigentlich nachdenkt. Und umgekehrt kann ein junger Mensch erkennen, wie die ältere Generation tickt und wie die mit Veränderungen umgeht.

Fühlen sich die älteren Mitarbeiter da nicht auf den Schlips getreten?

Ich glaube nicht. Ich denke, die haben vor manchen technischen Anwendungen da gehörigen Respekt.

Was ist denn das Wichtigste, das Sie den Azubis vermitteln wollen?

Ich glaube, zentral ist der Gedanke: Ich habe einen Job, der etwas bewirkt, und mache in meinen acht Stunden am Tag etwas Sinnvolles. Das muss man den Leuten vermitteln können. Versicherung kann ja spannend sein. Die langweiligen Sachen können Maschinen übernehmen. Der eigentliche Job ist anspruchsvoller geworden.