Beste Ausbilder„Azubis können eine ‚Bewerbung to go‘ einreichen“

Symbolbild: Älterer Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist
Symbolbild: Älterer Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist

Alexander Daniel ist Leiter der Krankenpflegeschule bei den kommunalen Lahn-Dill-Kliniken. Annette Zeitler ist Leiterin des Geschäftsbereichs Pflege-, Patienten- und Prozessmanagement. An drei Standorten in Hessen versorgen 2.300 Mitarbeiter jährlich rund 40.000 Patienten.

Capital: Herr Daniel, der Markt an Pflegekräften ist leer gefegt. Haben Sie auch Probleme, Auszubildende zu finden?

Alexander Daniel: Nein, wir haben im Moment 160 Auszubildende allein in der Gesundheits- und Krankenpflege. Das Angebot an Bewerbern ist so groß, dass wir die Kapazitäten an unserer Krankenpflegeschule in diesem Herbst sogar verdoppelt haben, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden.

Warum kommen die jungen Leute trotz der Diskussionen über Pflegenotstand, schlechte Bezahlung und anstrengende Arbeitsbedingungen zu Ihnen?

Daniel: Als eigenständiges kommunales Unternehmen, das nicht gewinnorientiert wirtschaftet, haben wir einen guten Ruf in der Region. Wir haben ein sehr gutes Aus- und Weiterbildungsangebot, bieten vergünstigte Wohnheimplätze und kostenlose Gesundheitsangebote, kümmern uns mit rund 100 Praxisanleitern intensive um die Auszubildenden und bemühen uns um eine faire, familienfreundliche Einsatz- und Schichtplanung.

Wie viele Mitarbeiter können Sie nach der dreijährigen Ausbildung übernehmen?

Daniel: Insgesamt haben wir über die Jahre 90 Prozent unserer examinierten Krankenpfleger selber ausgebildet. Bei den Prüfungen im September haben alle bestanden und wir haben auch alle im Oktober als neue Mitarbeiter übernommen.

Wie läuft der Bewerbungsprozess im Anschluss an die Ausbildung?

Daniel: Das machen wir ganz einfach: Die Azubis können eine „Bewerbung to go“ einreichen. Dazu tragen sie drei Wunschstationen auf einer Postkarte ein. Sechs Monate vor Ende der Ausbildung bekommen sie ein Jobangebot von uns. Dadurch schaffen wir hohe Planungssicherheit.

„Nach der Ausbildung stehen bei uns zahlreiche Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten offen“

Frau Zeitler, wer einmal als Krankenpfleger angefangen hat, bleibt auch?

Annette Zeitler: Bislang arbeiten viele über Jahre und Jahrzehnte in unseren Kliniken. Wir haben eine Fluktuation von unter fünf Prozent, das ist schon ein niedriger Wert in unserer Branche. Der Altersdurchschnitt in der Pflege liegt momentan zwischen 40 und 50 Jahren. Damit zeichnet sich ab, dass wir auf absehbare Zeit mehr Nachwuchs brauchen.

Heutzutage wollen sich viele junge Leute aber auch im Job nicht mehr für ein Leben lang festlegen. Was können Sie denen bieten?

Zeitler: Die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege ist vielfältiger und durchlässiger geworden. Wir bieten zum Beispiel duale Studiengänge an. Das lockt auch Abiturienten an, die dann nach vier Jahren eine Ausbildung und einen Bachelor-Abschluss haben. Einige hatten ursprünglich hier anfangen, um ihre Wartezeit für ein Medizinstudium zu überbrücken, die waren überrascht, was das duale Studium bietet und sind geblieben. Und nach der Ausbildung stehen bei uns jedem zahlreiche Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten offen.

Vor einigen Monaten haben die Lahn-Dill-Kliniken eine Mitarbeiter-App eingeführt. Was bringt das?

Zeitler: Wir sind ein modernes Unernehmen, da gehören auch moderne Kommunikationsmittel dazu. Wir müssen einfach und schnell mit allen Mitarbeitern kommunizieren und das geht nicht mehr allein über Aushänge oder Hauszeitschriften. Viele Krankenpflegschüler und Pfelgekräfte haben nicht dauernd Zugang zu einem Computer und auch keine geschäftliche Email-Adresse. Aber über die Anwendung auf dem Mobiltelefon können sich alle jederzeit alle Informationen holen.