Beste AusbilderCancom: Studienabbrecher bevorzugt

Cancom-Zentrale in München
Cancom-Zentrale in MünchenWikipedia / CC BY 3.0 de

Als sich Jonas Homann bei Cancom für die Ausbildung zum IT-Systemkaufmann bewarb, hatte er gerade nach fünf Semestern sein BWL-Studium abgebrochen, davor hatte er unter anderem Tennisstunden gegeben. Wie würde das TecDax-Unternehmen auf so einen Lebenslauf reagieren? Der 26-Jährige machte sich Sorgen. „Die wurden mir im Bewerbungsgespräch aber nach zwei Minuten genommen“, sagt er.

Denn Cancom freut sich über Studienabbrecher. Die Ausbildungen zum Fachinformatiker und IT-Systemkaufmann sind anspruchsvoll, deshalb greift das Unternehmen gern auf Bewerber mit Hochschulerfahrung zurück. Von 84 Azubis, die 2018 bei dem IT-Dienstleister anfingen, haben 40 Prozent ein Studium geschmissen, zwei Drittel sind älter als 20, ein Fünftel älter als 25 Jahre.

Cancom bildet aus

Der Fachkräftemangel in der IT-Branche ist groß, weshalb Cancom vermehrt ausbilden will: Zehn Prozent Azubiquote strebt der Mittelständler an, der 3 000 Mitarbeiter an 30 Standorten beschäftigt. Derzeit liegt die Quote bei 7,5 Prozent. Für Azubis macht man sich so attraktiv wie möglich: Bei Vorwissen werden etwa die dreijährigen Ausbildungsgänge halbiert, junge Eltern können sie auch in Teilzeit absolvieren. Der Rückgriff auf Studienabbrecher hat für Cancom noch einen weiteren, altersbedingten Vorteil: „Mir sagen Kollegen oft, dass man Mittzwanziger besser im Kundengeschäft einsetzen kann“, sagt Claudia Ade, die Ausbildungsleiterin.

Seit das Unternehmen vor fünf Jahren den starren Bewerbungszeitraum im Herbst aufgegeben hat, melden sich bei Cancom immer mehr Studenten, die sich vor Kurzem exmatrikuliert haben. Ältere Bewerber fühlten sich am Anfang häufig etwas gehemmt, sagt Ausbildungsleiterin Ade. „Viele fühlen sich als Versager, wenn sie mit Mitte Zwanzig ein Studium abbrechen. Aber wir sehen das als Chance.“ Ade hat mit älteren Auszubildenden inzwischen viel Erfahrung.

Jonas Homann ist froh, dass seine Kollegen ihm schnell viel Verantwortung gaben. „Man hat mich nie wie einen Jugendlichen behandelt. Ich war eine Zeit lang selbstständig und habe fünf Semester BWL studiert, das wurde honoriert“, sagt er. In einem halben Jahr wird der 26-Jährige mit seiner Ausbildung fertig sein. Derzeit sondiere er den Markt, sagt Homann. IT-Experten seien schließlich heiß begehrt. „Wahrscheinlich werde ich aber bei Cancom bleiben. Hier habe ich meine Chance bekommen, dafür bin ich dankbar.“