Junge Elite„Konzern ist für mich kein negativ besetzter Begriff“

Amorelie-Co-Gründerin Lea-Sophie Cramer
Amorelie-Co-Gründerin Lea-Sophie CramerAmorelie

Capital: Lea-Sophie, Du zählst zu den vom Wirtschaftsministerium ausgewählten „Vorbild-Unternehmerinnen in Deutschland. Was macht eine Vorbild-Unternehmerin aus?

Meine Unternehmerinnen-Vorbilder sind Frauen, die eine große Vision mit viel Leidenschaft, Mut, Energie und Optimismus verfolgen und andere damit inspirieren. Das finde ich toll und wenn man dann noch Zeit und Kraft findet, anderen Frauen den Weg in Führungspositionen leichter zu machen, dann ist das großartig. Ich finde Vorbilder wichtig und habe selbst unglaublich viele.

Als Schülerin/Studentin – wie sahen Deine Karriereziele aus? Wolltest Du immer ein eigenes Unternehmen gründen?

Der Wunsch Unternehmerin zu werden, kam gegen Ende des Studiums auf. Mein Chef im Praktikum bei einer Unternehmensberatung sagte zu mir damals: Lea, wir machen dir ein Angebot und freuen uns, wenn du zu uns kommst, aber eigentlich solltest du Gründerin werden.” Ich gehe an Problemstellungen eben eher unternehmerisch heran und frage mich, wie man das Ganze besser machen kann, als nur einen Teilaspekt kurzfristig zu lösen. Ich liebe es, viel Energie und Leidenschaft in Ideen zu investieren.

Auf dem Weg zur Unternehmerin – welche Karriereschritte und welche Learnings waren für Dich die wichtigsten?

Vor der Gründung von Amorelie war auf jeden Fall meine Zeit bei Groupon sehr prägend für mich, als ich für Oliver Samwer gearbeitet habe. Dort habe ich gelernt, wie man Unternehmen aufbauen kann und einen Führungsstil kennengelernt, den man übernehmen kann – oder halt auch nicht – oder dann lieber seinen eigenen entwickelt. Was ich dort am meisten geschätzt habe, war die Erkenntnis, dass Fähigkeiten und Motivation nicht nur mit dem Alter zu tun haben, sondern dass man auch in jungen Jahren viel erreichen kann.

Ein wichtiges Learning war für mich auch immer der Spruch meines Vater „Stärken stärken“ – so habe ich früher viel Zeit und Energie investiert, um an meinen Schwächen zu arbeiten und darin gut zu werden, anstatt zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die mir leichter fallen, mehr Spaß machen und dann diese konsequent auszubauen.

Außerdem muss ich sagen, dass es mich echt überrascht hat, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist. Es ist einfach so viel leichter, wenn man Leute hat, die man fragen kann, wenn man Dinge zum ersten Mal macht.

Aus der eigenen Start-up-Welt auszubrechen hilft, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten

Lea-Sophie Cramer

Amorelie ist längst kein Start-up mehr, sondern ein Unternehmen mit Millionen-Umsatz und rund 100 Mitarbeitern. Welchen Herausforderungen musstet Ihr Euch beim Wachstumsprozess bezüglich der Unternehmenskultur stellen?

Das ist in der Tat eine meiner größten Herausforderungen. Am Anfang kommt die Kultur automatisch und wenn man sich darum bemüht, dann hat man in kleineren Unternehmen auch schnell einen Einfluss auf eine eigenständige Unternehmenskultur.

Mit größerem Wachstum wird es schwieriger. Es müssen Prozesse her und Traditionen gepflegt werden, sodass Kultur erlebbar wird. Wir müssen implizite Werte viel klarer explizit machen, sodass unsere Führungskräfte auch ohne die Gründer/Geschäftsführer die Kultur in unserem Sinne weiterführen und -leben. Ich versuche gerade durch Tools, Benchmarks und Coachings mich einer neuen Arbeitsweise anzunähern.