Junge Elite„Alles steht und fällt mit Führung"

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„Hightech erfordert Hightouch“

Welche anderen Ansprüche haben denn die jungen Generationen an Führung?

Wir möchten so behandelt werden, wie wir auch andere behandeln. Und häufig haben wir das Gefühl, dass das nicht passiert. Ich habe noch nie erlebt, dass bei der jüngeren Generation kein Leistungswille vorhanden ist, wie das oft behauptet wird. Aber viele junge Menschen gehen idealistischer vor, und sind schneller frustriert wenn ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird.

Wie sollen Führungskräfte damit umgehen?

Das ist ein Thema von Feedbacking. Ich sage immer „Hightech erfordert Hightouch“ – also trotz Digitalisierung erleben wir, dass sich Menschen nach sozialem Austausch sehnen. Deshalb sind Feedbackgespräche wie man sie früher kannte, in diesem vorgegebenen Form- und Zeitrahmen nicht mehr zielführend. Da geht zu viel verloren. In vielen Organisationen und Beziehungen haben wir verlernt uns kontinuierlich kritisch-konstruktives Feedback zu geben.

 

 

Wie also können sich Führungskräfte einen modernen Führungsstil aneignen?

Grundsätzlich muss man es irgendwie hinbekommen, wieder in eine Selbstreflexion zu gelangen. Das ist schwierig, denn vieles, was man in der Vergangenheit in der eigenen Wahrnehmung richtig gemacht hat um dorthin zu gelangen, wo man ist, muss man jetzt hinterfragen. Heute dürfen Führungskräfte nicht mehr stilisiert werden als die Allwissenden. Heute steht lebenslanges Lernen im Mittelpunkt – verbunden mit der Führungskraft als Sparringspartner.

Unternehmensführung = Teamsport?

Und warum sollten Führungskräfte überhaupt auf die Wünsche der jungen Arbeitnehmer eingehen?

Die Machtverhältnisse haben sich verschoben. Nicht zuletzt durch die demographische Entwicklung sind junge Arbeitskräfte wertvoller geworden. Außerdem wirkt sich die Technologisierung in Transparenz aus. Früher gab es keine Online-Plattformen, auf denen man Arbeitgeber bewerten konnte, vieles ist hinter verschlossenen Türen geblieben oder maximal in den Freundeskreis der Arbeitnehmer vorgedrungen. Heute ist alles einsehbar. Wie man den potentiellen Arbeitgeber abseits der Stellenanzeige erlebt ist viel wichtiger geworden.

War für dich schon als Jugendlicher klar, dass du in die Fußstapfen deines Vaters treten wirst?

Mein Großvater war ein Patriarch wie er im Buche steht: 24/7 im Dienste der Firma. Meinen Vater hat das geprägt, er wollte es anders machen. Deshalb konnten wir als Kinder zwar immer Fragen zu seiner Arbeit stellen, aber die Firma war nicht das überragende Thema am Küchentisch. Das hat mich aber auch neugierig auf seine Arbeit gemacht. Die Tatsache, dass er immer mit vielen Menschen zu tun hat, hat mich angesprochen. So kam es, dass ich meinen Vater nach dem Abitur bei einigen Auslandsreisen begleitet habe. Da hat sich für mich rausgestellt, dass ich mir das gut vorstellen könnte. In der dritten Generation sind wir zu acht und ich derenige, der im Familienunternehmen operativ tätig ist. Eine meiner Schwestern und einer meiner Cousins begutachten mein Treiben aber aufmerksam aus dem Beirat heraus.

Was hat dich am besten auf deine heutige Verantwortung vorbereitet?

Ich habe von Kindesbeinen an sehr intensiv Handball gespielt – später auch auf professionellem Niveau in Gummersbach. Das war sehr prägend. Ich finde bei den heutigen Diskussionen über gute Führung gibt es eine eins-zu-eins-Analogie zum Teamsport. Wenn man sich Wirkzusammenhänge in Teams anguckt – wer sich wie behauptet, aufstellt, wann man erfolgreich ist, wer welche Rollen ausführt – sind das genau die Erfahrungen, die ich im Handball gesammelt habe. Ich habe in vielen verschiedenen Mannschaften und Teams gespielt, und auch viele Persönlichkeiten und Charaktere kennengelernt. Das hat mich am besten auf das vorbereitet, was ich heute erlebe.