BerufslebenAllergie im Job: Diese Rechte und Pflichten haben Arbeitnehmer

Symbolbild AllergieImago

Bald haben Taschentuchhersteller wieder Hochkonjunktur. Fast ein Viertel der Deutschen leidet unter Heuschnupfen, die meisten Betroffenen kämpfen mit juckenden Augen, Niesattacken und einer laufenden Nase. Das zeigt eine Umfrage der Marktforscher von Yougov. Heuschnupfen kann auch am Arbeitsplatz zur Belastung werden, teilweise sogar massiv. Ist der Arbeitgeber der Ansicht, dass die Allergie einen Mitarbeiter nicht von der Arbeit abhält, muss er das erstmal beweisen. Haben Mitarbeiter eine Bescheinigung vom Arzt, sind sie in der Regel auf der sicheren Seite: Wer mit verquollenen Augen kaum den Bildschirm sieht, kann sich vom Hausarzt die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen. Das können Mitarbeiter aber nicht die ganze Pollensaison lang durchziehen. Wenn es ein Arzneimittel gibt, das gegen die Beschwerden hilft und einen wieder arbeitsfähig macht, sollten Angestellte dieses nutzen.

Bei berufsbedingten Allergien haben es Arbeitnehmer schwerer. Während der Heuschnupfen spätestens im nächsten Winter wieder ein Ende hat, kämpfen viele Menschen das ganze Jahr mit allergischen Reaktionen im Job. Bei Bäckern ist der Auslöser oft Mehlstaub, bei Frisören Färbemittel, bei medizinischem Personal kann Desinfektionsmittel für Probleme sorgen. Je nachdem, wie schwer eine Allergie ist, kommt es sogar vor, dass Arbeitnehmer sich einen anderen Job suchen müssen.

Nehmen allergiebedingte Ausfälle überhand, dürfen Arbeitgeber ihren Angestellten kündigen. Das ist zulässig, wenn Chefs aufgrund der Allergie mit hohen Fehlzeiten rechnen müssen oder wenn Mitarbeiter ihren Job gar nicht mehr ausüben können. Bis es so weit kommt, haben Allergiker aber verschiedene Optionen. Gibt es zum Beispiel einen Betriebsarzt, sollten Angestellte ihn aufsuchen. Er kann die Arbeitsbedingungen beurteilen und dokumentieren. Wer stattdessen zum Hausarzt geht, sollte detailliert beschreiben, wann die Allergie auftritt und wie der Arbeitsplatz gestaltet ist. Der Arzt gibt dann Tipps, wie Angestellte den Kontakt zum Allergieauslöser verhindern können, und meldet den Fall an die gesetzliche Unfallversicherung. Dazu sind Ärzte und Arbeitgeber bei Verdacht auf eine berufsbedingte Allergie verpflichtet. Tun sie es nicht, können Allergiker oder deren Krankenversicherer selbst einen Antrag darauf stellen, dass die Allergie als Berufskrankheit anerkannt wird. Bei einem positiven Ergebnis haben Allergiker Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung. Wie lange und wie viel Geld die Versicherung bezahlt, hängt von der Einschränkung im Berufsleben ab.

Während die Unfallversicherung prüft, können Arbeitnehmer gemeinsam mit ihrem Arzt präventive Schritte einleiten, die die Allergie mildern oder bestenfalls ganz beseitigen können. Je nach Auslöser können zum Beispiel Handschuhe oder ein Mundschutz helfen. Der Arbeitgeber muss für die Kosten aufkommen, wenn die Ursache für die Allergie am Arbeitsplatz zu finden ist.

In Büros ist die Klimaanlage häufig ein Auslöser für allergische Reaktionen. Sie wirbelt Staub und andere Allergene immer wieder auf und kann Atembeschwerden oder Niesanfälle provozieren. Arbeitgeber müssen allergiegeplagten Mitarbeitern in diesem Fall einen Arbeitsplatz ohne Klimaanlage bereitstellen. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm (Az.: 5 SA 1000/97) bestätigt. Im konkreten Fall konnte die Mitarbeiterin einer Klinik über ein Jahr lang nicht arbeiten, da sie eine Allergie gegen Latex und Puderstoffe hat. Eine Untersuchung wies nach, dass sich die Allergene über die Klimaanlage verbreiteten. Die Arzthelferin hätte laut Betriebsarzt also in einem nicht klimatisierten Raum arbeiten können. Solche Räume hätte es in der Klinik gegeben. Den Richtern zufolge hätte die Klinik ihr diese als Arbeitsplatz anbieten müssen.