ManagementWie Interim-Manager ganze Firmen umkrempeln

Seite: 3 von 3

Osmers ist sicher, dass er auf der Höhe der Zeit liegt: „Alle sprechen vom agilen Arbeiten“, sagt er. „Und eigentlich ist Interim-Manager die agilste Arbeitsweise, die es gibt. Ein Problem und eine Problemlösung kommen temporär zusammen.“

In Glinde hieß das Problem: niedrige Produktivität, Lieferrückstände bei den Kunden und Anlagen, die zu oft stillstanden. Das Werk hatte oft den Besitzer gewechselt, auch jetzt wird der US-Eigner Federal Mogul gerade vom Konkurrenten Tenneco übernommen.

Arbeiter in der Produktion in Glinde. Das Werk hat 850 Mitarbeiter
Arbeiter in der Produktion in Glinde. Das Werk hat 850 Mitarbeiter

Die Belegschaft aber blieb die gleiche, und sie hatte sich bei allen Wechseln eine starke Stellung erkämpft. Etwas zu stark, wenn man Osmers Glauben schenkt. „Der Betriebsrat hier setzt den primären Fokus auf Besitzstandswahrung, das ist schon sehr schwer“, sagt er. „Wir haben nach wie vor eine fundamental unterschiedliche Auffassung, was es braucht, um diesen Standort nach vorne zu bringen.“ Noch jetzt stöhnt Osmers über Extrazahlungen für Samstagsarbeit und Waschzeiten, die aus einer Vergangenheit stammen, in der es bei der Arbeit noch richtig dreckig zuging. Aus seiner Sicht alles überflüssig, aber aus Sicht des Betriebsrats Rechte, auf die niemand verzichten will.

Und natürlich bedeutet eine höhere Produktivität größere Stückzahlen pro Mitarbeiter. Das wiederum heißt mehr Arbeitsdruck oder weniger Mitarbeiter. Da sind Konflikte mit den Arbeitnehmervertretern vorgezeichnet.

Der Betriebsratsvorsitzende Michael Petersen ist deshalb auf die Zeit unter Osmers nicht allzu gut zu sprechen. „Ein Interim-Manager ist jemand, der sich kurzfristig verkauft“, sagt Petersen, der seit Jahrzehnten im Job ist. „Der ist an schnellem Erfolg interessiert. Das kann dann schon mal zu Verstimmungen führen.“ Für Petersen ist Osmers Vertreter einer neuen Managergeneration, die nicht gewohnt ist, mit gut organisierten Betriebsräten zusammenzuarbeiten. „Es gibt ja ein Betriebsverfassungsgesetz“, sagt er. „Da glauben aber manche, dass sie klüger sind als das Gesetz.“

Festanstellung abgelehnt

Beim Konzern war man mit Osmers zufrieden. Lieferrückstände abgebaut, Ausfallzeiten der Maschinen gesenkt, Kosten im Werkzeugbau gedrückt. Ob das die Zukunft rettet, weiß heute keiner. Wenn der Betriebsrat eine Veränderung ablehnte, brachte Osmers seine Pläne vor eine Einigungsstelle. Gegen Ende seines Mandats bot man Osmers eine Festanstellung an, doch er lehnte ab.

„Man muss möglichst schnell die Hoffnung auf Lösung sein“, sagt er, „und dann gehen, wenn man Ziele erreicht hat, aber bevor man zu sehr Teil des Systems wird und den geschärften Blick von außen verliert.“

Das nächste Mandat hat Osmers schon in der Tasche. Der Kabelkanalhersteller Pflitsch im rheinischen Hückeswagen brauchte einen Projektleiter für den Aufbau einer Produktion an einem neuen Standort. Es klingt nach einem schönen Auftrag, etwas mit Zukunft und neuen Arbeitsplätzen. Mal sehen, wie lange Osmers es dort aushält.