ManagementWie Interim-Manager ganze Firmen umkrempeln

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Erstes Mandat: Solarworld

Osmers ist promovierter Maschinenbauer, und er hat Erfahrung: zehn Jahre bei BMW. Das Rolls-Royce-Werk in Goodwood mit aufgebaut. Danach Fenster und Türen bei Weru. Und schließlich fünf Jahre beim Kugelschreiberhersteller Senator. Osmers war keiner, der ein Leben lang bei ein und demselben Unternehmen verbringen wollte, das war nicht sein Ding. Irgendwann wurde aus dieser Einstellung ein Geschäftsmodell: Interim-Manager. Sein erstes Mandat war gleich ein schwerer Brocken: ein Werk des Solarmodulherstellers Solarworld, der dabei war, in die Insolvenz zu rutschen.

Doch was motiviert einen, wenn man nirgendwo Wurzeln schlägt? Und wenn viele einem erst einmal misstrauen? „Mit jedem Mandat lerne ich hinzu und werde schlauer“, sagt Osmers. „In welchem Job gibt es das mit Anfang 50?“ Hinzu kommt, dass zwischen den einzelnen Jobs auch noch eine Menge freie Zeit rausspringen kann, wenn man es geschickt anstellt. Osmers hat sich genau überlegt, wie viele Tage im Jahr er arbeiten will. 150, höchstens 180 sollen es sein. Für einen Festangestellten wären es deutlich mehr.

Der Rest bleibt dann für den Pferdehof seiner Freundin im Bergischen Land. Und für andere Pläne. „Einen Oldtimer restaurieren oder vielleicht doch noch mal die Quali für den Ironman Hawaii zu schaffen – das wäre was“, sagt Osmers. Im Grunde ist er eine High-End-Version der Generation Y, der er ja eigentlich gar nicht angehört: möglichst große Flexibilität im Job und eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Langfristige Verantwortung für einen Betrieb würde da nur stören.

Natürlich muss für ein solches Arbeitsmodell auch das Geld stimmen. Bezahlt wird im Interim-Management nach Tagessätzen, zwischen 1500 und 2500 Euro am Tag in der ersten und zweiten Führungsebene. In der Regel schließt der Manager einen Vertrag mit einem sogenannten Provider, der die Vermittlung zum Kunden übernimmt.

Im Fall vom Bremsbelag-Werk in Glinde ist das die Beratung Treuenfels, die mit 300 Interim-Managern zusammenarbeitet. Rechtliche und vertragliche Risiken liegen beim Provider. Ein Modell ähnlich wie bei einer Zeitarbeitsfirma – nur auf hohem professionellem Niveau. Vom Gefühl der Jobsicherheit allerdings muss sich der Manager verabschieden. In den ersten Wochen eines Auftrags kann der Kunde ihm täglich kündigen. Katharina Uffmann, Professorin für Unternehmensrecht an der Ruhr-Universität Bochum, glaubt, dass diese Form der Beschäftigung von Führungskräften noch deutlich zunehmen wird. „Es gibt in den Unternehmen einen Trend zur Projektorganisation, der das befördert“, sagt Uffmann, die sich ausführlich mit den Bedingungen des Interim-Managements beschäftigt hat. „Das hat auch damit zu tun, dass die Produktzyklen immer kürzer werden.“

Allerdings müsse sich der Kunde genau überlegen, ob ein Interim-Manager im Einzelfall wirklich die beste Lösung sei. „Man sollte am Anfang klar definieren, wo der Bedarf liegt“, sagt Uffmann. „Dann kann das Unternehmen entscheiden, ob es das Know-how längerfristig braucht oder nur für eine spezifische Situation.“