Kolumne5 Dinge, die unser Gehirn fit halten

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#4 Neues ausprobieren und Routinen durchbrechen

Unser Gehirn versucht fortlaufend aus Energiespargründen den altbewährten Sicherheitsmodus mit immer wiederkehrenden Abläufen aufrechtzuerhalten. Doch Wachstum und neue neuronale Verknüpfungen entstehen nur durch das Verlassen alter Pfade.

Probieren wir etwas Neues, so muss unser Kopf Höchstleistung erbringen. Neue Erfahrungen, die Wahl neuer Wege, Lösungen, Herangehensweisen können wir uns als Kampf durch den Dschungel vorstellen. Im Urwald gibt es tiefstes Dickicht, schwere Äste, überwucherte Bäume, Zweige, durchkreuzt von zahlreichen Lianen, stark verzweigte Wurzeln auf dem unebenen und sumpfigen Boden. Wollen wir hier forschen Schrittes durchkommen (etwas Neues wagen), müssen wir uns zunächst mühsam mit Machete, Buschmesser, beiden Händen und unter körperlicher Höchstanstrengung einen neuen Weg bahnen. Mit dieser Anstrengung kämpft unser Kopf, wenn wir das erste Mal (vielleicht sogar mit Angst oder Abneigung gegen den neuen Weg, was ganz „normal“ wäre, weil neue Wege mitunter auch beängstigend sein können) etwas Neues ausprobieren.

Das bisherige Schema F können wir uns im Gegensatz dazu wie die freie Fahrt auf der Autobahn vorstellen, wir müssen keine Schneisen mehr schlagen, sondern gleiten oder rasen ohne Hindernisse ans Ziel. Und ganz egal, was wir neu ausprobieren, ob ein Remote-Meeting, komplett neue Arbeitsabläufe oder Messenger-Programme, alles fühlt sich zunächst ungewohnt an, da es dafür noch kein neuronales Netz (so was wie ein Trampelpfad im Dschungel) in unserem Gehirn gibt, das muss erst angelegt werden und dann mit jeder Wiederholung gestärkt und geebnet werden. Und je nach Tätigkeit, Gewohnheit, Lösung, Weg dauert es eben auch unterschiedlich lange, bis sich eine neue Routine so vertraut anfühlt wie die erprobte.

Für mehr geistige Flexibilität probieren Sie neue Wege zu altbekannten Zielen, Tätigkeiten mit der anderen Hand auszuführen oder bewusst eine neue Sportart, Sprache oder Hobby zu erlernen.

#5 Monofokus

Multitaskting ist Gift fürs Gehirn. Im Übrigen ist es eine Mär, dass unser Gehirn (gern auch dem weiblichen Geschlecht auf die Fahnen geschrieben) Multitasking liebe und dafür angelegt sei. Im Gegenteil: Unser Kopf liebt Monotasking und den Fokus auf eine Sache.Der ein oder andere gerät vielleicht beim „Poly-Fokus“ (schon wortwörtlich ein Widerspruch) in einen geschäftigen Adrenalinrausch, die faktische Leistungsfähigkeit geht jedoch steil bergab.

Das Fatale dabei: Unser Gehirn wird mit einer Ladung Dopamin bei jeder Ablenkung (E-Mail, Anruf, Social-Media-Benachrichtigungen) auch noch belohnt. Zielführend sind die Einrichtung störungsfreier „deep work“-Phasen oder Zeitmanagementtools wie die „Pomodoro Technik“. Vorab sollten wir uns jedoch im stillen Kämmerlein fragen, warum und in welchen Situationen wir uns ablenken lassen. Bei Langeweile, Hunger, Müdigkeit, Überforderung – und für gute Ausgangsbedingungen sorgen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!


Lena Wittneben schreibt hier regelmäßig für Capital.de. Sie ist systemischer Coach, Gedächtnistrainerin und Speaker – mehr unter lena-wittneben.de Der wöchentliche Interview Podcast „There is a crack in everything…“ ist gratis auf ItunesSpotify oder ihrer Webseite abrufbar