Beruf4 große Freiheiten der Selbstständigkeit

Symbolbild Selbstständigkeit
Symbolbild Selbstständigkeit Getty Images

Selbstständig machen ist ein wenig wie das Ausziehen aus dem Elternhaus. Man fühlt sich etwas nackt und verletzlich. Die eben in der Festanstellung noch so simple Arbeitswelt wird schlagartig vom geharkten Vorgarten zum Dschungel aus Steuergesetzen, Eigenvorsorge und Akquise. Auf den ersten Systemschock folgt aber hoffentlich die Erkenntnis: Sturmfreie Bude! Etwas erwachsener ausgedrückt: Karriere und Arbeitsalltag liegen endlich in der eigenen Hand.

Selbstständigkeit erfordert in allen Bereichen des Lebens immer das bisschen Mehr an Einsatz und Risikobereitschaft. Der Gewinn aber ist unbezahlbar. Dies sind vier der größten Freiheiten der Selbstständigkeit.

#1 Klare Verhältnisse

Es ist doch so: Allzu oft und allzu leicht suchen wir die Schuld bei Anderen. Die Chefin ist unfair, der Kollege unkollegial, der Kunde schwierig. Das kann ja alles durchaus sein. Wer aber nie zuerst die Schuld bei sich selbst sucht oder sich fragt „Was kann ich tun?“ wird vermutlich nie besonders weit kommen. Das Arbeitsleben gerät dann schnell zu einer Blase. Selbstständige können sich diesen Opferrollen-Luxus nicht erlauben. Das ist anfangs hart, gerät jedoch schnell zum unschätzbaren Vorteil. Jeder Rückschlag, aber eben auch jeder Erfolg gehen zu 100 Prozent auf das eigene Konto. Die Lernkurve ist dank der Abwesenheit von Sündenböcken ungleich einfacher.

#2 Maßgeschneiderte Arbeitswelt

Es hängt zwar stark vom Beruf und den finanziellen Begebenheiten ab. Aber grundsätzlich bestimmen Selbstständige selbst, wie viel sie arbeiten möchte. Während Festangestellte bei Teilzeit, Sabbatical oder Homeoffice von der Gnade der Vorgesetzten abhängig sind, stellen ihre freien Kollegen eigene Regeln auf. Wer frühmorgens nur schwer in die Gänge kommt, verschiebt den Arbeitstag einfach nach hinten. Der Arzt hat nur nachmittags einen Termin? Wird halt am Wochenende nachgearbeitet.

#3 Sinnvolle Arbeit

Sogar Stress bekommt in der Selbstständigkeit eine andere Konnotation. Plötzlich weiß man, wofür man ackert: Renommee, mehr Geld oder gern auch viel mehr Urlaub wie damals in der Festanstellung. Das hilft ungemein bei der Motivation und dem Engagement für die eigene Karriere. Selbstständigkeit sorgt in der Arbeitswelt für eine Art „instant gratification“, die unmittelbare Befriedigung. Hier wird nicht auf ein fremdgesteuertes Karriereziel hingearbeitet (Beförderung, Lohnerhöhung). Ursache und Wirkung sind eindeutig. Das erfüllt die Arbeit gerade für Schreibtischtäter mit neuem Sinn.

#4 Persönliches Wachstum

Der Vergleich mit dem Ausziehen aus dem Elternhaus mag hinken. Aber es ist schon etwas dran. Denn jeder Selbstständige wird an dieser Erfahrung wachsen – und ist davon vermutlich rückblickend selbst erstaunt. Wenn man keine Verantwortung abgeben kann und muss, hinterlässt das auch jenseits der Arbeitszeit Spuren. Manche Menschen merken vielleicht, dass diese Art des Arbeitens nichts für sie ist. Sie sind aber trotzdem um viele wertvolle Erfahrungen reicher. Andere Menschen erkennen: Hotel Papa? Nie wieder.