Lagebericht-PodcastWie der deutsche Immobilienmarkt international abschneidet

Wohnungsknappheit und hohe Immobilienpreise am Immobilienmarkt werden wahrscheinlich auch die Bundestagswahlen prägen
Wohnungsknappheit und hohe Immobilienpreise werden wahrscheinlich auch die Bundestagswahlen prägenIMAGO / Sven Simon

Gold, Silber, Immobilien – in Krisenzeiten setzen Menschen auf Sachwerte. Auch im Corona-Jahr 2020 war die Nachfrage an Wohneigentum deshalb ungebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Immobilienpreise um etwa 8,5 Prozent, zeigen Untersuchungen von vdpResearch. Die Folge: In Metropolen haben sich die Preise für Wohneigentum seit 2011 mindestens verdoppelt. In vielen Großstädten legten sie ebenfalls deutlich zu. Und längst macht sich der Preisanstieg auch im Umland bemerkbar, weil gerade Familien sich die teils horrenden Preise in der Stadt nicht leisten können.

Doch sind Immobilien in Deutschland wirklich so teuer? Und warum besitzen verglichen mit anderen Ländern nur so wenig Deutsche eine eigene Wohnung oder ein Haus. Katarina Ivankovic und Peter Hettenbach, die Geschäftsführer des iib Instituts, gehen diesen Fragen in der zwölften „Lageberichts“-Folge nach.

Paris, London und Oslo sind zwei- bis dreimal so teuer wie München

Eine erste Annäherung versucht Hettenbach über den Property Index von Deloitte. Er untersucht den europäischen Wohnungsmarkt und setzt die Immobilienpreise mit den durchschnittlichen Jahresgehältern ins Verhältnis. „Deutschland liegt hier im letzten Drittel und ist noch am günstigsten, wenn man die Jahresgehälter sieht“, fasst Hettenbach das Ergebnis des Index zusammen. Spitzenreiter seien dagegen Tschechien, Großbritannien und Kroatien auf Platz vier. In Kroatien lebten viele Menschen auf dem Land und hätten dadurch eher eigene Immobilien, sagt Invankovic.

Immobilienpreise zu Jahresgehältern ins Verhältnis zu setzen, sei deshalb kein gutes Maß, bilanziert Hettenbach. „Auch wenn ich andere Größen nehme wie Miete pro Quadratmeter, bin ich in München zwar in der oberen Hälfte“, sagt er. „Wenn ich mir aber Städte wie Paris, Oslo oder London anschaue, zahle ich da das Zwei- bis Dreifache im Vergleich zu den deutschen Verhältnissen.“ Auch daraus gehe aber nicht hervor, ob die Immobilienpreise für die Menschen, die dort leben und arbeiten, teuer sind oder nicht, sagt Invakovic.

90 Prozent Eigentümerrate in Singapur

Die iib-Geschäftsführer wenden sich deshalb der Wohneigentumsquote zu, die in Deutschland bei 42 Prozent liegt. International liegt die Eigentumsrate bei 55 Prozent. Singapur sticht aus dieser Statistik heraus: Bei rund 90 Prozent aller bewohnten Immobilien im Stadtstaat handelt es sich um Wohneigentum, die dazugehörigen Grundstücke gehören allerdings meist dem Staat. Aktuell seien mehr als 70 Prozent des Landes in Staatsbesitz. „Das passt für mich nicht zusammen“, sagt Hettenbach.

Möglich macht das der Central Provident Fund (CPF), ein staatlicher Sozialversicherungssparplan. Rund 20 Prozent des Gehalts fließen in den CPF, ein Teil davon geht auf ein Vorsorgekonto. Von diesem Geld können Singapurer später Wohneigentum erwerben.

Gleichzeitig wird ein Teil der Abgaben für den staatlichen Wohnungsbau und für den Kauf von Wohneigentum genutzt. Eine eigene Behörde, das Housing Development Board (HBD), bietet diese Wohnungen dann günstig zum Kauf an. „Über das HDB bekommt man eine Dreizimmerwohnung für 200.000 Euro“, sagt Ivankovic. „Das ist für uns kaum denkbar.“ Nach 99 Jahren gingen die Wohnungen dann „zu einem deutlich niedrigeren Preis“ wieder zurück an den Staat. Damit gelte Singapur zwar als eine der teuersten Städte weltweit, für die Immobilienpreise treffe das aber nicht zu, bilanziert Ivankovic. „Vielleicht machen die Politiker mal eine Reise dorthin, das würde ja vielleicht helfen“, meint Hettenbach.

Hören Sie außerdem in der zwölften Folge des „Lageberichts“,

  • was Deutschlands Immobilienmarkt von Singapur lernen kann,
  • wie die Eigentumsquote in Deutschland steigen könnte.

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio NowApple oder Spotify oder via Google.