ErbschaftWas auf Erben von Ferienhäusern im Ausland zukommt

Davon träumen viele: Ferienhäuser auf Mallorca
Davon träumen viele: Ferienhäuser auf MallorcaPhoto by Thomas MARCHAND on Unsplash

Für Christina Hoffmann war es so etwas wie eine kleine Trutzburg. Hinter den dicken Natursteinmauern und kleinen Fenstern traf sich die ganze Familie alle paar Jahre, und dann musste vieles draußen bleiben: die Hitze im Sommer, die Stürme im Winter, der ganze Stress, den sie aus Deutschland mitbrachten sowieso. „Wir haben oft auf Mallorca Urlaub gemacht, seit mein Vater mit seiner Lebensgefährtin vor zwölf Jahren dorthinzog“, sagt Hoffmann, „und ich habe es jedes Mal genossen.“ Jetzt nimmt die Familie Abschied. Der Vater ist vergangenes Jahr verstorben, und das kleine Haus, das oft aus allen Nähten platzte, kann Hoffmann allein nicht mehr halten.

Nicht etwa, weil es ein Luxusanwesen wäre – es ist ein altes Häuschen draußen im Nirgendwo. Der Garten ist staubig, es gibt keinen eigenen Brunnen, und den Strom produziert ein Windrad, das dummerweise öfter den Geist aufgibt. Deshalb will die Lebensgefährtin des Vaters nun in die Stadt ziehen.

Für Christina Hoffmann und ihren Bruder stand damit die Frage im Raum: Übernehmen wir ihre Hälfte vom Haus und behalten es? Es könnte ja weiter ihr Anlaufpunkt für die Ferien sein und ein guter Stützpunkt, um die Freundin des Vaters zu besuchen. Die 50-jährige Tochter aus Freiburg, die selbst zwei Kinder hat, hätte es gern getan. Aber es war nur ein kurzes Gedankenspiel: Weil in Mallorca die Immobilienpreise kräftig gestiegen sind (und so auch der Wert des Häuschens) und der Vater kein Testament hinterlassen hat, haben das spanische Erbrecht und die Steuerbehörden ihr die Entscheidung quasi abgenommen.

Rund eine halbe Million Deutsche besitzen ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung im Ausland. Doch was viele Eigentümer – und gerade ihre Nachfahren – oft nicht wissen: Soll ein Haus im Ausland später einmal auf Partner und Kinder übergehen, dann sind häufig nicht nur hohe Erbschaftsteuern fällig, sondern es gilt auch längst nicht in jedem Fall deutsches Erbrecht bei der Übertragung. Viele schöne Kindheitserinnerungen gehen dann schnell in einem Wust an Bürokratie unter.

Erst kommt das Finanzamt

Generell gilt: Die Besteuerung hängt in den EU-Ländern zunächst davon ab, ob die Immobilie selbst genutzt wurde. Wird ein Wohnhaus im Ausland an Partner oder Kinder vererbt, die es weiterhin selbst bewohnen wollen, müssen sie auf den Wert des Hauses keine Erbschaftsteuer zahlen. Kinder und Enkel werden auch verschont, wenn das Eigenheim nicht größer als 200 Quadratmeter ist. Sie dürfen das Haus dann aber in den folgenden zehn Jahren nicht verkaufen.

Bei der Übertragung von Ferienhäusern und Zweitwohnsitzen dagegen greifen Finanzämter gern einen Teil ab. In Spanien etwa beträgt der Freibetrag lächerliche 16.000 Euro, in Griechenland fällt er mit 150.000 Euro pro Person auch nicht üppig aus – allerdings ist dort die Steuer vergleichsweise gering: Bei einem Immobilienwert von 600.000 Euro werden nur 16.500 Euro fällig. In der Schweiz gilt sogar: Bei einer Übertragung wird die Wertsteigerung des Grundstücks seit dem letzten Eigentümerübergang berechnet. Diese Wertgewinnsteuer wird zwar zunächst gestundet, verkauft der Erbe aber später doch das Haus mit Grundstück, ist die Steuer fällig. Die Doppelbesteuerungsabkommen, die Deutschland mit Dänemark, Frankreich, Griechenland, der Schweiz und den USA unterhält, verhindern zwar, dass deutsche Erben zweimal besteuert werden – doch die Steuer ist eben nur ein Teil.

Weiterlesen auf Seite 2