Lagebericht-PodcastWarum das Haus aus dem 3D-Drucker auf sich warten lässt

In Shanghai entstanden die ersten Prototypen für Häuser aus dem 3D-Drucker schon im Sommer 2014
In Schanghai entstanden die ersten Prototypen für Häuser aus dem 3D-Drucker schon im Sommer 2014IMAGO / China Foto Press

Häuser aus dem 3D-Drucker sind in Deutschland bislang noch Zukunftsmusik. Zwar gibt es einige Prototypen im bayrischen Wallenhausen und in Beckum in Nordrhein-Westfalen, schon jetzt hoffen Branchenexperten allerdings darauf mittels 3D-Druck den Immobilienmarkt zu entlasten und das Angebot an Wohnraum zu vergrößern.

In der 13. Folge des Immobilienpodcasts „Lageberichts“ schauen sich Katarina Ivankovic und Peter Hettenbach, Geschäftsführer des iib Instituts, deshalb die Möglichkeiten und Herausforderungen an, die Immobilien aus dem 3D-Drucker für den Wohnungsmarkt bieten. Wenn 3D-Druck sich durchsetzen soll, geht es darum wie die Technologie im Hinblick auf Zeit und die dafür nötigen Kosten abschneidet, meinen die beiden Immobilienexperten.

Als einer der größten Vorzüge der Bautechnik gilt ihre Schnelligkeit. Schon 2014 machte Schanghai Schlagzeilen damit, dass mittels 3D-Drucker zehn Häuser an einem Tag entstanden. Das gelte aber nur für den Rohbau, räumt Hettenbach ein. Die Installationen und die Fertigstellung des Hauses laufe dagegen oft noch manuell ab. „So entsteht natürlich eine gewisse Asymmetrie“, sagt er. „Du baust das Haus an einem Tag als Rohau und dann baust du es ein Jahr lang innen aus.“ Auch das Fundament und das Dach würden oft manuell gebaut, sagt Ivankovic.

Zurückhaltung in Deutschland ist groß

Bislang sei man gerade in Deutschland angesichts der Technologie für den Hausbau eher reserviert, sagt sie. Auch wenn der Hausbau mit dem 3D-Drucker günstiger wäre, bliebe das Risiko durch ein neues Verfahren ein entscheidender Grund für die Zurückhaltung. „Da hat die Industrie und die Innovation noch einiges an PR-Arbeit zu tun“, sagt Ivankovic. Viele Handwerksbetriebe seien zudem eher klein und die Branche insgesamt dezentral organisiert. Hier fehlten oft neue digitale Technologien. „Meinen örtlichen Maurer kann ich mir mit einem 200.000-Euro-Equipment nicht ganz vorstellen.“

Die Prognose für den großflächigen Einsatz von 3D-Druckern beim Hausbau fällt daher eher ernüchternd aus. „Im Regelfall dauert es vom Prototyp bis Marktreife mindestens zehn Jahre“, sagt Hettenbach. Wenn in Europa jetzt die ersten Prototypen fertig würden, könnten Rohbauten also in etwa einem Jahrzehnt aus dem 3D-Drucker kommen. Beim Ausbau und bei der Sanierung von bestehenden Immobilien könne es noch 15 bis 20 Jahre dauern.

Hören Sie außerdem in der 13. Folge des „Lageberichts“,

  • nach welchem Verfahren man bislang mit 3D-Druck baut,
  • wie der Hausbau per 3D-Druck im Hinblick auf Kosten und Nachhaltigkeit abschneidet,
  • warum 3D-Druck mittelfristig weder den Wohnungsmangel und noch den Mietpreisboom lösen kann.