InterviewVonovia-CEO Rolf Buch: „Wir nehmen unsere Mieter nicht aus“

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Trotzdem beschweren sich Vonovia-Mieter über Luxussanierungen und dramatisch steigende Mieten.

Bei uns gibt es keine Luxussanierungen. Weshalb wir die Umlage, die wir nach einer Sanierung auf die Miete aufschlagen dürfen, für unsere Mieter bei 2 Euro pro Quadratmeter begrenzt haben, im Durchschnitt liegen wir bei 1,50 Euro.

Trotzdem viel, bei 60 Quadratmetern sind das 120 Euro im Monat.

Dafür haben wir ein gutes Härtefallmanagement. Übrigens, nach dem Gesetz wären auch 3 Euro erlaubt. Wir kalkulieren jetzt die Sanierungen so, dass 2 Euro reichen. Bedeutet aber, dass teurere Sanierungen ausfallen. Wir schieben im Grunde genommen den Klimaschutz auf, der für uns alle wichtig ist, um Mietern nicht zu viel zuzumuten. Ich finde das auch richtig, aber irgendwann müssen wir uns mal entscheiden, was wir wollen.

Dafür profitieren Ihre Investoren auch von Ihrem kräftigen Umsatz- und Gewinnwachstum. Denn deren Dividende finanzieren Sie ja auch durch Mieterhöhungen.

Ich wehre mich gegen den Eindruck, dass wir unsere Mieter ausnehmen. Unsere Gewinne in Deutschland investieren wir komplett in die Sanierung des Bestands und den Neubau – komplett! Jetzt könnten wir unsere Dividenden, die aus den Verkaufserlösen kommen, kürzen, aber dann müssten wir mehr investieren. Nur ganz ehrlich: Wir bekommen das Geld doch gar nicht ausgegeben, wir könnten gar nicht mehr bauen oder sanieren. Das müssen wir Kevin Kühnert und allen anderen offenbar noch besser erklären.
Infografik: Die größten Vermieter an der Börse | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Wir diskutieren über Wohnungsnot, und Sie können nicht ein paar Millionen mehr investieren?

Ja, auch unsere Investoren in den USA oder Asien verstehen das nicht. Aber wir in Deutschland haben verlernt zu bauen. Es fehlen die Leute dafür – in der Verwaltung, in den Unternehmen und in der Bevölkerung. Wir könnten auf unseren Grundstücken 36.000 zusätzliche Wohnungen bauen. Aber wir bekommen keine Baugenehmigungen, die Behörden kommen nicht hinterher.

Das ist die bekannte Klage über die überforderte Verwaltung.

Nicht nur. Die Zahl der Vorschriften hat sich vervierfacht, von 5000 auf 20.000. Die gibt es nur auf Deutsch, da helfen uns keine spanischen Ingenieure und Architekten. Mehr Regeln und weniger Leute führen zu Stau bei den Genehmigungen. Und dann gibt es den Widerstand von Anwohnern, weil niemand möchte, dass in seiner Nachbarschaft gebaut wird. Die Leute wollen keinen Lärm und keinen Dreck – und Bauen macht nun mal Lärm und Dreck. Ich kann das verstehen, aber das ist wirklich frustrierend.