ImmobilienVerlassene Häuser: großes Bauwerk und nichts dahinter

Verlassenes Haus in Sachsen
Verlassenes Haus in Sachsendpa

Es sieht aus wie in einer Geisterstadt: Das verlassene Fabrikgelände in Oelsnitz im sächsischen Vogtland  gehörte früher einmal zur größten Teppichweberei Europas. Heute fällt der Blick nur noch auf leerstehende Hallen, die immer weiter verfallen. In Oelsnitz hatte niemand mehr Verwendung für die Gebäude, als die Fabrik zumachte.

Der Niedergang ganzer Wirtschaftszweige und die damit einhergehende Landflucht ist heute eine der Hauptursachen, warum Gebäude leer stehen. Gerade junge Leute ziehen häufig weg aus der Provinz und rein in die Städte. Dort steigen die Grundstückspreise immer weiter: in Dresden allein in den vergangenen zwei Jahren um bis zu 50 Prozent. In Ostdeutschland ist das Stadt-Land-Gefälle besonders ausgeprägt: Bernd Düsterdiek vom deutschen Städte- und Gemeindebund DStG schätzt die Zahl der leer stehenden Häuser allein in Sachsen auf mehr als 700. „Aber auch in Westdeutschland sind teure Grundpreise und verlassene Häuser ein bekanntes Problem“, sagt Düsterdiek.

Manche dieser Häuser sind sogar „herrenlos“ – sie gehören also niemandem. Denn wenn der alte Eigentümer beim Grundbuchamt seinen Verzicht erklärt hat, wird er aus dem Grundbuch gestrichen. Der Staat hat dann das Vorrecht, sich das Haus anzueignen. Verzichtet er darauf, ist es herrenlos. Jeder kann ein solches Haus erwerben, wenn er den einen oder anderen Behördengang nicht scheut: „Hier lohnt es sich erst einmal zu klären, wer zuständig ist“, sagt Helena Klinger, Referentin Recht beim Eigentümerverband Haus und Grund Deutschland. Denn in den verschiedenen Bundesländern haben jeweils unterschiedliche Behörden die Verantwortung für die Verwaltung solcher Grundstücke.

Verlassene Häuser bringen Probleme mit sich

Für Kommunen stellen herrenlose Häuser häufig ein Problem dar: Sie verschandeln das Stadtbild, stören die Bewohner und kosten Geld. Denn die Stadt muss dafür sorgen, dass Passanten nicht von einstürzenden Wänden und herabfallenden Ziegelsteinen gefährdet werden. Häufig ist es für die öffentliche Hand entsprechend günstiger, ein solches Haus abzureißen – es sei denn, ein Interessent kann sich für das Objekt erwärmen. Schließlich klingt es erst einmal verlockend, ein Haus samt Baugrundstück für Null Cent zu bekommen. In der Praxis passiert das aber nur sehr selten, denn solche Häuser bringen meist viele Probleme mit sich.

Im Vorfeld eines Erwerbs gibt es so oder so Einiges zu tun: Erst einmal muss der Kaufwillige abklären, ob es tatsächlich keinen eingetragenen Eigentümer mehr gibt und ob nicht doch jemand das Haus nutzt. Hat das Haus tatsächlich keinen Eigentümer, kann man als Privatperson zum Grundbuchamt gehen und sich als Eigentümer eintragen lassen. Dabei sollte man aber beachten, dass Hypotheken oder Grundschulden auf dem Haus lasten können – was in der Praxis sehr oft vorkommt. „Sonst hätte der Staat sich das Haus ja angeeignet“, sagt Städtebund-Experte Düsterdiek. „Ein Grundstück hat eigentlich immer einen Wert.“

Viele Fallstricke

Ein weiteres Problem ist der Zustand der Häuser. Bei vielen ist eine Sanierung nötig, manchmal muss auch das ganze Haus abgerissen werden. Wenn ein herrenloses Haus allerdings unter Denkmalschutz steht, ist ein Abriss unmöglich. Auch bedrohte Tierarten können den Abriss verhindern: zum Beispiel wenn Fledermäuse im Dachgebälk nisten. In solchen Fällen bleibt nur die Sanierung, und die Kosten dafür sind häufig kaum kalkulierbar.

Zudem lauern andere Fallstricke: So kann der Boden des Grundstücks mit giftigen Chemikalien oder sonstigen Rückständen verunreinigt, das Haus deshalb unbewohnbar sein. Dann zahlt der neue Eigentümer zwar nichts für den Erwerb des Eigentums, aber umso mehr für Gutachter und vor allem die teure Beseitigung der Schadstoffe. Wer sich für ein herrenloses Haus interessiert, sollte also vor dem Erwerb genau hinschauen, damit das vermeintliche Schnäppchen sich nicht im Nachhinein als teure Fehlinvestition entpuppt.