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Immobilien Junge Menschen auf Wohnungssuche: Lieber ohne Makler

Häuser im Dresdner Stadtteil Löbtau im Stadtbezirk Cotta
Häuser im Dresdner Stadtteil Löbtau im Stadtbezirk Cotta
© IMAGO / C3 Pictures
Das Vertrauen in Makler ist bei jungen Menschen gering. Trotz angespanntem Immobilienmarkt suchen sich 18- bis 31-Jährige deshalb lieber selbst eine Wohnung, wie eine exklusive Umfrage zeigt. Der Maklerverband spricht von „populären Makler-Mythen“

Im Zweifel lieber ohne Makler: Bei vielen jungen Menschen hat das Image der Wohnungsvermittler derart gelitten, dass sie lieber auf eigene Faust eine Immobilie suchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Respondi im Auftrag des Regionalportal-Anbieters Meinestadt.de, die Capital exklusiv vorliegt.

Demnach haben 55 Prozent und damit die Mehrheit der 18- bis 31-Jährigen nur ein sehr oder eher geringes Vertrauen in die Dienste von Maklerinnen und Maklern. Rund acht Prozent würden deshalb „auf keinen Fall“ einen Makler hinzuziehen, um eine Wohnung zu finden; 42 Prozent geben an, das eher nicht tun zu wollen.

Bei ihrer Begründung gehen einige Befragte hart mit dem Berufsstand der Makler ins Gericht: „Das sind Halsabschneider“, schreibt einer der Umfrage-Teilnehmer. „Aus Erfahrung gibt es nur selten qualifizierte Makler, die den Preis, den sie für ihre Arbeit erhalten, verdienen“, kommentiert ein anderer. Bei vielen sind es vor allem die Kosten, die sie sich sparen wollen und weshalb sie auf Makler verzichten.

Nicht-Akademiker besonders skeptisch

Was auffällt: Nicht-Akademikerinnen und -Akademiker sind besonders skeptisch gegenüber Maklerinnen und Maklern. Fast 54 Prozent der Befragten ohne Hochschulausbildung fremdeln mit dem Berufsstand und ihren Diensten. Unter Akademikerinnen und Akademiker tun das nur knapp 46 Prozent. Und während knapp zwölf Prozent der Nicht-Akademiker kategroisch ausschließen, einen Makler zu beauftragen, tun das bei den Akademikern nur fünf Prozent.

Eine Rolle bei der Bewertung von Maklerdiensten spielt auch der Wohnort. Junge Stadtbewohner sehen Makler laut der Umfrage weniger kritisch als die Landbevölkerung. Städterinnen und Städter sind auf den derzeit angespannten Immobilienmärkten mitunter häufiger auf Vermittler angewiesen, damit sie überhaupt eine Wohnung finden. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern lehnen nur 46 Prozent der Befragten Maklerdienste ab. In kleinen Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern dagegen überwiegt bei einer Mehrheit von 57 Prozent die Skepsis.

Maklerverband widerspricht

Immerhin: 44 Prozent aller Befragten würden eher eine Maklerin oder einen Makler beauftragen, sechs Prozent sogar in jedem Fall. Sie begründen das mit der Expertise der Fachleute, die sich „mit dem aktuellen Wohnmarkt auskennen“ und einen „besseren Überblick über den Markt“ hätten.

Den Maklerverband IVD stimmen diese Zahlen positiv, er sieht die Befragungsergebnisse gelassen. Dass knapp die Hälfte der jungen Menschen Maklerdienste in Anspruch nehmen würde, decke sich mit den eigenen Erhebungen und zeige, dass das Image von Maklern so schlecht nicht sein könne. Rund jede zweite Transaktion von Wohnimmobilien werde über Makler abgewickelt, sagt der stellvetretende IVD-Bundesgeschäftsführer Christian Osthus.

Die Kritik an Maklern kann Osthus zwar teilweise nachvollziehen, doch der gesamten Branche werde das nicht gerecht. „Natürlich gibt es immer wieder Makler, die schlechte Leistung abliefern, was sich deutlich schneller und weiter verbreitet als die Erfahrung zufriedener Kunden.“ Die Einschätzung der Maklerleistung basiere deshalb „weniger auf persönlicher Empirie als auf populären Makler-Mythen“.

Von einigen Kaufinteressierten werde etwa verkannt, dass Makler durchaus eine preisregulierende Rolle hätten. Private Verkäufer hätten häufig überzogene Preisvorstellungen, so Osthus. „Makler sind bei ihren Bewertungen treffsicherer, was insbesondere aktuell von hohem Wert ist, da sich der Markt aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus gerade ändert.“

Für die Umfrage hat Respondi 3000 Menschen im Alter zwischen 18 und 31 Jahren in Deutschland befragt.

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