ImmobilienSo verändert Corona den Immobilienkauf

Eine Wohnungsbesichtigung ist in Corona-Zeiten keine einfache Sache, aber es gibt digitale Möglichkeitenimago images / Westend61

Die Corona-Pandemie hat den Immobilienmarkt mit voller Wucht getroffen. Viele Kaufinteressenten stellen derzeit ihren Traum vom Eigenheim zurück, weil sie um ihren Job bangen oder mit Lohneinbußen rechnen. Selbst wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, fragt sich, wie er in Zeiten sozialer Distanzierung überhaupt noch ein passendes Objekt finden soll. Umzüge sind nur mit Auflagen erlaubt, Massenbesichtigungen finden nicht mehr statt.

Einige Makler und Verkäufer bieten zwar Einzeltermine an. Dabei bleiben jedoch Fragen offen: Wie schafft man es, den empfohlenen Abstand von mindestens 1,50 Metern einzuhalten, wenn das Dachgeschoss nur über eine enge Wendeltreppe erreichbar ist? Wie unterzeichnet man den Vertrag, ohne sich zu nahe zu kommen? Viele Interessenten scheuen das Risiko einer Vor-Ort-Besichtigung, auch Verkäufern dürfte bei dem Gedanken daran nicht ganz wohl sein.

Virtuelle Rundgänge

Abhilfe versprechen virtuelle 360-Grad-Rundgänge und Online-Besichtigungen. Proptech-Unternehmen wie Archilogic, Immoviewer oder Feel Estate verwandeln einfache 2D-Grundrisse in interaktive 3D-Modelle – Möblierung inklusive. Interessenten können per Mausklick durch die Immobilie navigieren, ohne auch nur einen Fuß hineinzusetzen. Fällt der erste Eindruck am Computer positiv aus, verabreden sie sich mit dem Makler oder Verkäufer zum Videochat. Dieser geht dann mit dem Smartphone durch die Räume und beantwortet dabei die Fragen der potenziellen Käufer.

Sowohl 360-Grad-Touren als auch Besichtigungen via Smartphone sind nicht neu, erleben durch Corona aber einen Boom. Die digitale Besichtigung ist zur echten Alternative zum Vor-Ort-Termin avanciert, zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag des Maklerunternehmens Homeday. Demnach konnte sich mehr als die Hälfte von insgesamt 6856 Befragten (52 Prozent) vorstellen, eine Immobilie ohne Besichtigung vor Ort zu kaufen. Virtuelle Rundgänge sind dabei für 28 Prozent der Käufer und 32 Prozent der Verkäufer das Mittel der Wahl. Videokonferenzen mit Maklern und Kaufinteressenten halten 30 Prozent der Verkäufer für ein sinnvolles Instrument.

Digitaler Vertragsabschluss

Theoretisch spricht nichts dagegen, sich im virtuellen Raum über den Hauskauf einig zu werden. In der Praxis ist allerdings spätestens beim Gang zum Notar Schluss mit der sozialen Distanzierung. Zwar lassen sich Besprechungs- und Beratungstermine nach geltender Rechtslage auch telefonisch oder per Video erledigen. Den Kaufvertrag unterzeichnen müssen die Vertragsparteien jedoch nach wie vor eigenhändig in Anwesenheit des Notars. Manche Notarkammern, etwa jene in Berlin, haben als Reaktion auf die Pandemie vorübergehend die Anwesenheitspflicht beider Vertragsparteien außer Kraft gesetzt. Auch dort müssen Käufer und Verkäufer aber zumindest Vertreter schicken, die in ihrem Namen unterschreiben. Grund ist unter anderem die gesetzlich vorgeschriebene Aufklärungs- und Warnfunktion des Notars: Er soll unerfahrene Personen vor unüberlegten Vertragsabschlüssen bewahren und rechtlich beraten.

Der Branchenverband IVD und das Immobilienportal Immowelt sehen in der Tätigkeitsbeschreibung des Notars kein Hindernis für den digitalen Vertragsabschluss. Sie haben vor kurzem eine Online-Petition gestartet, in der sie digitale Notarverträge fordern. „Damit wollen wir erreichen, dass die Immobilienbranche diese Zeit bestmöglich übersteht und gut gerüstet in die Zukunft geht“, erklärt Immowelt-Vorstand Cai-Nicolas Ziegler. Die Digitalisierung sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass für Käufer und Verkäufer durch digitales Unterzeichnen keine Nachteile oder Risiken entstünden. Auch die aufklärende und beratende Funktion des Notars sei durch digitale Beurkundung gegeben, wenn diese richtig ausgestaltet werde. „Mittels Videotelefonie, RFID-gestützter Ausweisdokumente und hoch sicherer Verschlüsselungstechnologien könnte der Notarvertrag bereits jetzt rechtssicher und digital abgewickelt werden“, sind die Initiatoren der Online-Petition überzeugt.

 

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