ImmobilienLaub kehren: Das gilt für Mieter und Eigentümer

Wer muss das laub kehren?
Alle Jahre wieder dieselbe Frage: Wer muss das Laub kehren?IMAGO / BeckerBredel

„Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder“, heißt es in einem deutschen Kinderlied. So romantisch Herbstspaziergänge durch bunte Alleen mit knirschendem Laub unter den Stiefeln auch sind – auf Immobilieneigentümer und einige Mieter kommt mit der neuen Jahreszeit auch eine Pflicht zu: Laub kehren.

Im Gegensatz zu öffentlichen Straßen und Plätzen befreit die Kommune nämlich Gehwege, die an Grundstücke angrenzen, nicht von den Herbstblättern. „Die meisten Kommunen übertragen diese Pflicht auf die Eigentümer“, sagt Erik Uwe Amaya, Volljurist und Verbandsdirektor bei Haus und Grund Rheinland-Westfalen. Kommt der Eigentümer seiner Pflicht nicht nach, kann jemand, der ausrutscht und sich verletzt, ihn auf Schadenersatz verklagen.

Dienstleister beauftragen oder an Mieter übertragen

Eigentümer müssen das Laub also entweder selbst kehren oder sie beauftragen einen Dienstleister, der auch im Winter den Schnee räumt und streut. Der Vorteil: In einer Wohnungseigentümergemeinschaft gibt es so keinen Streit darüber, wer wann für das Kehren verantwortlich ist. Und die Kosten lassen sich entweder für Selbstnutzer der Immobilie zu 20 Prozent von der Steuer absetzen oder als Betriebskosten auf Mieter umlegen.

Vermieter, die keinen Dienstleister engagiert haben, übertragen die Pflicht zum Laubkehren in der Regel an ihre Mieter. Dabei muss bei mehreren Mietern innerhalb eines Gebäudes ein Mietvertrag regeln, wer für das Laub-Entfernen verantwortlich ist. Allerdings entbindet das den Eigentümer nicht von seiner Haftung – er muss regelmäßig nachkontrollieren, ob der Mieter sich an die Vereinbarung hält. „Der Vermieter bleibt schadenersatzpflichtig. Im Schadenfall wenden sich Betroffene in der Regel an den Grundstückseigentümer“, erklärt Amaya.

Wann und wo müssen Eigentümer kehren?

Laub kehren müssen Mieter, Eigentümer oder ihre Dienstleister natürlich nicht Tag und Nacht. „Die Gehwege müssen werktags zwischen 7 und 20 Uhr geräumt sein, am Wochenende ab 9 Uhr“, erklärt Amaya. Diese Zeitfenster können Vermieter auch in den Verträgen mit ihren Mietern oder Dienstleistern angeben. Allerdings ist es in der Realität oft schwierig, die Wege tatsächlich in dieser Zeit vollkommen blätterfrei zu halten, räumt der Experte ein: „Es fällt ja dauernd Laub, man kann niemandem zumuten, dass er den ganzen Tag kehrt.“

Welcher Teil des Gehwegs zum anliegenden Grundstück zählt, können Eigentümer in den kommunalen Satzungen nachlesen. Diese finden sich in der Regel online. Bei Eckgrundstücken kann es beispielsweise sein, dass Eigentümer die Straße auch um die Ecke herum fegen müssen. Ob die Bäume, deren Blätter auf dem eigenen Grundstück landen, dem Nachbarn gehören, spielt im Übrigen keine Rolle. Sollten die Äste des Baums eines Nachbarn allerdings weit über dessen Grundstück hinaus auf das eigene ragen, dürfen Immobilienbesitzer verlangen, dass er diese entfernt.

Wie entfernen Eigentümer das Laub?

Wer nicht Laub kehren will und anstelle des Fächerbesens lieber zum Laubbläser greift, muss sich ebenfalls an bestimmte Regeln halten. „In Wohngebieten müssen Ruhezeiten beachtet werden. Laut Bundesemissionsschutzgesetz dürfen Laubbläser nur zwischen 9 und 13 sowie zwischen 15 und 17 Uhr betrieben werden, an Wochenenden gar nicht“, erklärt Rechtsexperte Amaya. Laubbläser sind nicht nur laut, sondern auch aus Umweltgründen umstritten. Einerseits, weil sie mit einem Verbrennungsmotor betrieben werden, vor allem aber, weil sie neben dem Laub auch die darin lebenden Tiere aufsaugen und häckseln.

Ist der Blätterwald einmal gelichtet, stehen Mieter und Hauseigentümer vor der Frage: Wohin mit dem Laub? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Wer einen Garten hat, kann die Blätter darin liegen lassen oder türmen. Denn: Während die Gehwege frei von Blättern sein müssen, gilt das nicht für Grünflächen. Das Laub ist für den Garten sogar ein Segen – es schützt Pflanzen im Winter vor Frost und verrottet zu Humus, der den Boden mit Nährstoffen versorgt.

Alternativ können Hausbesitzer das Laub über die Biotonne entsorgen. Viele Kommunen bieten auch Laubsäcke oder Körbe an. Diese können Eigentümer mit Laub befüllen und abholen lassen. Die Abholzeiten der örtlichen Entsorgungsbetriebe finden sie im kommunalen Abfuhrkalender. Das Laub zu verbrennen oder über den Rest- sowie Papiermüll zu entsorgen ist in den meisten Kommunen übrigens verboten.

Was passiert bei einer Klage?

Unerfreulich ist es, falls jemand doch einmal auf dem Gehweg stürzt und auf Schadenersatz klagt. Der Betroffene verklagt dann in der Regel einen beliebigen Eigentümer – unabhängig davon, wer aus der Eigentümergemeinschaft an dem Tag mit Kehren dran war. „Die Wohneigentümergemeinschaft muss intern klären, wie sie damit umgeht“, erklärt Amaya. Wer nicht mithilfe von Fotos oder Zeugen nachweisen kann, dass ordnungsgemäß gekehrt war, hat es vor Gericht nicht unbedingt leicht. Für solche Fälle ist eine Haftpflichtversicherung sinnvoll – sie übernimmt den Schaden in der Regel. Ist ein Dienstleister angestellt, der seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, muss dieser haften.


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