KompassDas sind die besten Fertighaus-Hersteller

Die Mitarbeiter der Deutsche Fertighaus Holding haben viel zu tun. Im Werk in ­Simmern produzieren sie pro Woche bis zu 80 Eigenheime
Die Mitarbeiter der Deutsche Fertighaus Holding haben viel zu tun. Im Werk in ­Simmern produzieren sie pro Woche bis zu 80 Eigenheime Katrin Binner

Fertighäuser erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Jedes fünfte Ein- oder Zweifamiliengebäude wird hierzulande aus vorgefertigten Bauteilen errichtet. Der Markt wächst gegen den Trend: Während die Zahl aller Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser 2017 um 4,7 Prozent auf 102.000 zurückging, stieg die Zahl der Genehmigungen für Fertighäuser um 5,5 Prozent auf rund 20.100. Rund 50 größere Hersteller teilen sich den Markt – plus eine Vielzahl an Zimmereibetrieben, die ab und an mal ein komplettes Haus verkaufen. Die Kunden können zwischen zig Modellen und Hunderten Varianten wählen. Das Angebot ist schier unüberschaubar.

Aus diesem Grund hat Capital die Branche erstmals einem umfassenden Test unterzogen. Der Fertighaus-Kompass soll – wie bereits der Fonds-, der Immobilien- und der Makler-Kompass – Verbrauchern Orientierung und Entscheidungshilfe bieten. Experten des TÜV Rheinland, des Sentinel Haus Instituts (SHI), des Beratungsunternehmens Pro Value und der KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft haben 49 Unternehmen unter drei Aspekten geprüft: Service und Informationen, Vertrag und Recht sowie Bauqualität und Wohngesundheit. Dies sind die Ergebnisse:

 

Die vollständige Auswertung können Sie sich hier als PDF herunterladen: Fertighaus-Kompass-Tabellen

So funktioniert der Fertighaus-Kompass

Gemeinsam mit Experten hat Capital 49 Hersteller in drei Kategorien getestet. Sieben Anbieter erhielten die Bestnote, der Gesamtsieger heißt Schwörer Haus

Informationen und Service (max. 20 Punkte)

Das Beratungsunternehmen Pro Value hat unter anderem geprüft, wie gut die Anbieter über ihre Produkte informieren. Wie aussagefähig ist die Website? Wie informativ sind die Prospekte? „Der Markt ist sehr unübersichtlich“, sagt Pro-Value-Chef Josua Fett. „Alle werben mit Qualität, Energieeffizienz und Individualität. Daher ist es wichtig, dem Kunden Orientierung zu geben.“ Den Firmen gegenüber gaben sich die Tester als Interessenten aus und baten um Rückruf. Positiv bewertet wurde es, wenn Vertreter zielgerichtete Fragen stellten und Kompetenz ausstrahlten. Abzug gab es für verwirrende Aussagen oder unseriöse Lockangebote. Zwei Drittel der Unternehmen ignorierten die Rückrufbitte. Als einziger Anbieter erzielte Schwörer Haus das Maximalergebnis, dicht gefolgt von Fingerhut Haus, Weber Haus und Huf Haus. Schwach schnitten kleine Firmen ab, aber auch Marktgrößen wie Danwood oder Wolf System.

  • Onlineauftritt (max. 8 Punkte)
  • Informationsmaterial (max. 4)
  • Beantwortung von Anfragen (max. 4)
  • Telefonberatung (max. 4)

Vertrag und Recht (maximal 35 + 5 Punkte)

Capital bat alle Hersteller, Musterverträge und Baubeschreibungen einzureichen sowie einen Fragebogen auszufüllen. 25 von 49 Firmen kamen dieser Bitte nach – die Voraussetzung für eine Bewertung. KPMG Law prüfte, wie konsequent die Hersteller das seit Januar geltende neue Baurecht umgesetzt haben und wie gut Kunden über ihre Rechte aufgeklärt werden. „Gute Anbieter zeigen, dass das kurz und knackig geht“, sagt KPMG-Anwalt Marc Kühl. Faire Regeln bei der Bezahlung, klar formulierte Widerrufsrechte und Fristen brachten Pluspunkte. Das beste Ergebnis erreichte hinter Weber Haus abermals Schwörer Haus. Die Letztplatzierten hinken geltendem Recht hinterher oder schließen Neuerungen sogar explizit aus – etwa den Einbehalt von Sicherheiten. Bis zu fünf Extrapunkte brachten Versicherungen, Gewährleistungsbürgschaften oder Vertragsstrafen, falls das Haus nicht fristgerecht fertig wird.

  • Sicherheiten (max. 8,75)
  • Widerrufsrecht (max. 8,75)
  • Baubeschreibung (max. 8,75)
  • Gewährleistungrechte (max. 8,75)
  • Versicherungen, Bürgschaften und Vertragsstrafen (max. 5,00)

Baumaterial und Wohngesundheit (maximal 45 + 2 Punkte)

Das Sentinel Haus Institut (SHI) und der TÜV Rheinland haben in einem elektronischen Fragebogen Aspekte der Bauqualität und Wohngesundheit abgefragt. Punkte vergaben die Experten unter anderem für die Mitgliedschaft in einer Qualitätsgemeinschaft wie dem Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF). „Sie stellt grundsätzlich sicher, dass der Kunde ein qualitativ ordentliches Haus erhält“, sagt Walter Dormagen vom TÜV Rheinland. Unternehmen, die sich darüber hinaus systematisch um Qualität und Wohngesundheit kümmern, konnten ihr Ergebnis verbessern. „Das fängt beim Einkauf einwandfreier Baumaterialien an und endet bei der Schulung der Montageteams.“ Auch der Einbau von Lüftungsanlagen, regelmäßige Materialprüfungen sowie Kontrollen der Raumluft auf Formaldehyd und flüchtige organische Verbindungen schlugen positiv zu Buche. „Käufer sollten unbedingt vergleichen, welchen Aufwand Hersteller hierbei treiben, und sich versprochene Grenzwerte vertraglich festschreiben lassen“, rät SHI-Geschäftsführer Peter Bachmann. Die Einhaltung besonders niedriger Grenzwerte wurde mit bis zu zwei Extrapunkten belohnt. Ins Teilergebnis flossen außerdem die Untersuchung von Grundstücken auf Radon und Extra-Zertifizierungen durch unabhängige Einrichtungen ein. Am besten schnitt Baufritz ab, gefolgt von Schwörer Haus und Huf Haus sowie Weber Haus. „Wer wenig Punkte erhielt, baut nicht unbedingt schlechte Häuser“, so Bachmann, „er betreibt Qualitätssicherung bei Produkten und Prozessen jedoch nicht konsequent genug.“

  • Qualitätsgemeinschaft (max. 6,75)
  • Baustoffqualität (max. 12,15)
  • Lüftungsanlage (max. 9,00)
  • Raumluftmessung (max. 7,65 + 2,00)
  • Umgang mit Radon (max. 2,70)
  • Zertifizierung (max. 6,75)

Gesamtergebnis (maximal 100 + 7 Punkte)

Die Teilergebnisse wurden addiert. Sieben Anbieter errangen mehr als 80 Punkte – und somit fünf Sterne: Schwörer Haus, Weber Haus, Fingerhut Haus, Baufritz, Huf Haus, Okal und Allkauf. Acht Hersteller bekamen vier Sterne, sechs immerhin drei Sterne. Drei Firmen erhielten zwei Sterne, Sander Haus muss mit einem Stern vorlieb nehmen.