ImmobilienFertighäuser – nicht von der Stange

Die Mitarbeiter der Deutsche Fertighaus Holding haben viel zu tun. Im Werk in ­Simmern produzieren sie pro Woche bis zu 80 Eigenheime
Die Mitarbeiter der Deutsche Fertighaus Holding haben viel zu tun. Im Werk in ­Simmern produzieren sie pro Woche bis zu 80 Eigenheime Katrin Binner

Als Esma und Salih Toptas sich entschieden, in ihrer Heimatstadt Erbach für sich und Tochter Mira ein Eigenheim zu bauen, stand schnell fest, es soll ein Fertighaus sein. Ein wichtiges Argument für die Bauherren: die kurze Bauzeit. Als der Bautrupp Ende März im Odenwald anrückte, standen Innen- und Außenwände der Stadtvilla in nur zwei Tagen, am dritten Tag war das Dach dicht. „Gegenüber einem Massivhaus haben wir sogar noch etwas gespart“, sagt Salih Toptas. Rund 370.000 Euro kostet das Haus der Marke Okal mit 165 Quadratmetern schlüsselfertig.

Nach einem Nachfrageeinbruch erfreuen sich Fertighäuser wieder großer Beliebtheit. Jedes fünfte Eigenheim wird hierzulande aus vorgefertigten Teilen errichtet. Während die Zahl der Baugenehmigungen aller Ein- und Zweifamilienhäuser 2017 insgesamt um 4,7 Prozent auf 102.000 sank, wurden 5,5 Prozent mehr Fertighäuser genehmigt: gut 20.000. „Die meisten Hersteller arbeiten an der Kapazitätsgrenze“, sagt Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF).

Die Vorbereitung

„Einen Bauplatz zu finden ist heute oft der schwierigste Teil des Hauskaufs“, sagt Andreas Speer, Geschäftsführer von Eigenheim und Garten, einem Betreiber von Musterhausausstellungen. Viele Anbieter helfen Interessenten bei der Suche nach einer geeigneten Fläche. Auch Familie Toptas ließ sich mehrere Bauplätze zeigen.

Der Bebauungsplan der Kommune schränkt die Auswahl der möglichen Haustypen zwar ein (Anzahl der Etagen, Geschossflächen, Dachformen), dennoch bleibt eine Vielzahl an Modellen übrig. Mehr als 60 größere Hersteller sind in Deutschland am Markt, manche bieten Dutzende Grundtypen mit einem Vielfachen an Varianten und Optionen an, sodass Interessenten schnell den Überblick verlieren.

Speer empfiehlt Bauwilligen, zunächst eine Liste aufzustellen mit allen Punkten, die das neue Haus erfüllen sollte. Auch einen realistischen Finanzrahmen sollten sie frühzeitig abstecken. Als nächster Schritt ist der Besuch einer Musterhausausstellung (Adressen unter tinyurl.com/hausausstellungen) ratsam. Berater der Hersteller erklären vor Ort die Haustypen und informieren über Alternativen. Manche Firmen bieten sogar eine gemeinsame Besichtigung des Baugrundstücks an. Vor Ort lässt sich beispielsweise leichter klären, ob der Bau eines Kellers sinnvoll ist – oder eine Bodenplatte die bessere Option darstellt.

Die Auswahl

Nur selten ist eine Fertigimmobilie ein „Haus von der Stange“. Rund zwei Drittel aller Fertighäuser werden laut BDF frei geplant. Je nach Preisklasse lassen sich Grundrisse und Ausstattungen in unterschiedlichem Maße verändern. Hochpreisige Anbieter wie etwa Huf Haus entwerfen das Gebäude grundsätzlich individuell. Auch Familie Toptas in Erbach hatte Sonderwünsche: die Verlegung des Eingangs in den Keller – weil das Haus auf einem Hanggrundstück steht – und separate Ankleidebereiche für Schlaf- und Kinderzimmer.

Doch wo lässt sich sparen? Einige Anbieter verkaufen sogenannte Ausbauhäuser, bei denen der Kunde den Innenausbau in Eigenregie übernimmt. Käufer sollten die eigenen handwerklichen Fähigkeiten und ihr Zeitbudget allerdings realistisch einschätzen. Wer selbst Handwerker beauftragt, muss frühzeitig Angebote einholen und Termine vereinbaren. Familie Toptas entschied sich für eine Zwischenvariante: Verwandte übernehmen den Ausbau des „malerfertig“ übergebenen Hauses.