FerienimmobilienOstsee - hohe Preise lassen Käufer kalt

Fabelhafter Ausblick: Der Leuchtturm Dornbusch auf dem Schluckswiek im Norden der Insel Hiddensee weist Schiffen seit fast 130 Jahren den Weg über die Ostsee
Fabelhafter Ausblick: Der Leuchtturm Dornbusch auf dem Schluckswiek im Norden der Insel Hiddensee weist Schiffen seit fast 130 Jahren den Weg über die Ostsee Getty Images

Der Blick auf die Trave ist genial – und komplett unverbaut. Von der Dachterrasse aus sieht man hinunter auf den Yachthafen, am Horizont schippern große Pötte vorbei, jedes der sieben Zimmer hat Seeblick. Und der Preis für das Luxushaus in Hanglage ist eigentlich unschlagbar: 1,19 Mio. Euro soll es kosten.

Fast ein Schnäppchen angesichts der Lage und Ausstattung, sagen Makler. In Scharbeutz oder Timmendorfer Strand wäre so etwas unerschwinglich. Annegret Möllerherm ist sicher, dass das Kleinod bald einen Käufer finden wird. „Seeblick, Ruhe, kein Trubel, zumindest nicht da, wo man wohnt“, sagt die Ostseemaklerin. „Das ist es, was die Menschen heutzutage suchen.“

In Schlutup können sie fündig werden. Das alte Fischerdorf ist Lübecks kleinster Stadtteil. Hier geht es noch ganz und gar untouristisch zu: Supermarkt, Bäcker, Apotheke, Ärzte – alles da. Die Busse fahren im 15-Minuten-Takt ins Zentrum. Tagesgäste in Badelatschen muss hier niemand fürchten. Was will man mehr? „Nichts“, sagt Möllerherm. „Schlutup ist kein klassischer Urlaubsort. Aber das macht auch den Charme dieses Blankenese von Lübeck aus.“

Nicht jeden stören die Menschenmassen der berühmten Küstenorte während der Hochsaison. Nach wie vor sind Ostsee-Klassiker wie Timmendorfer Strand, Kühlungsborn oder Binz auf Rügen die Lieblinge deutscher Urlauber. Die schleswig-holsteinische Ostseeküste verbuchte gut 13 Millionen Übernachtungen – ein Plus von 5,3 Prozent. Rügen und Hiddensee kamen auf fast 140.000 mehr Übernachtungen als 2015, die Küstenorte Vorpommerns auf ein Plus von 485.000.

Weder Dauerregen noch deftige Kaufpreise schrecken die Ostseeliebhaber ab. Hauptsache, Wasser. Und möglichst nah dran. Dann ist es fast egal, was es kostet. Auf jeden Fall sind es Spitzenpreise. In Scharbeutz zahlt man in der ersten Reihe am Meer gut und gern 7000 Euro pro Quadratmeter und bekommt dafür einen renovierungsbedürftigen Bau aus den 70er-Jahren. Neubauten gibt es nicht mehr unter 11.000 Euro. Selbst weiter weg vom Strand in der vierten und fünften Reihe werden mitunter Preise wie in der Hamburger Innenstadt aufgerufen. In einem Projekt in der Seestraße liegt das günstigste Angebot bei 6500 Euro.

Längst rücken auch Trave, Schlei und Co in den Dunstkreis potenzieller Immobilienkäufer. Den Nachschub liefern Projektentwickler, die von Usedom bis Kappeln Kaufobjekte in großer Stückzahl auf den Markt werfen: „schicke“ Strandresorts, „familiäre“ Ferienwohnanlagen, „erholsame“ Urlaubsparks. Die Beschreibungen sind so vielfältig wie die meisten Anlagen gleichförmig. Häufig mangelt es noch an Infrastruktur. Da gibt es dann erst mal nichts – außer Wasser. Wie etwa in Olpenitz.

Leider fehlt der Supermarkt

Rund um den einstigen Marinehafen Olpenitz an der Schleimündung wächst sukzessive ein Ferienresort inklusive Yachthafen aus dem sandigen Boden: schwimmende Wohnlofts, weiße Strandvillen, sogenannte Kapitänshäuser mit Holzterrasse, die zu Preisen zwischen 229.000 und 269.000 Euro angeboten werden. Bis zum Jahresende sollen auch die „Schleivillen“ – alles in allem 55 Gebäude – verkauft sein. Kaufpreis: 360.000 bis 490.000 Euro.

„Ein wachsender Teil der Gäste erwartet hochwertigeWohnungen“

Corinna Graunke, CDU-Politikerin in Kappeln

Die Ferienanlage wächst, die Infrastruktur nicht. Auch neun Jahre nach Baubeginn sucht man Restaurants, Läden oder nur einen Supermarkt vergebens. Ein Edeka soll frühestens 2018 kommen. In Kappeln ist man darüber nicht böse. Das kleine Ostseestädtchen profitiert seit Jahren vom chronischen Mangel an Vergnügungs- und Einkaufsmöglichkeiten im nahen Port Olpenitz. Die Konkurrenz durch das neu entstehende Resort fürchtet hier schon lange niemand mehr. Dafür läuft es einfach zu gut: Kappeln, einst gebeutelt durch den Abzug der Marine, erlebt geradezu eine Renaissance. „Uns treibt vielmehr die Frage um, wie wir dem Ansturm durch die Touristen gerecht werden können“, sagt die Lokalpolitikerin Corinna Graunke (CDU). „In der Hauptsaison ist es schon ziemlich voll.“

So soll es auch bleiben. Damit es aber außerdem in der Nebensaison läuft, wollen die Kappelner jetzt aufrüsten: neue Fahrradwege bauen, vielleicht einen Shuttlebus nach Olpenitz einrichten, die Vermieter der in die Jahre gekommenen Unterkünfte dazu bewegen, sich von ollen Schlafsofas zu trennen. Graunke: „Ein wachsender Teil der Gäste erwartet hochwertige Wohnungen. Wir müssen diese Menschen versorgen können, und die passende Infrastruktur muss nachziehen.“