ImmobilienDiese Stolperfallen lauern beim Erbbaurecht

Ein Dachstuhl im Rohbau
Symbolbild Hausbaudpa

Wer in Deutschland ein Haus bauen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Seit Jahren bewegen sich die Preise im Gleichschritt mit der steigenden Immobiliennachfrage nach oben, zeigt der Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes. Die Kosten für den Wohnungsbau liegen heute rund ein Viertel höher als vor zehn Jahren. Das Bauen hat sich auf breiter Front verteuert, sowohl die Material- als auch die Arbeitskosten sind gestiegen. Der größte Preistreiber für Immobilienkäufer bleiben allerdings die Kosten für das Grundstück. Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge haben sich die Preise für Grund und Boden in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um mehr als die Hälfte verteuert.

Eine Möglichkeit, diese Kosten klein zu halten, bietet das sogenannte Erbbaurecht. Es ermöglicht Häuslebauern den Bau der eigenen vier Wände, ohne dass sie das Grundstück kaufen müssen. Stattdessen zahlen sie dem Eigentümer einen jährlichen Erbbauzins von etwa vier bis fünf Prozent des Grundstückswerts. Solche Erbbaurechtsverträge laufen üblicherweise 75 bis 99 Jahre. Grundstückseigentümer sind in der Praxis meist Kommunen, Kirchen oder Unternehmen. Im Prinzip kann aber auch jeder andere Grundstückseigentümer ein Erbbaurecht vergeben. „In Zeiten knapper Baulandressourcen kann ein Erbbaurecht eine lohnende Alternative für junge Familien mit wenig Eigenkapital sein“, sagt Carsten Walter, Geschäftsführer der Notarkammer Baden-Württemberg.

Nach der Laufzeit erlischt das Erbbaurecht

Mit einem Kauf auf Erbbaurecht erhöht sich der Eigenkapitalanteil des Käufers – und damit seine Chance, ein zinsgünstiges Darlehen von der Bank zu bekommen. Zudem erhalten Bauherren durch das Erbbaurecht oft Zugang zu attraktiven Bauplätzen in Ballungszentren, die ihnen ansonsten verwehrt geblieben wären. Grundstückseigentümer wiederum bekommen eine Rendite, ohne sich dauerhaft von ihrem Eigentum trennen zu müssen.

Der Haken: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die vereinbarte Laufzeit der Erbpacht vorüber ist. Dann erlischt das Erbbaurecht – und der aktuelle Bewohner muss ausziehen. „Nach Ablauf der Frist fällt das Gebäude in der Regel dem Eigentümer des Grundstücks zu“, erklärt Bauexperte Walter. Dieser hat dem Erbbauberechtigten eine Entschädigung für das Gebäude zu zahlen, die sich am aktuellen Marktwert orientiert. Eigentümer und Erbbauberechtigter können sich aber auf eine Verlängerung des Erbbaurechts einigen. Zu Gunsten des Erbbauberechtigten kann im Vertrag „ein Vorrecht auf Erneuerung“ vereinbart werden, erklärt Walter. Außerdem kann der Eigentümer dem Erbbauberechtigtem ein Vorkaufsrecht am Grundstück einräumen. Der ehemalige Erbpartner hat allerdings kein Anrecht auf die Vertragsverlängerung.

Für Hausbauer mit wenig Eigenkapital kann es sich lohnen

Der Eigentümer kann das Erbbaurecht sogar vorzeitig beenden, wenn sich der Nutzer während der Vertragslaufzeit nicht an Vereinbarungen hält. Zum Beispiel dann, wenn der Erbbauberechtigte das Grundstück nicht schnell genug bebaut. Auch wenn der Nutzer längere Zeit mit der Zahlung des Erbbauzinses in Verzug gerät oder das Grundstück verwahrlosen lässt, darf der Eigentümer den Vertrag vorzeitig kündigen und sein Grundstück zurückverlangen. Die Parteien können sich natürlich auch einvernehmlich einigen, den Vertrag vorzeitig aufzulösen.

Der größte Nachteil der Erbpacht: Während ein Kredit irgendwann getilgt ist, laufen die Erbbauzinsen über die gesamte Laufzeit des Vertrags. Insgesamt zahlen Häuslebauer im Vergleich zum klassischen Bankkredit fast immer drauf, sagt Baurechtsexperte Walter. Der Bau auf Erbpacht-Grundstücken rechnet sich daher nur für Menschen mit wenig Eigenkapital, die sich den Traum vom eigenen Haus anders nicht erfüllen könnten.

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