FerienimmobilienDie Könige von Mallorca

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Klingt nach den oberen Zehntausend? Stimmt. „Mallorca ist vor allem von Immobilien der gehobenen beziehungsweise Luxusklasse geprägt“, heißt es in der „Marktstudie Ferienimmobilienmarkt Mallorca 2017“. Dafür hat das Freiburger Center for Real Estate Studies mehr als 4700 Objekte ausgewertet, die Anfang 2017 zum Verkauf standen.

Ergebnis: Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise in den beliebtesten Regionen liegen in Höhen, die man auch in München-Schwabing bezahlt: im Südwesten um Port d’Andratx bei 5800 Euro, in Palma und Umgebung um die 4700 Euro. Auch im Nordwesten um Sóller und im Nordosten um Cala Ratjada werden mehr als 4000 Euro fällig.

Für Meerblick kommt je nach Region ein Aufschlag von zehn bis 50 Prozent hinzu; für Objekte in der ersten Meereslinie gilt als Faustregel, dass diese Aufschläge sich verdoppeln. Dementsprechend solvent ist die Käuferschaft. „Alle, die sich was auf der Insel leisten, gehören zu einer Minorität“, sagt Stadler. „Wer kann sich schon eine Zweit-, Dritt-, Viert-immobilie leisten?“

Das zeigt sich auch an der Finanzierung. Laut einer Studie des Vermietportals Fewo-direkt gaben 41 Prozent der befragten Immobilienbesitzer an, sie hätten ihr Ferienhaus auf Mallorca komplett aus Eigenkapital finanziert. Bei deutschen Ferienimmobilien sind es nicht halb so viele. 64 Prozent wollen ihre mallorquinische Immobilie selbst nutzen und vermieten, 38 Prozent erwarben sie als Altersruhesitz. Um die reine Rendite ging es nur einer Minderheit von knapp einem Drittel.

Im besten Fall hat man das Geld also einfach. Jedoch: „Was sich verändert hat über die Jahre: Die Leichtigkeit, mit der um das Jahr 2000 gekauft wurde, damals mit der Pesete, ist vorbei“, sagt Christina Deutsch von Engel & Völkers. „Man möchte sein Geld so anlegen, dass man nicht verliert.“ Fast wortgleich Heidi Stadler: „Die Mehrzahl der Kunden kauft zum eigenen Gebrauch. Wenn sie einmal verkaufen, wollen sie ihr Geld zurückbekommen, keine große Gewinne machen.“

Palma, Carrer de Vista Alegre, die Straße zur schönen Aussicht. Zu Füßen das Kreuzfahrtterminal, der Sommerpalast des spanischen Königs liegt direkt um die Ecke. Miguel Llinàs, Sales Director bei First Mallorca, besichtigt die Baustelle eines Apartmenthauses. Eine Eigentumswohnung gibt es hier ab 800.000 Euro, ein paar sind noch zu haben.

„In den letzten vier, fünf Jahren hat es wieder angefangen mit Neubauprojekten, weil die Nachfrage wieder da ist“, sagt Llinàs. „Aber Mallorca ist halt eine Insel – wir haben nicht unbegrenzt Land. Früher oder später wird es Probleme mit den Alteingesessenen geben.“

Mallorca wird gentrifiziert

Um genau zu sein, gibt es die bereits. Die Gentrifizierungsdebatte hat Mallorca längst erreicht. 2017 haben Aktivisten zwei Demonstrationen in Palma organisiert, um gegen die Verdrängung durch wohlhabende Ausländer und kurzurlaubende Airbnb-Touristen zu protestieren. Gerade die Kurzvermietung von Privatwohnungen verknappt das Angebot für die Mallorquiner. „Ich habe zurzeit drei Mitarbeiter, die auf der verzweifelten Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind“, sagt Christina Deutsch. „Ein WG-Zimmer bekommt man nicht unter 500 Euro.“

Im alten Fischerviertel Santa Catalina, einst heruntergekommen, heute beliebt für seinen lebhaften Markt und das Nachtleben, hat jemand ein Graffito an eine Fassade gesprüht: „Ciutat per a qui l’habita“ – die Stadt denen, die drin leben.