FerienimmobilienDie Könige von Mallorca

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„Wir erleben eine Bonanza“, sagt auch Heidi Stadler, Gründerin und CEO der Luxusimmobilienagentur First Mallorca, die auch Roland Maucher vertritt. „Vom Gefühl her – und von dem, was wir hören – ist der Markt so stark wie früher, wenn nicht stärker.“

Gute Nachrichten für die Mauchers. Ihre Villa ist etwas für Interessenten mit exquisitem Stil und dem passenden Portemonnaie.

Viereinhalb Meter hohe Decken. Ein Leuchter groß wie ein Lkw-Reifen. An der Wand eine Fotoserie birmanischer Buddha-Statuen. Eiserne Türen und Treppen, Fenster vom Boden bis zur Decke. Der Blick schweift über den Infinity-Salzwasserpool und den Wald im gegenüberliegenden Naturschutzgebiet bis aufs Meer. Ein Pfad führt hinab zu einer kleinen Bucht, die unter Touristen nicht so bekannt ist, weil sie keinen guten Zugang hat – de facto ein Privatstrand.

Wie viel die Villa einem Neueigentümer wert sein sollte? „Ich mag es immer gar nicht sagen“, windet sich Maucher, wird dann ernst: „Sechs.“ Millionen Euro, heißt das.

Gut möglich, dass diese Forderung sich als realistisch herausstellt. „In den Jahren nach der Krise hatten wir kein starkes neues Produkt, und das ist ausschlaggebend für den hochpreisigen Sektor“, sagt Maklerin Heidi Stadler. „Heute gibt es ein Angebot, das im Preis sehr gestiegen ist und die Anforderungen der Kunden bedient, die wir früher nicht befriedigen konnten. Es ist für uns unheimlich interessant geworden.“

Das lockt eine neue Klientel nach Mallorca. „Es wird internationaler, auch durch die vielen Expats“, sagt Stadler. Noch immer sind Deutsche die mit Abstand größte Gruppe; bei Engel & Völkers stellten sie über die Hälfte der Kunden. 17 Prozent der Käufer waren Briten, sieben Prozent Schweden und sechs Prozent Schweizer. Die große Mehrheit stammt also nach wie vor aus Europa, auch wenn Maklern zufolge auch immer öfter US-Amerikaner, Araber und Chinesen zuschlagen. Das sei noch vor Kurzem nur selten der Fall gewesen.

Preise wie in Schwabing

2016 hat sich laut Engel & Völkers der Trend verstärkt, dass Käufer die Immobilien nicht nur für den Urlaub nutzen. Stattdessen lässt sich eine steigende Zahl gut situierter ausländischer Familien dauerhaft auf Mallorca nieder. Dabei nutzt der Hauptverdiener unter der Woche die guten Fluganbindungen für Geschäftsreisen und verbringt nur die Wochenenden auf der Insel. Solche Familien können auf eine hervorragende Infrastruktur zurückgreifen, etwa die 13 internationalen Schulen.

Für diese polyglotte Kundschaft haben internationale Architekten und Bauträger neue Häuser geschaffen, die von der rustikalen Finca höchstens noch Zitate aufnehmen. Klare Formen, mehr Helligkeit, modernste Materialien und Haustechnik statt dicker Feldsteinmauern und kleiner Fenster, deren wichtigste Funktion es war, Sonnenlicht und Hitze draußen zu halten.

„Die Architektur, die heute am meisten Zuspruch findet, geht in die Natürlichkeit“, sagt Stadler. „Natürliche Farben, Gerüche – Jasmin, Kräuter, Lavendel. Es wird mit Wasser gespielt, mit japanischen Zen-Gärten. Die Kunst heute ist, Häuser mit 1000 Quadratmetern so zu gestalten, dass man sich dort heimelig fühlt.“