Interview„Das Haus fürs Leben ist Geschichte“

Seite: 3 von 3

Sie sagen, man soll sich gut überlegen, was der Umzug aufs Land bedeutet. Aber die meisten haben doch gar keine Wahl, wenn sie Platz für ihre Familie brauchen.

Im Idealfall probiert man es aus: drei, vier Monate rausziehen und gucken, ob man mit dem Leben klarkommt. Das ist schwer, aber es geht. Ich habe das öfter von älteren Leuten gehört, hier in der Hafencity in Hamburg…

…die Sie mit geplant haben.

Die wollten vom Land zurück in die Stadt, haben aber gesagt: Bevor ich das mache, will ich es erst ausprobieren. Die sind dann hier für ein paar Tage oder Wochen hergezogen.

Der Umzug aus der Stadt raus aufs Land lässt sich schwerer ausprobieren.

Dann sollte man wenigstens alle Vor- und Nachteile sehr offen besprechen. Schlimm sind Entscheidungen aus dem Bauch heraus: Das Haus muss es sein! Und zack hat man sich mit einer halben Million verschuldet und stellt vier Jahre später fest: Mist, das war es doch nicht. Das ist schon grob fahrlässig.

Liegt es an dieser Gefahr, dass viele junge Familien eher in der Stadt bleiben wollen?

Sicher, wenn man etwa in Hamburg studiert hat, hier seine Freunde und seinen Job hat, fällt einem so ein Umzug schwer. In der Stadt lässt sich alles leichter miteinander verbinden, selbst wenn man später Kinder hat. Daher auch diese neuen Townhouse-Siedlungen und abgeschlossenen Wohnblöcke, die ein Vorort-Idyll mitten in der Stadt schaffen, mit Gärten und verkehrsberuhigten Privatstraßen, Sicherheit und Privatsphäre.

Wobei solche Siedlungen nur für eine kleine Elite erschwinglich sind.

Stimmt, aber auch junge Familien, die sich diesen Luxus nicht leisten können, ziehen deshalb nicht zwangsläufig in die Einfamilienhaus-Vorortsiedlung. Viele bleiben lieber in ihrer eigentlich zu kleinen Mietwohnung, um nur ja in der Stadt leben zu können. Und kaufen sich fürs Wochenende vielleicht ein Häuschen draußen auf dem Land, einen alten Bauernhof oder eine Scheune.

Ist das der Kompromiss zwischen Stadt und Land?

Es ist der Kompromiss zwischen Land, Natur, Rückzug und Privatheit auf der einen Seite – und Stadt, Arbeit, Freunden, Kultur und Freizeit auf der anderen. Ich glaube, diese „Vier Tage Stadt, drei Tage raus“-Modelle werden noch deutlich zunehmen.

Neben Stadt oder Land lautet die andere große Frage: kaufen oder mieten?

Natürlich verspricht mir eine Mietwohnung mehr Flexibilität, man bindet sich nicht so sehr. Für viele ist das auch eine Budgetfrage: Man findet ja in der Stadt heute kaum noch bezahlbare Wohnungen zum Kaufen. Generell wäre ich mit Eigentum in ländlichen Regionen und den nicht ganz so gut angebundenen Einzugsgebieten der Großstädte vorsichtig. Hier würde ich nicht damit rechnen, dass die Preise einfach weiter steigen werden. Umgekehrt gilt in den zentralen Lagen der Großstädte, dass Käufer hier kein großes Risiko eingehen – hier bleibt Wohneigentum sehr stabil im Wert.

Viele Menschen scheuen auch die große Investition, die Bindung an und Verantwortung für ein Haus.

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob man sich als Eigentümer stärker an eine Immobilie bindet. Ja, man hat die Sorgen um den Wertverlust und muss den Kredit abzahlen – aber ich glaube, ob man sich dauerhaft an eine ­Immobilie bindet, hängt heute von anderen Dingen ab: ob man sich dort wohlfühlt, ob man Freunde findet, ob man in der Nachbarschaft ankommt – und ob die Immobilie wirklich zu einem passt.

Und wie findet man am besten heraus, was zu einem passt?

Schwierige Frage. Die Suche nach dem richtigen Ort, der richtigen Wohnung ist ein hochkomplexer Prozess. Da geht es viel um das Bild, das ich von mir selbst habe und abgeben möchte – und zugleich um die Frage, wo ich wirklich glücklich und zufrieden bin. Das ist nicht immer deckungsgleich. Man kann sich dabei überfordern. Manche Menschen sagen, sie wollten gern auf dem Land leben – wa­rum auch immer. Und stellen später fest: Das passt gar nicht zu mir.

Aber wie kann man sich darüber vorher klar werden?

Am besten, indem man es ausprobiert. Und sich Zeit nimmt, die Dinge wirklich gründlich zu prüfen. Und wenn man feststellt, dass es ein Fehler war: korrigieren. Die Suche nach dem richtigen Ort ist ein Prozess, an dem man wachsen muss.

 


Der Beitrag ist erschienen im Capital-Soderheft „Der große Traum vom Haus“. Bestellen können Sie es im Capital Shop