PorträtDaniel Arnold - der Reihenhaus-Optimierer

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Ein Ordner „Absurdes“

Und er hat das Reihenhaus immer weiter gedacht. 2017 haben die Modelle ein Facelift bekommen, neue Gauben, neue Türgriffe, am Eingang ist nun ein Überdach mit Außenschrank für die Fahrräder, die Terrassentrennwand ist dicker, ebenfalls mit Schrank, für Gartenmöbel. „Es ist beeindruckend, wie Daniel Arnold die Häuser immer weiter optimiert hat“, sagt Alexander Knälmann, Mitgründer von APOprojekt, einem Unternehmen für den Innenausbau von Mietobjekten. „Das ist eine echte Erfolgsgeschichte.“

In Köln lenkt Daniel Arnold einen VW Touran – als Dienstwagen gibt es in seinem Unternehmen nur das eine Modell – in eine Tiefgarage. Die hat er mitbauen lassen, ein Subventionsgeschäft, aber das Blech, sagt er, muss unter die Erde. Um Platz zu sparen, hat er zwei Parkreihen hintereinander angeordnet, ohne Rangierzeile dazwischen. Für Haushalte mit zwei Autos. Er grinst. Platz gespart, optimiert.

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Er fährt wieder hoch, vorbei an einer Kita, die er auch hat bauen lassen, aber aus komplizierten Gründen noch nicht eröffnet hat. Wenn er davon erzählt, dann oft in nachgestellten Dialogen, wie überhaupt alle seine Anekdoten über Bauämter und Baustellen das abendfüllende Programm eines Stand-up-Comedians sein könnten. Es sind Bürokratieabenteuer: Gutachten über Verkehrsflüsse, Grundstücke, die jahrelang brachliegen, drei Dutzend Bauordner, die per Kurier zu Ämtern gekarrt werden. Meist klingt das so: „Und dann sagt der: Das geht nicht. Sag ich: Natürlich geht das. Und gefällt es dem Kunden? Natürlich gefällt es ihm.“

Selbst wenn man die Hälfte der Anekdoten abzieht, bleibt das Sittengemälde eines Landes, das zu viel reguliert und das Bauen zu oft behindert, obwohl es immer mehr bauen muss und will.

„Wir ersticken in Komplexität“, sagt Arnold. „In einer Stadt wie Köln eine Baugenehmigung in zwei Jahren zu bekommen, ist eine Blitzgenehmigung. Wir rechnen mittlerweile in Ballungszentren mit fünf bis acht Jahren.“ In seinem Büro hat er einen ganzen Ordner mit der Aufschrift „Absurdes“.

Die Städte sind natürlich keine Gegner. Er braucht sie und sie ihn. In Mannheim etwa überzeugte das Unternehmen 2011 den Bürgermeister von der Konversion einer Industriebrache. „Das war sensationell. Es fehlte uns die Kraft zu glauben, dass das auch ein Wohnstandort sein könnte“, sagte damals Christian Specht, der Bürgermeister. „Die Deutsche Reihenhaus hat uns geholfen, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“

Nach 20 Jahren bauen in Serie will sich Arnold im Herbst in den Aufsichtsrat zurückziehen. Ihn treibt die Frage nach Neuem um, die Sinnfrage. Er will sich sozial und stärker als Investor engagieren, für „Prop-Techs“, Start-ups der Immobilienbranche. Ventoro aus Berlin etwa, die Fenster herstellen und einbauen: Den Namen versteht niemand, hat er den Gründern erklärt und geraten, sich „Deutsche Fensterbau“ zu nennen. Klingt größer. Und geiler. Und optimieren kann er dort sicher auch noch vieles.

 


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