PorträtDaniel Arnold - der Reihenhaus-Optimierer

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Architekturmodell einer Wohnanlage in der Kölner Firmenzentrale
Architekturmodell einer Wohnanlage in der Kölner Firmenzentrale (Foto: J. Sellmann)

Die Zentrale sitzt in einem Gewerbegebiet in Köln, viel Glas, Weiß und Design, grüne Sofas, auf den Tischen stehen kleine Karaffen mit Nüssen und Bio-Smoothies. An den Wänden: Rahmen mit Zeitungsberichten über seine Projekte, ein Brief von einem Bundesbauminister.

Alles hier hat Arnold selbst gestaltet. Das macht ihm Spaß, gerade erst war er im Silicon Valley, um sich inspirieren zu lassen. Nicht alles hat ihn beeindruckt. „Bei Google ist es immer nur im Foyer schick“, sagt er. „Im ersten Stock sitzen dann alle dicht gedrängt.“ Er will nach zehn Jahren umziehen, „wir platzen hier aus allen Nähten“. Und er kann dann wieder neu einrichten.

Auf den Tischen liegen Bücher: „In deutschen Reihenhäusern“, ein Bildband, Wimmelbücher über Reihenhäuser für Kinder, ein Fachbuch über Wohnimmobilien, Arnold ist Mitherausgeber und Autor. Wohnen ist mehr als ein Geschäft für ihn – es ist sein Lebensthema. Arnold lässt in Studien das Stadtleben untersuchen und ob es Familien glücklicher macht. Er schreibt Aufsätze über die „Erschwinglichkeit von Wohnen“. Die Bildbände sind Marketing – aber auch eine Antwort auf die Geringschätzung, die ihm immer wieder entgegenschlägt.

Da wohnen keine Asozialen

„In Ihre Billighäuser ziehen doch nur Asoziale“, sagte ihm einmal eine Stadtplanungschefin – „wortwörtlich“, beteuert Arnold. Als Antwort machte er dieses hochwertige Buch, porträtierte 50 Familien, mit Fotograf und Interviews. Seite 47: Raimund B., 42, Kraftfahrer, Heike B., 44, Arzthelferin, Dennis, 13, Mi­chelle, 12. Seite 150: Mezut D., 44, Buchhalter, Sevilay D., 45, Sachbearbeiterin, Anil Ozan, 17, Schüler.

Man schaut in diesem Buch auf Bankfachwirte, Lehrerinnen, Metzger, Krankenschwestern, Office-Manager der US-Army, Werber. Familien auf Ledersofas, vor Zimmerpflanzen und hinter Couchtischen, mit beleuchteten Aquarien, Wohnzimmer, die vollgestellt, und andere, die ganz weiß sind. 50-mal das normale, kleine Glück, einmal quer durch die Gesellschaft. 98,5 Prozent der Käufer wohnen in den Häusern. „Das sind Menschen, die froh und dankbar sind, ein eigenes Haus zu haben“, sagt Arnold.

Er hat die Eigentümerstruktur für einen Wohnpark in Ratingen sogar einmal analysieren lassen: Zwei Drittel sind Haushalte mit drei oder vier Personen, 88 Prozent Deutsche, 72 Prozent haben Hochschul- oder Fachhochschulreife, 45 Prozent ein Einkommen von 2000 bis 4000 Euro, 33 Prozent verdienen mehr.

In einem anderen Amt hörte er einmal: „In so ein Haus würden Sie doch selbst nicht ziehen.“ Seine Antwort: „Ich lade Sie gern zum Tee ein, ich wohne drin.“ Er schlägt Seite 170 auf, dort sitzt Daniel A., 34 Jahre, auf einem Sofa mit Glastisch, das Regal daneben voller Gesellschaftsspiele. Sieben Jahre hat Arnold in diesem Haus gelebt.

Der Vater sagt damals zu ihm: Komm, wir machen größere Fenster und einen Wintergarten rein. Nein, sagt der Sohn, alles bleibt Standard. Ich will wissen, wie man darin lebt – und er lernt es kennen, versetzt danach Lichtschalter, plant hier und da eine Steckdose mehr.

„Reihenhäuser“, sagt Arnold, „sind ein Ort der Gemeinschaft.“ Hier gibt es Nachbarschaftsfeste, schwarze Bretter, man kennt sich und hilft sich gegenseitig. „Alle wohnen hier auf einer Ebene.“