ImmobilienWie der Berliner Mietendeckel den Wohnungsmarkt zerstört

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Frank Muschiol: Der Handwerksunternehmer auf einer Baustelle am Kurfürstendamm
Frank Muschiol: Der Handwerksunternehmer auf einer Baustelle am Kurfürstendamm (Foto: S. Wells)

Kaum jemand, auch Muschiol nicht, bestreitet, dass es in Berlin ein Problem gibt. In den letzten zehn Jahren sind die Mieten für freie Wohnungen rasant gestiegen, selbst in früheren Problemvierteln wie Neukölln kosten Wohnungen ­heute leicht 15 Euro kalt je Quadratmeter. Vor zehn, 15 Jahren war ein Drittel üblich. Allerdings: Die, die heute zu diesen Mieten in exquisit sanierten Altbauten mit Fußbodenheizung und Schieferplattenbädern wohnen, waren bisher nicht unglücklich. Nicht nur Mieten und Kaufpreise sind gestiegen, auch Wohnqualität und Wohlstand in der Stadt.

Neben all den dramatischen Folgen für Eigentümer und Unternehmen ist dies die wohl merkwürdigste Konsequenz der Initiative: Eine rot-rot-grüne Stadtregierung entlastet ausgerechnet jene, die es gar nicht nötig haben.

Investoren auf dem Rückzug

Welche Signalwirkung von dem Gesetz ausgeht, kann Felix von Saucken berichten: „Wir spüren eine enorme Zurückhaltung, vor allem bei den internationalen Investoren“, sagt der Deutschland-Chef der internationalen Immobilienberatung Colliers. Projekte werden zurückgestellt, Anlagemodelle geraten ins Schlingern. Er kenne persönlich mehrere Unternehmen, die den Bau von insgesamt 10.000 Neubauwohnungen angesichts der Senatspläne abgesagt hätten. „Diese Verunsicherung wird auch nicht so rasch vorübergehen“, sagt von Saucken. Selbst wenn der Mietendeckel juristisch gekippt werde, sei das Vertrauen der Investoren „für die nächsten fünf bis acht Jahre“ erst einmal erschüttert.

Das schwedische Unternehmen Akelius, seit 13 Jahren in Berlin aktiv und Eigentümer von rund 14.000 Wohnungen, kündigt einen Sanierungsstopp an: „Wir wollen in Berlin bleiben“, sagt Ralf Spann, Europa-Chef von Akelius. „Aber wir werden Wohnungen, die leer werden, bis auf Weiteres nicht mehr sanieren“, sagt Spann.

Schrecken löst das Projekt aber nicht nur bei großen Investoren aus, sondern auch bei Kleinvermietern. Michael Rath und seine Frau Eva (Name v.d.Red. geändert) etwa kauften sich vor acht Jahren eine Wohnung in Prenzlauer Berg. 125 Quadratmeter, damals knapp 400.000 Euro. Vor zwei Jahren beschloss die fünfköpfige Familie einen großen Schritt – ein Umzug nach Frankfurt, des Jobs wegen. Die Wohnung in Berlin aber wollten sie behalten, als Fuß in der alten Heimat und als Teil der Altersvorsorge. Es war nicht besonders schwer, die Wohnung zu vermieten, auch nicht für 16 Euro je Quadratmeter. Die Miete sollte die Kreditrate plus Steuern decken, alles ganz realistisch.

Ab Herbst kommenden Jahres werden die Raths ihre Wohnung nur noch für maximal 12,50 Euro je Quadratmeter vermieten können, das macht 1562,50 Euro pro Monat. Abzüglich Steuern bleiben noch gut 1000 Euro für den Kredit, knapp 400 Euro zu wenig. „Das sprengt unsere Finanzierung“, sagt Rath – denn in Frankfurt zahlen sie jetzt sogar 18 Euro in ihrer ebenfalls gemieteten Doppelhaushälfte.