GastbeitragBaukindergeld - Augenwischerei oder Erfolgsmodell?

Das Baukindergeld soll Familien den Hauskauf erleichtern
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Es ist amtlich. Das neuaufgelegte Baukindergeld gibt es rückwirkend ab Januar 2018. Sagenhafte 100 Euro pro Monat oder 12.000 Euro pro Kind kann jeder Bauherr beantragen, dessen zu versteuerndes Jahreseinkommen 75.000 Euro nicht übersteigt plus pro Kind weitere 15.000 Euro. Der Zuschuss – verteilt auf eine Laufzeit von zehn Jahren.

Nicht klar geworden ist zuletzt, ob Bauherren tatsächlich 20 bis 30 Prozent Eigenkapital vorweisen müssen, um von der Förderung zu profitieren. In diesem Fall käme das Programm nur einer relativ überschaubaren Anzahl von Familien zugute – und der Verdacht christdemokratischer Klientelpolitik wäre zumindest naheliegend. Gleiches gilt für die Vermutung, dass das Baukindergeld womöglich nur ein Projekt für die ländlichen Gebiete ist, um den Zuzug in die Ballungsgebiete und Großstädte zu verringern.

Was auch immer die Motivation für die Neuauflage der längst vergangen geglaubten Förderung sein mag – der eigentlich interessante Punkt ist, ob sie ihren Zweck erfüllen kann, mehr Familien den Kauf eines Eigenheims zu ermöglichen. Die FMH-Finanzberatung hat bereits bei der ersten Bekanntgabe der neuen Fördermöglichkeit im Februar 2018 ihre Zweifel gehabt, ob es wirklich ein Vorteil für die Familien sein wird.

Bei idealen Voraussetzungen greift die Förderung

Nehmen wir an, eine Familie mit drei Kindern möchte ein Haus für 300.000 Euro erwerben. Das monatliche Familien- Netto beträgt 3500 Euro. Das (vermutlich) erwartete Eigenkapital von 80.000 Euro ist vorhanden.

In einer solchen Konstellation würde ein guter Berater normalerweise einen Darlehensvertrag mit 15 Jahren Zinsbindung und einer jährlichen Tilgungsquote von drei Prozent empfehlen. Damit käme unsere Familie auf eine monatliche Rate von 900 Euro und hätte nach Ablauf der Zinsbindung noch eine Restschuld von 105.000 Euro.

Wegen des Baukindergeldes stehen der Familie nun allerdings noch bessere Konditionen offen. Sie kann ein Darlehen abschließen, dass eine Tilgungsveränderung zwischen fünf und zwei Prozent ermöglicht und die Förderung dazu einsetzen, in den ersten zehn Jahre 300 Euro pro Monat mehr zu tilgen. Selbst wenn sie die Rate nach Ablauf der Förderung wieder auf 900 Euro senkt, hat sie durch diesen Kunstgriff die Restschuld am Ende der Kreditlaufzeit auf 62.000 Euro reduziert – eine immense Erleichterung und ein echter Vorteil beim Immobilienerwerb.

Eine Gleichung mit vielen Unbekannten

Schwer abzuschätzen ist zwar, ob die neue Förderung die Lage auf dem ohnehin überhitzten Immobilienmarkt weiter verschärfen wird, so dass die Preise nochmal steigen. Doch selbst in diesem Fall könnte die Förderung ihren Zweck noch erfüllen. Die Situation ist dann aber bei weitem nicht mehr so komfortabel wie bei stabilen Preisen.

Unterstellt, die Immobilie unserer Musterfamilie kostet inzwischen 335.000 Euro. Die ursprüngliche Rate von 900 Euro reicht nun nicht mehr, um das Objekt zu finanzieren. Doch das Baukindergeld versetzt unsere Käufer in die Lage, auch die jetzt erforderlichen 1190 Euro zu stemmen. Weil in zehn Jahren, nach Ende der Förderung, ein Kind weniger zum Haushalt zählen und auch das Einkommen einiges höher sein wird, plant die Familie für diese Phase eine Reduktion der Rate auf 1000 Euro. Ergebnis: Nach 15 Jahren beträgt die Restschuld aufs Haus noch 110.000 Euro. Das ist machbar, doch eine Anschlussfinanzierung kann nochmal teuer werden.

Fazit: Das Baukindergeld kann Familien ins Eigenheim ebnen, wenn die Förderung nicht zu signifikant steigenden Preisen führt und die (derzeit offenbar noch) erforderliche hohe Eigenkapitalquote gekippt wird.

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