ImmobilienAus dem Häuschen

Wenn Christa Seifert an ihre alte 100-Quadratmeter-Wohnung im ostwestfälischen Bad Salzuflen denkt, gerät sie noch immer ins Schwärmen: „Riesige Fensterfronten im Wohnzimmer, große Terrasse, geschliffene Glastüren, eine entzückende Küche, sogar eine Sauna mit Liegeraum hatten wir. Die Wohnung war eine Wucht!“

Doch dann erkrankte ihr Mann. Rund 2000 Euro pro Monat kostete die Unterkunft im Pflegestift. Die Ersparnisse schmolzen dahin, notgedrungen musste Seifert die Wohnung verkaufen. „Kein Pro­blem“, tönte der Makler. Doch nichts passierte. Zwei Besichtigungen in ­einem Jahr, erst dann konnte sie den Exklusivvertrag kündigen. Die Maklerin danach war engagierter: In wenigen Monaten führte sie zwei Dutzend potenzielle Käufer durch die Räume, alle waren begeistert.

Es scheiterte an Kleinigkeiten: „Dem einen gefiel der Teppich nicht, beim nächsten passte der eigene Schrank nicht ins Schlafzimmer.“ Auch die Preisvorstellungen gingen auseinander: Seifert erhoffte sich 130.000 Euro, weit mehr, als die Interessenten zu zahlen bereit waren.

Paradoxe Marktlage

Der finanzielle Druck wuchs. Als Christa Seifert nach anderthalb Jahren die Pflege ihres Mannes kaum noch bezahlen konnte, begann sie, den Preis zu senken. Die Käufer drückten ihn zuletzt auf 95.000 Euro. „Ich war froh, dass ich die Wohnung überhaupt noch losgeworden bin.“

Es scheint paradox: Die Nachfrage nach Immobilien ist so groß wie lange nicht in Deutschland, die Preise klettern vielerorts auf ­Rekordwerte. Eigentlich ideale Voraussetzungen für Besitzer von Häusern und Wohnungen, ihr Objekt loszuschlagen. Wer ein Häuschen von Oma geerbt, sich von seinem Partner getrennt hat oder schlicht keine Lust mehr aufs Rasenmähen im eigenen Garten hat, sollte jetzt eigentlich ein gutes Geschäft machen. Dennoch tun sich viele Verkäufer schwer damit, den gewünschten Preis zu erzielen.

Ein paar Annoncen, ein halbes Dutzend Besichtigungstermine und dann ab zum Notar – so einfach läuft es eben doch nicht. Ob der Verkauf einer Immobilie ein Erfolg oder ein Fiasko wird, hängt vom Zustand und der Lage des Objekts ab, vor allem aber vom Geschick des Verkäufers. Auf plus/minus 25 Prozent schätzt Michael Kiefer, Chefanalyst des Internetportals Immobilienscout24, die Spanne zwischen perfektem und miserablem Verkaufsergebnis: Je nachdem wie es läuft, stehen bei 200.000 Euro Verkehrswert später 250.000 oder 150.000 Euro im Vertrag – eine stattliche Differenz.